Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arbeitgeber

14. November 2012, 16:23 Uhr

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Der Arbeitgeber darf schon am ersten Krankheitstag ein Attest von seinem Angestellten verlangen. Was bedeutet der Richterspruch in der Praxis? Von Daniel Bakir

Drei Tage im Bett auskurieren und dann gemütlich die Krankschreibung hinterherschieben. Damit könnte es in Zukunft in manchen Betrieben vorbei sein. Das Bundesarbeitsgericht entschied am Mittwoch in Erfurt, dass der Arbeitgeber von seinen Angestellten verlangen kann, schon am ersten Tag der Krankschreibung ein Attest vorzulegen (5 AZR 886/11). Und zwar ohne jegliche Begründung.

Geklagt hatte eine Redakteurin des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Sie war nach einer Krankschreibung im November 2010 von ihrem Arbeitgeber dazu verdonnert worden, künftig schon am ersten Tag den gelben Schein vorzulegen. Das empfand die 59-Jährige als Schikane. Doch die Arbeitsrichter sahen das anders. "Arbeitgeber können unabhängig von einem objektiven Anlass die Vorlage eines Krankenscheins am ersten Tag verlangen", stellte das Gericht klar.

Die wichtigsten Fragen und Antworten für Arbeitnehmer.

Was ändert sich durch das Urteil?

Was sich hart anhört, bestätigt im Wesentlichen die geltende Gesetzeslage. Das Entgeltfortzahlungsgesetz verpflichtet den kränkelnden Arbeitnehmer zwar, spätestens am vierten Kalendertag das Attest vorzulegen. Allerdings ist der Arbeitgeber ausdrücklich "berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen". Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, sieht daher in dem Urteil lediglich eine Klarstellung des bisherigen Rechts. "Bislang konnte man noch vermuten, dass der Arbeitgeber seine Forderung in irgendeiner Weise begründen muss. Dieser Einwand fällt jetzt weg", sagt Bredereck.

Müssen jetzt alle ihr Attest am ersten Tag vorlegen?

Nein. Nur weil der Arbeitgeber dies verlangen kann, muss er noch lange nicht darauf bestehen. "Ich erwarte in der Praxis keine großen Auswirkungen", sagt Arbeitsrechtler Bredereck. "Vielleicht werden einzelne Arbeitgeber ihre typischen Montagskrank-Kandidaten etwas mehr unter Druck setzen. Aber das konnten sie bisher auch schon." Die meisten Chefs aber hätten wohl kein Interesse daran, den Schein am ersten Tag einzufordern. Grundsätzlich gilt: Solange der Arbeitgeber nichts fordert, gilt die gesetzliche Am-vierten-Tag-Regel. In den meisten Fällen gibt es eine innerbetriebliche Regelung, die einzuhalten ist. "Wer sich unsicher ist, sollte seinen Arbeitgeber fragen."

Wann muss man sich krank melden?

Völlig unabhängig davon, wie die Attest-Frage geregelt ist, gilt: Krankmelden muss man sich unverzüglich. "Am besten morgens unmittelbar nach dem Aufstehen zum Telefonhörer greifen", sagt Bredereck. Und nicht erst mittags nach dem Arztbesuch. Theoretisch muss der Arbeitnehmer den Eingang der Krankmeldung beim Arbeitgeber ebenso beweisen wie den Zugang des Attests. Wer daher wirklich auf Nummer sicher gehen will - etwa weil er das Gefühl hat sowieso auf der Abschussliste zu stehen - kann zusammen mit einem Zeugen anrufen.

Welche Konsequenzen haben Verstöße?

Wer sein Attest verspätet einreicht oder sich unangemessen spät krank meldet, kann dafür vom Chef eine Abmahnung kassieren. Kommt dies häufiger vor, kann es für den Mitarbeiter richtig eng werden. "Im Wiederholungsfall kann sogar die fristlose Kündigung drohen", sagt Arbeitsrechtler Bredereck.

Wie häufig sind die Deutschen krank?

2011 waren Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 9,5 Tage krank gemeldet. Das war der höchste Stand seit 2002. In den neunziger Jahren hatte er allerdings durchgängig bei mehr als zehn Tagen gelegen. Der Anteil der kranken Arbeitnehmer lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 3,8 Prozent. Der Arbeitgeber zahlt in der Regel sechs Wochen das volle Gehalt weiter. Danach zahlen die Krankenkassen Krankengeld.

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Wieso ensteht auf heißer Milch oder Kakao immer diese eklige Haut?

 

  von Fragomatic: Wieviele Enklaven gibt es der Europäischen Union einschl. der Schweiz?

 

  von Musca: Ist das Betrug? Es werden völlig unrealistische Werte bei der Gebäudesanierung genannt

 

  von Amos: Wenn man sich verletzt und das Blut ableckt, schmeckt es metallisch. Warum?

 

  von Amos: Wieso kommt die Steuerfahndung immer morgens um 6? Hat das bestimmte Gründe? Ich dachte,...

 

  von Amos: Darf man im Elsass Deutsch sprechen oder hören Franzosen das nicht so gerne? Z. B. im Bistro oder...

 

  von blog2011: Ich muss mal eine dumme Frage loswerden wg. der Schweizer Franken.

 

  von bh_roth: K-Wert eines Mauerwerks

 

  von Amos: Aus einem anderen Forum: heißt es schallgedämpft oder schallgedämmt?

 

  von Panda09: Gute Fotokamera?

 

  von bh_roth: Thema Holzmauerwerk

 

  von ing793: "Ein guter Gulasch brennt zweimal" heißt es - warum eigentlich?

 

  von bh_roth: Bremsen rubbeln

 

  von Amos: Warum reißt der Mercedes-Stern in der Waschanlage nicht ab? So stabil sieht das Ding nicht aus!

 

  von blog2011: Ist ein illegaler Download immer nachweisbar?

 

  von HH-Immo: Wie kann man surfen im Internet die Werbung ausblenden?

 

  von Amos: Im Internet hat mich alle zwei Stunden der Proxy-Server herausgeschmissen. Jetzt habe ich bei...

 

  von dorfdepp: Wofür die 24,95?

 

  von Mehrwisser: Sauna im Garten?

 

  von RenGei02: iPhone 4s beim Zurücksetzen aufgehängt