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Deutschen vergeht Lust am Job

Hohe Arbeitsbelastung, schlechte Bezahlung: Die Deutschen gehen längst nicht mehr so gern zur Arbeit wie vor 25 Jahren. Nur im ehemaligen Ostblock ist man noch unzufriedener.

Wie bewerten Sie auf einer Skala von 0 bis 10 die Zufriedenheit mit Ihrer Arbeit? Die Deutschen beantworten diese Frage durchschnittlich nur mit 6,8 - und liegen damit weit unter dem Wert von vor 25 Jahren und im internationalen Vergleich weit hinten. Zu diesem Ergebnis kam eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Universität Duisburg-Essen.

1984 hatte die Arbeitszufriedenheit noch bei 7,6 Punkten gelegen. Mit den jetzt erzielten 6,8 Punkten rangiert Deutschland im internationalen Vergleich auf Rang 18 - nur in den ehemaligen Ostblock-Staaten Slowakei, Ukraine, Bulgarien und Russland sind die Arbeitnehmer demnach noch unzufriedener.

Besonders über 50 ist die Unlust gewachsen

Die Ursachen für die abnehmende Zufriedenheit sind nach Einschätzung der Wissenschaftler eine zunehmende Arbeitsbelastung, Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geringe Lohnsteigerungen und wachsende Unsicherheit über die berufliche Zukunft. Besonders auffällig ist der Studie zufolge, dass sich bei den älteren Arbeitnehmern über 50 Jahren die Einschätzung komplett gedreht hat: Mitte der 80er-Jahre verzeichneten sie demnach mit 7,9 Punkten die höchsten Zufriedenheitswerte aller Altersgruppen. 2009 lagen sie mit nun noch 6,6 Punkten sogar unter dem Durchschnitt.

Außerdem habe sich gezeigt, dass Menschen mit einer höheren Bildung in ihrer Arbeitssituation generell glücklicher sind als Beschäftigte mit niedrigen Bildungsabschlüssen. Und während ostdeutsche Arbeitnehmer lange unzufriedener waren als ihre westdeutschen Kollegen, glichen sich diese Unterschiede in den vergangenen Jahren an.

Mit dem Einkommen sinkt die Zufriedenheit

Die Duisburger Wissenschaftler werteten für ihre Studie unter anderem das sogenannte Sozio-oekonomische Panel (SOEP) aus, für das jedes Jahr etwa 20.000 Menschen Fragen zur Zufriedenheit mit ihrem Job, ihrer finanziellen Situation, aber auch anderen Aspekten wie etwa dem Bildungsstand beantworteten.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlichte am Dienstag eine Studie auf Grundlage des SOEP. Diese untersuchte den Zusammenhang von Arbeitszufriedenheit und Einkommen. Demnach ist die Hälfte der Beschäftigten aus dem obersten Fünftel der Einkommen sehr zufrieden mit dem Job. Mit dem Sinken des Einkommens nimmt die Zufriedenheit aber ab - im unteren Einkommensfünftel sind nur noch 38 Prozent der Menschen sehr zufrieden. Auf der anderen Seite sind von den Reichen nur zwei Prozent nicht mit ihrem Job zufrieden, von den Einkommensschwachen aber sieben Prozent.

fw/AFP/AFP

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