Lohnnebenkosten überraschend niedrig

9. Februar 2007, 10:31 Uhr

Diese Zahlen widersprechen einem gängigen Vorurteil: Laut des Statistischen Bundesamts liegen die deutschen Lohnnebenkosten im EU-Vergleich unter dem Durchschnitt. Dafür ist der deutsche Arbeitnehmer an anderer Stelle sehr teuer.

Eine Mitarbeiterin des Miele-Werks in Gütersloh montiert Waschmaschinen am Fliessband©

Die deutschen Arbeitgeber zahlen im EU-Vergleich geringere Lohnnebenkosten als im Durchschnitt aller 27 Mitgliedsländer. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte, gab die Privatwirtschaft in der Bundesrepublik im Jahr 2004 je 100 Euro Bruttolohn und -gehalt zusätzlich rund 33 Euro für Lohnnebenkosten aus. Das sind etwa drei Euro weniger als im Mittel der Europäischen Union.

Höchsten Lohnnebenkosten in Schweden

Laut Statistischem Bundesamt bewirken die von Land zu Land unterschiedlichen Beiträge der Arbeitgeber zur Finanzierung der Sozialsysteme die große Spannweite der Lohnnebenkosten. So zahlten schwedische Arbeitgeber im Jahr 2004 mit 51 Euro auf 100 Euro Bruttoentgelt die höchsten Lohnnebenkosten. Dagegen legte Malta nur zehn Euro drauf.

Überdurchschnittlich hoch war nach Angaben der Wiesbadener Behörde jedoch das Arbeitskostenniveau in der deutschen Privatwirtschaft. Während ein deutscher Arbeitgeber 28,17 Euro für die geleistete Arbeitsstunde zahlte, betrug der Durchschnittswert in der EU 2004 lediglich 20,66 Euro. Die Bundesrepublik lag damit hinter Dänemark (31,98), Schweden (31,15), Belgien, (30,36), Luxemburg (30,09) und Frankreich mit 28,85 Euro je Arbeitsstunde auf dem sechsten Platz. Die geringsten Arbeitskosten je Stunde fielen mit 1,62 Euro und 1,90 Euro in Bulgarien und Rumänien an.

Verarbeitendes Gewerbe besonders teuer

Die Wiesbadener Statistiker fanden ferner heraus, dass das besonders stark im internationalen Wettbewerb stehende verarbeitende Gewerbe in Deutschland besonders hohe Arbeitskosten aufweist: Mit 31,15 Euro ist dort die Stunde die drittteuerste in der EU nach Belgien (32,26) und Schweden (32,11 Euro). Der Durchschnitt in der Europäischen Union lag 2004 im verarbeitenden Gewerbe bei 20,15 Euro je geleisteter Arbeitsstunde.

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
adrema1 (10.02.2007, 17:25 Uhr)
Bizarre Lohndebatte.
Die Reallöhne in der BRD sind in den
vergangenen 10Jahren um 0,9% zurück-
gegangen.Die BRD liegt bei der Real-
lohnentwicklung der vergangenen 10Jahre an letzter Stelle der 15alten
EU-Länder.In diesem Zeitraum sind die
Reallöhne in der EU-15 im Durchschn-
itt um 7,4% gestiegen.Mit Mythen
lässt sich das kritische Bewusstsein
der Menschen vernebeln,denn mit Mythen hat man seit Jahrhunderten die
Menschen u.Völker verführt.Aber der
Mythos ist längst durch die Wirklich-
keit zerstört.Ich habe in der Schule
gelernt,alle Dramatik-u.Horrorszena-
rien sind immer "eindimensional." Sie
geben uns vor,daß es stets nur einen
Grund für eine Entwicklung gibt.DAS
IST VERDUMMUNG.
Salzsteuer (10.02.2007, 10:09 Uhr)
Nachrechnen
Wenn diese Zahlen stimmen beträgt der durchschnittliche Stundenlohn in Deutschland € 21,18. Wenn hiervon 60 % die Armutsgrenze sind sind wohl recht viele Arbeitnehmer hierzulande unterbezahlt!
kaksonen (10.02.2007, 09:57 Uhr)
Schweden
Die hohen Lohnnebenkosten haben in Schweden jedenfalls keinen Einfluss auf den Beschäftigungsgrad. Die Arbeitslosenzahl ist im europäischen Vergleich extrem niedrig und die Konjunktur brummt! Vielleicht sollten die deutschen Unternehmer mal bei den Schweden nachfragen, wie die das machen!
loempia07 (09.02.2007, 19:12 Uhr)
Alles Einbildung
Stammen diese Zahlen von dem selben Amt, das uns seit Jahren erzählt, die Preissteigerungen seit der Euroeinführung sei nur ein kollektiver Irrglaube? Wahrscheinlich haben wir uns die hohen Lohnnebenkosten ebenfalls nur eingebildet?
repol2 (09.02.2007, 15:34 Uhr)
Seltsam, seltsam!
Es ist schon seltsam, das just in der Zeit in der in den meisten Branchen Lohnverhandlungen anstehen, sich das Statistische Bundesamt mit solchen Nachrichten in den Medien präsentiert.
Die Mär mit den zu hohen Lohnnebenkosten hat ausgedient, weil abgedroschen. Nun wird die Forderung nach Zurückhaltung für die Arbeitnehmer in anderer Form den Arbeitgebern zugespielt. Und wie immer wird das auch dieses Jahr klappen! Leider!!
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