Startseite

Jahrelang haben die Verantwortlichen bei der Schweizer Großbank UBS dem Treiben in ihrer Londoner Investmentfiliale zugeschaut - dann ging alles ganz schnell. Ein Anruf bei der Polizei der City of London genügte. 48 Stunden später saß Kweku Adoboli in der Polizeizelle und eine größere Zahl von Herren in dunklen Anzügen in der Schweiz hatte Schweißperlen auf der Stirn. Der junge Diplomatensohn mit Wurzeln in Ghana hatte die UBS mit risikoreichen Börsenspekulationen um 2,3 Milliarden US-Dollar gebracht - ein Skandal mit weltweiter Bedeutung, vergleichbar mit der Bankenpleite um den Engländer Nick Leeson oder den Betrug des Franzosen Jérôme Kerviel bei der Bank Société Générale.

Adoboli wollte nur das Beste für die Bank - sagt er

"Er wollte alles und war nicht bereit zu warten", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Da hatte der Southwark Crown Court gerade nach 42 Verhandlungstagen sein Urteil gegen Adoboli gesprochen. Sieben Jahre Haft brachte die Zockerei dem heute 32 Jahre alten, stets gutgekleideten Mann ein. Er habe nur zum Wohl der Bank handeln, sich nicht persönlich bereichern wollen, beteuerte er bis zum Schluss. Die zehn verbliebenen von zwölf Geschworenen glaubten ihm nicht und folgten eher der Argumentation der Staatsanwaltschaft: "Er hatte geglaubt, das goldene Händchen zu haben."

Die Beweisaufnahme war mühselig und langwierig. Was nach Abzug von Verschwörungstheorien und übertriebenen Darstellungen auf beiden Seiten übrig blieb, ist ein vergleichsweise simples Gebilde: Adoboli hat in seiner Bank Schattenkonten errichtet. Er wickelte Geschäfte mit immer höheren Summen ab - zum Schluss deutlich über dem Rahmen,den die Bank in ihren eigenen Spielregeln für das große Börsenroulette vorgibt. Der liegt immerhin bei 100 Millionen Dollar am Tag.

Zwei Wetten vom Ruin entfernt

Statt wie vorgeschrieben die Spekulationen mit gewinnmindernden Gegengeschäften abzusichern, täuschte er den doppelten Boden über die Schein-Konten nur vor, verzichtete aber in Wahrheit darauf. Wie er es anstellen musste, dass das Risikomanagement im Back-Office nichts merkt, wusste Adoboli - dort hatte er selbst schon gearbeitet, bevor er einen der begehrten weil gut dotierten Händler-Jobs bekam. Irgendwann kam ihm die Finanzkrise und er musste einräumen: "Ich habe die Kontrolle verloren."

In einer Phase seines persönlichen Glücksspiels mit nicht auszudenkenden Folgen soll er mit atemberaubenden zwölf Milliarden Dollar im Minus gestanden haben. "Die Bank war nur ein oder zwei Wetten vom Ruin entfernt", sagte Staatsanwältin Sasha Wass bereits bei der Eröffnung des Prozesses. Was passiert wäre, wenn eine systemrelevante Bank wie die UBS tatsächlich wegen eines gierigen Investmentbankers in die Knie gegangen wäre - die Frage will keiner der Verantwortlichen beantworten.

Das Motiv bleibt weiter unklar

Ein Indiz für eine mögliche Antwort mag sein, dass Vorstandschef Oswald Grübel umgehend nach Bekanntwerden des Skandals seinen Hut nahm. Weitere Verantwortungsträger bei der fünftgrößten Bank Europas folgten. Adoboli selbst gab zu seiner Verteidigung an, er sei nicht nur Täter, sondern auch Opfer eines unmenschlichen Systems im Investmentbanking. Vorgesetzte und Kollegen hätten von den Geschäften gewusst, ja, ihn sogar aufgefordert, an die Grenze zu gehen. "Dann bin ich abgestürzt", räumte er ein.

Unklar bleibt bis heute das eigentliche Motiv: Wollte der junge Mann wirklich für seine "Familie" - wie er die Bank nannte - möglichst hohe Gewinne erzielen? Wollte er sich selbst durch erfolgreiche Geschäfte einen hohen Bonus und große Karrieresprünge sichern? Oder war es einfach nur Lust am Risiko? Kweku Adoboli hat nun Zeit, darüber nachzudenken.

Michael Donhauser, DPA/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

Partner-Tools