Arbeitsmarkt trotzt der Krise

5. Januar 2010, 06:20 Uhr

Robuster Arbeitsmarkt: Trotz Krise ist die Arbeitslosenquote 2009 im Schnitt weit weniger gestiegen als befürchtet. Auch im Dezember ging sie nur leicht rauf. 2010 dürfte sich das ändern.

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Trübe Aussichten: Zeigte sich der Arbeitsmarkt 2009 noch recht robust, so wird die Krise in diesem Jahr wohl durchschlagen©

Aufatmen am Arbeitsmarkt: Auch zum Jahresende ist der befürchtete starke Anstieg der Arbeitslosenzahl ausgeblieben. Zwar ging die Zahl der Jobsuchenden im Dezember um 60.000 auf 3,276 Millionen nach oben - ein Plus von 173.500 im Vergleich zum Vorjahr. Doch blieb eine große Entlassungswelle bislang aus. Bankenvolkswirte hatten in einer Befragung der Deutschen Presse-Agentur mit einem weit höheren Anstieg gerechnet. Sie waren von 110.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Vergleich zum November und rund 220.000 im Jahresvergleich ausgegangen.

"Trotz der tiefen Rezession hat sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2009 robust gezeigt", urteilte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Dienstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote nahm im Dezember um 0,2 Punkte auf 7,8 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,4 Prozent gelegen. Die Arbeitslosigkeit habe im vergangenen Jahr bei weitem nicht so stark zugenommen wie ursprünglich befürchtet, so der BA-Chef.

Kurzarbeit sei Dank

Im Schnitt des Jahres 2009 waren bundesweit 3,423 Millionen Menschen ohne Arbeit. Dies seien lediglich 155.000 mehr als im Jahr 2008, teilte die BA mit. Vor allem der massive Einsatz der Kurzarbeit, aber auch statistische Effekte hätten zu dem vergleichsweise moderaten Anstieg beigetragen. Im Westen waren im Durchschnitt 2,32 Millionen Menschen ohne Beschäftigung (ein Plus von 176.000), im Osten 1,1 Millionen (minus 20.000).

Saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Dezember um 3000 auf 3,421 Millionen. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 2000 zu, im Osten verringerte sie sich um 5000. Die BA wies jedoch darauf hin, dass ohne einen Sondereffekt durch die Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen die Gesamtzahl um 6000 gestiegen wäre.

Das Schlimmste kommt noch

Dem Arbeitsmarkt steht nach Prognosen der Bankenvolkswirte das Schlimmste erst noch bevor. Die Mehrzahl von ihnen rechnet in der ersten Jahreshälfte 2010 mit stark steigenden Erwerbslosen-Zahlen - eine Einschätzung, die auch der Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, teilt. "Im neuen Jahr wird sich die Arbeitsmarktlage deutlich verschärfen", glaubt etwa Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Danach könnte sich die Lage verbessern.

Skeptisch ist dagegen Stephan Bielmeier von der Deutschen Bank. Er rechnet damit, dass sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten weiterhin verhältnismäßig moderat entwickeln wird. Schwierig könnte es erst in der zweiten Jahreshälfte 2010 werden. "Wir gehen davon aus, dass dann die konjunkturelle Dynamik nachlässt, weil dann die Notenbanken die Zinsen anheben und Konjunkturprogramme auslaufen".

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KOMMENTARE (10 von 34)
 
undjetztnochder (05.01.2010, 15:20 Uhr)
@berns4000
Das mit dem Mietobjekt und den 10 Jahren ist doch Blödsinn. Solche Geldanlagen sind entweder hochriskant, unseriös oder gar betrügerisch. Kommen Sie bitte zurück auf den Teppich der Realität.
nightmare_online (05.01.2010, 14:18 Uhr)
@Kasperltheater
Die Lohnentwicklung hierzulande hat nicht das Geringste mit "Notwenndigkeit" zu tun, das war politisch gewollt. Das sieht man schon daran, das D in diesem Jahrtausend den weitaus geringsten Zuwachs der Reallöhne aller EU-Länder hat. Dieses Land befindet sich heute bezüglich Kaufkraft am Ende der "alten" EU.
Aber seien wir ehrlich: Gewisse Leute hierzulande werden erst dann zufrieden sein, wenn Deutschland bezüglich des Wohlstandsniveaus nicht mit Italien um Rang 10, sondern mit Rumänien um Rang 25 kämpft, und Nokia wegen der geringeren Lohnkosten wieder ein Werk in D aufmacht.
berns4000 (05.01.2010, 13:31 Uhr)
Es kommt noch viel schlimmer
Warum sollte ein Ende der Krise kommen?

Die Krise kommt nämlich nicht von"globalen" Ereignissen und auch nicht wegen der kriminellen Aktionen einiger Banken.

Die Krise ist entstanden wegen ders weltweit und besonders in Deutschland immer weiter um sich greifenden Lohndumpings. Die Lohnempfänger, das ist die Mehrheit der Menschen, bekommen immer niedrigere Löhne. Löhne, von denen sie immer weniger konsumieren können, obwohl andererseits ständig die Preise steigen.

Eine kleine Minderheit von ausbeutenden Kapitalisten reibt sich die Hände: Sie werden immer reicher, während die Mehrheit immer ärmer wird.

Beipiel Mieten: Früher hat sich ein Mietobjekt für den Vermieter nach 30 Jahren refinanziert. Heute geschieht das bereits in 10 Jahren. Weil die Politik in Deutschland das erlaubt. Deshalb sind Mieten in den letzten 50 kahren dreifach teurer geworden, während die Löhne ständig real sinken.

Lebenshaltungskosten werden ständig teurer, Mineralöl, Gas, Strom, alles wird zusätzlich zur gewaltigen Teuerung noch durch exzessiv hohe Steuern weiter verteuert.

Warum lassen sich das die Menschen gefallen? Sind sie blöde, oder was ist mit der Mehrheit der Betroffenen los?

Die Sprüche der gutverdienenden Staatsdiener wie z.B. Herrn Weise hängen mir langsam zum Halse heraus. Warum sagt man nicht die Wahrheit, dass es jetzt schon über 10 Millionen Arbeitslose gibt?
Warum belügt man die Leute und behauptet, die Lohnkosten wären zu hoch?

Von nichts kommt nichts. Die potentiellen Käufer haben immer weniger Geld. Von wo bitte, soll denn da ein Aufschwung kommen?
knilch_59 (05.01.2010, 13:28 Uhr)
@kasperltheater (@auwei)
Nein, die Löhne waren und sind bei uns nicht zu hoch - jedenfalls nicht die Nettolöhne, und nur darauf kommt es an. Weder gemessen an der Kaufkraft, noch gemessen am Lebensstandard vergleichbarer Beschäftigter in den Industriestaaten, mit denen wir uns vergleichen wollten, waren unsere Löhne abgehoben. Nur mit dem politischen Überbau darüber, mit den Abgaben und Lohnnebenkosten, gibt es Probleme. Die kommen aus einer falschen politischen Steuerung der Wirtschaft, nämlich dem brach liegen Lassen der Binnenkonjunktur und der extremen Exportorientierung. Dadurch wird Wohlstand nur vorgegaukelt. Wenn die DM oder der Euro mal wieder zu neuen Höchstständen der Devisenkurse aufbrechen, ist das zwar toll für Touristen, aber auf wie viel Lohn soll man denn verzichten, um Kursschwankungen zum US-$ um 30% auffangen zu können? Selbst Geringverdiener konnten sich dann im Ausland fühlen wie Graf Koks und das Anspruchsniveau in idiotische Höhen treiben.
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Und sobald die internationalen Wirtschaftsbeziehungen mal einen kleinen Rückschlag erleiden, liegen bei uns, der immer noch viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, die Nerven blank. Wir tragen nichts zur Stabilität des Systems bei, im Gegenteil. Wir das Kaninchen auf die Schlange starrt, müssen wir darauf warten, bis der Export wieder Fahrt aufnimmt. Wie stark denn noch?
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Uns fehlt Binnen-Kaufkraft. Die bekommt man nur, indem die Nettolöhne gerade in dem Sektor steigen, in dem die Leute das Geld nicht sparen, sondern auch ausgeben, vorzugsweise für Produkte, die auch noch im Land hergestellt werden. Ausdrücklich Produkte, keine Dienstleistungen. Davon, dass wir uns gegenseitig die Häuser bewachen, die Haare schneiden, Altenpflegen und die Steuern erklären, wird kein Wert geschaffen. Also muss man eine ordnungspolitische Struktur schaffen, die das ermöglicht, wir haben jahrzehntelang das Gegenteil getan.
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Eine Politik, die hinnimmt, dass man ohne Studium im Arbeitsmarkt fast keine Chance mehr auf durchgängige Beschäftigung hat, verschweigt, dass das Sozialkosten für Ausbildung verursacht, weil die Leute nicht mehr mit 16, sondern erst mit 25 berufsfertig sind. Wenn man dann über Jahrzehnte auch noch sagt, dass es okay ist, wenn man mit 60 aufhört zu arbeiten, muss man eben Umverteilungsquoten durch Steuern und Sozialabgaben in Höhe von 50% der Brutto-Lohnsummen hinnehmen. Die Wenigen, die produzieren, müssen nun mal die vielen Anderen mit durchfüttern: Schüler, Lehrer, Arbeitslose, Müllwerker, aber auch Händler, Gebäudereiniger und Bewachungsgewerbe. Je mehr produzieren, desto geringer der Umverteilungsbedarf. Die Dienstleistungsgesellschaft kann zwar funktionieren, aber nur auf Basis von Umverteilung, was im Zweifelsfall Steuern und Sozialabgaben bedeutet.
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Heute, in der Arbeitslosenstatistik, kommt das volle Drama nur deshalb noch nicht zu Tage, weil wir mit der idiotischen Staatsverschuldung darüber hinwegtäuschen.
auwei (05.01.2010, 12:26 Uhr)
@kasperltheater
Ich bin kein Experte, gebe Ihnen aber dahingehend Recht, dass das ganze System überdacht werden muss. Ob die Löhne hierzulande in Kaltkriegszeiten zu hoch waren (so habe ich Sie verstanden), sei dahingestellt. Richtig ist m.E. aber, dass künftig andere Proiritäten gesetzt werden müssen. Der Markt kann es nicht mehr alleine richten - er verlangt einerseits geringere Löhne (höherer Wettberbsdruck), andererseits aber auch höhere Kaufkraft (egal, ob in Shanghai oder Stuttgart). Das läuft nach meiner einfachen Rechnung auf eine stärkere Spaltung der Menscheit in immer schwächere Arbeitsanbieter und immer stärkere Kapitaleigner hinaus. Die allerdings können die geringere Massenkaufkraft niemals kompensieren. Ergo brauchen wir andere Verteilungs- bzw. Wertschöpfungs-Teilhabesysteme. Von bedingungslosem Grundeinkommen bis hin zu "Weltgewerkschaften" darf alles durchdacht werden. Ein Patentrezept gibts wohl nicht - aber so wie bisher geht's auch nicht mehr lange gut. Allerdings - und da gebe ich Ihnen völlig Recht - wird es auch ohne Konsumverzicht auf breiter Front nicht funktionieren. Der allerdings muss politisch abgefedert und die Lasten müssen entsprechend verteilt werden.
nightmare_online (05.01.2010, 12:19 Uhr)
@Xennia
Nicht vergessen sollte man die (AFAIK) rund 20.000 H-IV-ler, die monatlich zwangsverrentet werden. Da sind dann am Ende des Jahres eine knappe Viertelmillion Bürger weniger arbeitslos.
Bei derart kreativen Massnahmen haben wir in nullkommanichts Vollbeschäftigung, Sie werden sehen.
knilch_59 (05.01.2010, 12:00 Uhr)
@mister-mister
Mit der Sehnsucht nach Katastrophenmeldungen könnte man Ihnen ja noch recht geben, wenn nicht die andere Seite noch extremer eine heile Welt darstellen wollte.
Die Zahl der Arbeitslosen sagt eben nichts mehr über die Wirtschaftskraft unserer Volkswirtschaft aus. Wenn aber angeblich das Wachstum um über 5% eingebrochen ist, andererseits aber weder im öffentlichen Dienst, noch bei den Rentnern und auch nicht bei der Anzahl der Wert schaffenden irgendwelche Rückschläge zu verzeichnen sind, muss man sich fragen, wer denn wirklich die Rechnung bezahlt.
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Aber Ihr Posting beweist, dass die Verschleierungstaktik, zumindest in Teilen der Bevölkerung, funktioniert.
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Wer bezahlt denn für die Nicht-Arbeitenden, die nicht arbeitslos sind, die Rente und die Krankenversicherung? Woher bekommen die ihr Geld für den Lebensunterhalt? Wie wird finanziert, dass die Industrie Umsatz-Einbußen von tw. 15% hinnehmen musste und tief in die roten Zahlen gerutscht ist (Daimler, BMW, ...)
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Die BA hat innerhalb nur eines Jahres 10 Mia Rücklagen PLUS die laufenden Beitragseinnahmen verbraten. Wie soll das weitergehen? Die Krankenversicherung lebt von der Hand in den Mund und rechnet dieses Jahr, trotz persönlicher Zusatzbeiträge, mit einem Minus von mehreren Milliarden. Wer füllt das auf?
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Merken Sie nicht, dass Multi-Milliarden in die Hand genommen werden, um das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit zu verschleiern, oder wollen Sie das nur nicht merken? Dann gehören Sie zu der Sorte Mensch, die bei Durchfall lieber starke Beruhigungsmittel nimmt. Man scheißt sich zwar trotzdem in die Hose, aber es ist einem so herrlich egal!
DandyD (05.01.2010, 11:57 Uhr)
Bei Behinderten
steigt die Arbeitslosigkeit überproportional stark. Darüber hinaus werden Behinderte in den Jobcentern diskriminiert und unter Druck gesetzt
Kasperltheater (05.01.2010, 11:57 Uhr)
@auwei
korrekt. Wobei ich einen Schritt weiter gehe und behaupte, dass die in Gang gesetzten kausalen Ketten nicht mehr rückgängig zu machen sind. Es geht auch nicht darum, dass ein gut gebildeter keinen Job mehr bekommt, sondern das ein Grossteil der Bevölkerung Arbeiten zu tollen löhnen verrichtet hat, welche nicht mehr bezahlbar sind. Politisch mögen diese Löhne zu Zeiten des kalten Krieges opportun gewesen sein, aber nun?

Man hat es versäumt nach dem Fall des Kommunismus das System rational zu entschlacken und nicht weiter den grossen Max zu spielen.

Jetzt wo auch die Schwellenländer ein Stück vom Kuchen abhaben wollen rudert man ziellos durch die Gegend und verschweigt, dass der Planet endliche Resourcen hat und dass es nicht für 7 Milliarden reicht warmes Wasser zu haben. Ein neues System muss her und zwar schnell, bevor alles in die Binsen geht.

Das Regularium nun alles auf einen vernünftigen Kennwert zu reduzieren stösst vielen sauer auf. Verständlicherweise will keiner zu Hungerlöhnen arbeiten. Nur ist das Ziel aben...Reduktion des Konsums und damit Reduktion von Resourcenverbrauch.

Die damit verbundenen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt stellen alles auf den Kopf. Während ein Grossteil sparen muss, kann ein kleiner Teil weiter Resourcen verbrauchen. Ein Spiel mit dem Feuer, wenn man sich die Geschichte anschaut. Meist sind aus solchen Szenarien Umbrüche entstanden, welche Krieg und Zerstörung verursachten.

Man möge in den Entscheidungsebenen alle Optionen durchdenken, bevor man so weitermacht, wie bisher.
auwei (05.01.2010, 11:34 Uhr)
@undjetztnochder
Nichts gegen Durchhalteparolen - und wer seinen Arbeitsplatz behalten darf, kann sich meiner Mitfreude sicher sein. ABER: Das Bild von der Talsohle stimmt nur teilweise. Natürlich wird es irgendwann wieder mehr Jobs geben - aber sie werden schlechter bezahlt und unsicherer sein. Der Sockel wird zudem wachsen. Wie jedesmal nach einer Krise. Merke: was in der Krise verloren geht, kommt SO nie mehr wieder (sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze mit menschen- (nicht "markt"-)würdiger Bezahlung). Zum Optimismus besteht also kein Grund. Das Beste was sich sagen lässt: Die Verheerungen könnnten geringer sein als zunächst befürchtet - quasi Amputation nur knieabwärts statt des ganzen Beins. Ist doch auch schon mal was, oder?
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