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Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arbeitgeber

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Der Arbeitgeber darf schon am ersten Krankheitstag ein Attest von seinem Angestellten verlangen. Was bedeutet der Richterspruch in der Praxis?

Von Daniel Bakir

Drei Tage im Bett auskurieren und dann gemütlich die Krankschreibung hinterherschieben. Damit könnte es in Zukunft in manchen Betrieben vorbei sein. Das Bundesarbeitsgericht entschied am Mittwoch in Erfurt, dass der Arbeitgeber von seinen Angestellten verlangen kann, schon am ersten Tag der Krankschreibung ein Attest vorzulegen (5 AZR 886/11). Und zwar ohne jegliche Begründung.

Geklagt hatte eine Redakteurin des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Sie war nach einer Krankschreibung im November 2010 von ihrem Arbeitgeber dazu verdonnert worden, künftig schon am ersten Tag den gelben Schein vorzulegen. Das empfand die 59-Jährige als Schikane. Doch die Arbeitsrichter sahen das anders. "Arbeitgeber können unabhängig von einem objektiven Anlass die Vorlage eines Krankenscheins am ersten Tag verlangen", stellte das Gericht klar.

Die wichtigsten Fragen und Antworten für Arbeitnehmer.

Was ändert sich durch das Urteil?

Was sich hart anhört, bestätigt im Wesentlichen die geltende Gesetzeslage. Das Entgeltfortzahlungsgesetz verpflichtet den kränkelnden Arbeitnehmer zwar, spätestens am vierten Kalendertag das Attest vorzulegen. Allerdings ist der Arbeitgeber ausdrücklich "berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen". Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, sieht daher in dem Urteil lediglich eine Klarstellung des bisherigen Rechts. "Bislang konnte man noch vermuten, dass der Arbeitgeber seine Forderung in irgendeiner Weise begründen muss. Dieser Einwand fällt jetzt weg", sagt Bredereck.

Müssen jetzt alle ihr Attest am ersten Tag vorlegen?

Nein. Nur weil der Arbeitgeber dies verlangen kann, muss er noch lange nicht darauf bestehen. "Ich erwarte in der Praxis keine großen Auswirkungen", sagt Arbeitsrechtler Bredereck. "Vielleicht werden einzelne Arbeitgeber ihre typischen Montagskrank-Kandidaten etwas mehr unter Druck setzen. Aber das konnten sie bisher auch schon." Die meisten Chefs aber hätten wohl kein Interesse daran, den Schein am ersten Tag einzufordern. Grundsätzlich gilt: Solange der Arbeitgeber nichts fordert, gilt die gesetzliche Am-vierten-Tag-Regel. In den meisten Fällen gibt es eine innerbetriebliche Regelung, die einzuhalten ist. "Wer sich unsicher ist, sollte seinen Arbeitgeber fragen."

Wann muss man sich krank melden?

Völlig unabhängig davon, wie die Attest-Frage geregelt ist, gilt: Krankmelden muss man sich unverzüglich. "Am besten morgens unmittelbar nach dem Aufstehen zum Telefonhörer greifen", sagt Bredereck. Und nicht erst mittags nach dem Arztbesuch. Theoretisch muss der Arbeitnehmer den Eingang der Krankmeldung beim Arbeitgeber ebenso beweisen wie den Zugang des Attests. Wer daher wirklich auf Nummer sicher gehen will - etwa weil er das Gefühl hat sowieso auf der Abschussliste zu stehen - kann zusammen mit einem Zeugen anrufen.

Welche Konsequenzen haben Verstöße?

Wer sein Attest verspätet einreicht oder sich unangemessen spät krank meldet, kann dafür vom Chef eine Abmahnung kassieren. Kommt dies häufiger vor, kann es für den Mitarbeiter richtig eng werden. "Im Wiederholungsfall kann sogar die fristlose Kündigung drohen", sagt Arbeitsrechtler Bredereck.

Wie häufig sind die Deutschen krank?

2011 waren Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 9,5 Tage krank gemeldet. Das war der höchste Stand seit 2002. In den neunziger Jahren hatte er allerdings durchgängig bei mehr als zehn Tagen gelegen. Der Anteil der kranken Arbeitnehmer lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 3,8 Prozent. Der Arbeitgeber zahlt in der Regel sechs Wochen das volle Gehalt weiter. Danach zahlen die Krankenkassen Krankengeld.

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