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Frauen machen Firmen erfolgreicher

Firmen, die Vorstandsposten weiblich besetzen, sind erfolgreicher als reine Männerzirkel. Trotzdem sitzen in Deutschland weit weniger Frauen im Top-Management als bei europäischen Nachbarn. Telekom-Vorstand Claudia Nemat ist eine Ausnahme.

  Eine von wenigen weiblichen Vorstandsmitgliedern: Claudia Nemat ist bei der Deutschen Telekom zuständig für Europa

Eine von wenigen weiblichen Vorstandsmitgliedern: Claudia Nemat ist bei der Deutschen Telekom zuständig für Europa

Mit Frauen in der Führungsetage wirtschaften Unternehmen erfolgreicher. Das ist das Kernergebnis einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young bei den 300 größten börsennotierten Unternehmen Europas, von denen die meisten in England, Frankreich und Deutschland angesiedelt sind. Ein Drittel der untersuchten Firmen sind im Bereich Finanzwesen und Industrie tätig. Die Studie vergleicht die Jahre 2005 und 2010 und lässt den Schluss zu, dass - zumindest rein statistisch gesehen - Frauen an der Unternehmensspitze ein eindeutiger Erfolgsgarant sind.

Demnach entwickelten sich die wichtigen Kennzahlen Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl und Börsenwert positiver als der Durchschnitt aller Unternehmen, wenn in den Führungsetagen sowohl 2005 als auch 2010 wenigstens eine Frau saß. Und selbst dann, wenn mindestens eine Frau erst bis 2010 in die frühere Männerdomäne kam, wirkte sich das spürbar auf den Gewinn der untersuchten Firmen aus.

Vernichtend ist das Urteil für diejenigen Konzernspitzen, die auch 2010 noch reine Männerzirkel waren. Umsatz, Gewinn, Börsenwert oder Beschäftigung: Alles ist dort schlechter als beim Durchschnitt.

"Es geht um Vielfalt - es geht um den Mix"

"Unternehmen mit weiblichen Vorstandsmitgliedern haben sich im Zeitraum 2005 bis 2010 bei allen Kennziffern besser entwickelt als Unternehmen ohne weibliche Vorstandsmitglieder. Besonders groß ist der Abstand bei Umsatz und Gewinn", bilanziert die Studie.

Die Ergebnisse dürften den Verfechter einer Frauenquote Rückenwind geben. Ana-Cristina Grohnert, die Personalchefin bei Ernst & Young für den deutschsprachigen Raum, gibt allerdings Folgendes zu bedenken: Frauen in Führungspositionen seien meist die Folge eines Umdenkens. Gerade jene Firmen, die Managerinnen aus ihren eigenen Reihen rekrutierten, hätten früh begonnen, die Barrieren in der Unternehmenskultur zu identifizieren, die das einst blockierten. Stelle sich ein Konzern modern, aufgeschlossen, flexibel, zukunftsorientiert, nachhaltig und verantwortungsbewusst auf, sei das generell gut fürs Geschäft - und Frauen an der Spitze seien nur ein Indiz des erfolgreichen Wandels.

"Es geht um Vielfalt - es geht um den Mix", erklärt Grohnert. "Männliche oder weibliche Monokulturen sind in unserer heutigen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts überholt - und hoffentlich auch bald in den Führungsetagen der Wirtschaft", hofft die Managerin.

Frauen haben das bessere "soziale Gespür"

Wissenschaftliche Studien haben mehrfach belegt, dass Frauen Teams positiv beeinflussen - und auch ein Vorstand sollte schließlich ein Team sein. So zeigten US-Wissenschaftler Mitte 2011, dass der Erfolg einer Gruppe nicht vom Intelligenzquotienten ihrer einzelnen Mitglieder abhängt. Kommen aber mehr Frauen in das Team, schneidet die Gruppe ganz einfach besser ab. Mehr sogar noch: Je mehr Frauen, desto besser wird es. Die Autoren der Studie sehen einen Grund dafür in dem bei Frauen für gewöhnlich besseren "sozialen Gespür". Das wirke sich positiv auf die Gruppenprozesse aus.

Auch eine Analyse des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat Ende 2011 gezeigt, dass ein hoher Frauenanteil motivierte, leistungs- und aufstiegsorientierte Mitarbeiterinnen anziehe.

Daher verwundere die Ernst-&-Young-Studie auch nicht, sagt Kris Hauf, Präsidentin des europaweiten Managerinnen-Netzwerks EWMD. "Was neu ist und natürlich sehr erfreulich: Die Studie hat es jetzt auch empirisch bei deutschen und europäischen Unternehmen nachgewiesen."

Vorbild Irland

Die Verfasser der Studie von Ernst & Young ziehen noch ein weiteres Fazit: Die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder ist in europäischen Top-Unternehmen zwischen 2005 und 2010 deutlich gestiegen. 2005 hatten nur acht Prozent der Unternehmen zwei oder mehr weibliche Vorstandsmitglieder. Im Jahre 2010 waren es mit 16 Prozent doppelt so viele. Überdurchschnittlich oft sind sie für Personal und Marketing zuständig. Nach wie vor hat aber die Mehrheit der Unternehmen ein rein männlich besetztes Vorstandsgremium. Auch, dass Frauen Vorstandschefinnen sind, bleibt der Studie zufolge die absolute Ausnahme.

Ein Blick auf die Länder zeigt, dass besonders die untersuchten irischen Unternehmen Vorstandsposten mit Frauen besetzen. 2010 hatten 83 Prozent der Firmen mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied. Finnland folgt mit 75 Prozent und Schweden mit 71.

Ein Land jedoch hat offenbar einen deutlichen Nachholbedarf: In Deutschland haben gerade einmal acht Prozent der Unternehmen mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied. Die Deutsche Telekom und Daimler sind Beispiele. Beide Firmen haben jeweils eine Frau auf Vorstandsebene.

Mehr Frauen in deutschen Aufsichtsräten als in Vorständen

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Ihr zufolge waren Ende 2011 nur 28 von insgesamt 943 Vorstandsposten der Top-200-Unternehmen mit Frauen besetzt. Damit liege der Frauenanteil in der Führungsetage unverändert bei rund drei Prozent, sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst. "Hier herrscht eine männliche Monokultur." Bei den nach Umsatz größten 200 Unternehmen außerhalb des Finanzsektors gebe es nur eine weibliche Vorstandsvorsitzende.

Etwas positiver als die Top-200 entwickelten sich der Studie zufolge die 30 Dax-Unternehmen: Hier stieg der Frauenanteil in den Vorständen um 1,5 Punkte auf 3,7 Prozent. Insgesamt sind laut DIW derzeit lediglich sieben weibliche Vorstandsmitglieder aktiv.

In den Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Unternehmen dagegen sind Frauen deutlich öfter vertreten. Hier habe der Anteil im vergangenen Jahr bei 11,9 Prozent gelegen, sagte Holst - ein leichter Zuwachs von 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. "Weiterhin sind aber mehr als zwei Drittel der Frauen in Aufsichtsräten Vertreter der Arbeitnehmer und nur durch Mitbestimmungsregelungen in den Gremien", betonte die Wissenschaftlerin. In mehr als einem Viertel der Top-200-Firmen sitze noch immer keine einzige Frau im Aufsichtsrat.

fro/DPA/DPA
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