Wie Unternehmen für ihre Ideen Millionen sammeln

15. Februar 2014, 08:30 Uhr

Goldgräberstimmung in Berlin: Startups mit tollen Ideen finden vor allem in der Hauptstadt ihren Sitz. stern.de hat drei junge Firmen besucht, die auf dem Weg nach oben sind. Von Jan Lüthje

Hochwerfen, Panorama-Bild machen und ab dafür in die Cloud. Das ist das Prinzip von Panono, ein High-Tech Ball, der mit 36 Kameras bestückt ist. mehr...

Ursprünglich nur als Diplomprojekt gedacht, erregte die Panono so viel Aufsehen, dass die beteiligten Berliner Studenten daraus ein Startup machten. Das nötige Kleingeld besorgten sich die Gründer über Crowdfunding, einer Geldsammelaktion im Internet. Mehr als 1,2 Millionen Dollar kamen so zusammen.

Björn Bollensdorff, Co-Gründer Panono GmbH: "Vor zweieinhalb Jahren war es so, dass sehr viele Menschen uns geschrieben haben und uns gefragt haben, warum macht ihr kein Crowdfunding - Projekt, ich würd das gern unterstützen, warum bietet ihr das nicht an, und da haben wir uns gesagt, wenn so viele Leute das haben wollen, und das als sinnvoller Weg erscheint für uns und uns auch erlaubt, ein bisschen unabhängiger zu bleiben, dann machen wir das so."

Im Herbst soll die Kamera in Serie gehen, zum Stückpreis von etwa 600 Euro. Andere Startups setzen eher auf Gelder von Investoren – vor allem in Berlin, das immer mehr Unternehmen mit neuen digitalen Ideen anzieht. Gut 130 Millionen Euro wurden dort 2012 in die Digitalwirtschaft investiert. Allerdings müssen Gründer ihr Konzept den Investoren schon verkaufen können.

Christian Malorny, McKinsey&Company: "Gründer müssen mit einer guten schlagkräftigen Idee sich Kapital beschaffen, und das ist möglich. Ein Gründer sollte in der Lage sein, wir nennen das immer den Fahrstuhl-Test, in einer Minute zu sagen, warum soll ich in dich investieren. Und das muss gelingen."

Bei Babbel hat's geklappt. An ihrem sechsten Geburtstag ist die ebenfalls in Berlin ansässige Firma eines der erfolgreichsten Sprachlernportale weltweit, mit 250 Mitarbeitern und mehr als 35 Millionen Nutzern. Das Konzept: Fremdsprachen kostengünstig und spielerisch vermitteln. Mit Online-Software, die das Vorwissen der Nutzer berücksichtigt. Eine echte Marktlücke!

Markus Witte, Co-Gründer "Babbel": "Wir haben nämlich selber im Internet nach Sprachkursen gesucht und festgestellt, dass es damals, 2006, da keine Angebote gab. Wir haben uns dann den Markt angeguckt und gedacht, das ist eine Riesengelegenheit. Die Produkte, die es bis dahin gab, wurden auf CD Rom ausgeliefert, die waren qualitativ nicht sonderlich gut."

Das Ergebnis hat die Investoren überzeugt. Letztes Jahr konnten die Gründer weitere 10 Millionen Dollar an Kapital einwerben. Damit wollen sie nun den US-Markt aufrollen.

Auch auf Expansionskurs: ResearchGate, eine Art Facebook für Wissenschaftler. Die können sich auf dem Portal vernetzen und Ergebnisse austauschen. Die Idee hat auch Microsoft - Gründer Bill Gates überzeugt. 35 Millionen Dollar hat er investiert. Die Investoren, für Gründer Iljad Madisch sind sie mehr als nur Geldgeber.

IIjad Madisch, Gründer ResearchGate: "Immer wenn ich HIlfe brauche, bekomme ich die HIlfe. Erst vor nicht allzu langer Zeit war auch Bill Gates hier bei uns im Büro, wir hatten ein sehr langes Treffen, haben über sehr viele Dinge gesprochen, was uns auch wiederum hilft."

Was Iljad Madisch mit vielen Berliner Gründern verbindet; Es geht ihm nicht um kurzfristigen Profit, sondern darum, etwas Nachhaltiges zu schaffen. Für Investoren mag das Nebensache sein, aber es macht ihn sympathisch. Den Berliner Startup-Boom. Schließen