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Von Beruf Tatortreiniger

Blut, Fliegenschwärme, Leichengeruch: Tatorte sind nichts für schwache Nerven. Sieben Lehrlinge lernen in einer Berliner Gebäudereinigungsfirma, wie sie Orte des Verbrechens von Überresten säubern.

Der Gestank und die Fliegen sind immer da. Steven Marks sagt, er habe sich daran gewöhnt. "Das ist mein Job." Der 20- Jährige steckt in einem weißen Ganzkörperanzug, sein Gesicht ist mit einer Atemschutzmaske und einer Plastikbrille bedeckt, über die Hände hat er rote Gummihandschuhe gezogen. Auf dem Rücken trägt er einen blauen Kanister mit Schädlingsbekämpfungsmittel. Marks ist angehender Tatortreiniger. Er lernt in einer Berliner Firma, wie nach einem Verbrechen professionell Blut, Exkremente oder eben auch Fliegenschwärme beseitigt werden. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben das bundesweit einzige, das die Ausbildung anbietet.

"Weiblich, nervenstark, jung ..." - so hatte Christian Heistermann, Chef der gleichnamigen Berliner Gebäudereinigungsfirma und Marks' Ausbilder, eine Stellenanzeige überschrieben. Er suchte Jugendliche, die Tatorte säubern wollten. "Das ist noch immer eine Marktlücke", erklärt der 38 Jahre alte Meister. In Deutschland gebe es bisher kaum Firmen, die Verbrechens- und Unglücksorte nach festgelegten Standards reinigen. Diese vermittelt Heistermann seinen Auszubildenden.

Der süßliche Geruch bleibt in der Nase

In seinen Schulungen sitzen derzeit sieben Lehrlinge, zwei davon sind weiblich, jung - und offenbar nervenstark. Stefanie Senff etwa sagt, sie finde es keineswegs unangenehm, die letzten Spuren eines Toten zu beseitigen. "Als ich von der Ausbildung gehört habe, war ich total begeistert", sagt die 19-Jährige aus dem brandenburgischen Forst. Auf ihren ersten Einsatz muss sie aber noch warten.

Steven Marks erinnert sich noch genau an seinen jüngsten Fall. Ein Mann war nach einem Blinddarmdurchbruch in seiner Wohnung gestorben und mit dem Kopf auf die Badewanne geschlagen. Gefunden hat man ihn erst nach zwei Wochen. "Ich bin nach meinem Einsatz mit der U-Bahn nach Hause gefahren und hatte Angst, dass alle anderen riechen, woher ich gerade kam", sagt Marks. Er musste erst lernen, dass nur er den süßlichen Geruch für die nächsten Tage in seiner Nase haben würde.

Ein Übungstatort mit Filmblut

"Es ist einer der letzten Jobs", räumt Ausbilder Heistermann gegenüber seinen Auszubildenden ein. In den Berufsschulen komme das Thema nicht vor. In der Firma im Berliner Stadtteil Mahlsdorf lernen die Auszubildenden, wie sie mit den Angehörigen der Toten umgehen, sich in verschmutzten Wohnungen vor Infektionen schützen, wie sie Räume wirksam desinfizieren und Ungeziefer töten. Die Firma hat extra einen Requisiteur damit beauftragt, ein Badezimmer mit viel Filmblut und lebenden Maden als Übungstatort auszustatten.

In der Regel sind es Hausverwaltungen und Angehörige, die nach Verbrechen, Selbstmorden oder Unglücken das Unternehmen rufen, wie Heistermann erzählt. Bisher bekomme er ein bis zwei Aufträge pro Monat. Seine Mitarbeiter befolgten strikt das Infektionsschutzgesetz. Der Gebäudereinigermeister sagt, er könne nicht verstehen, warum Aufträge nicht selten von dazu nicht ausgebildeten Hausmeistern erledigt werden. Er wolle erreichen, dass der Arbeitsablauf bei der Tatortreinigung vom TÜV nach einer DIN-Norm zertifiziert wird.

Gute Chancen fürs Berufsleben

Bei der Berliner Polizei ist die Firma nach Angaben eines Sprechers nicht bekannt. Für die Vergabe von Reinigungsaufträgen sei die Polizei auch nicht zuständig. Generell würden Tatorte dann freigegeben, wenn die Polizei ihre Arbeit erledigt habe. Die angehenden Gebäudereiniger mit Schwerpunkt Tatortreinigung rechnen sich bei ihrem Start ins Berufsleben gute Chancen aus. Andere Firmen würden auf den Zug aufspringen, meint Marks. "Die werden alle nachziehen."

Leticia Witte/DPA/DPA

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