UBS-Zocker Adoboli zu sieben Jahren Haft verurteilt

20. November 2012, 22:04 Uhr

Ein zu Beginn seiner Geschäfte kaum 30 Jahre alter Banker hätte beinahe eine der größten Banken Europas aus den Angeln gehoben. Kweku Adoboli muss für sieben Jahre ins Gefängnis.

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Milliardenschaden bei der UBS: Kweku Adoboli, Sohn eines Uno-Angestellten, stand in London vor Gericht. Verurteilt wurde er zu sieben Jahren Haft.©

Jahrelang haben die Verantwortlichen bei der Schweizer Großbank UBS dem Treiben in ihrer Londoner Investmentfiliale zugeschaut - dann ging alles ganz schnell. Ein Anruf bei der Polizei der City of London genügte. 48 Stunden später saß Kweku Adoboli in der Polizeizelle und eine größere Zahl von Herren in dunklen Anzügen in der Schweiz hatte Schweißperlen auf der Stirn. Der junge Diplomatensohn mit Wurzeln in Ghana hatte die UBS mit risikoreichen Börsenspekulationen um 2,3 Milliarden US-Dollar gebracht - ein Skandal mit weltweiter Bedeutung, vergleichbar mit der Bankenpleite um den Engländer Nick Leeson oder den Betrug des Franzosen Jérôme Kerviel bei der Bank Société Générale.

Adoboli wollte nur das Beste für die Bank - sagt er

"Er wollte alles und war nicht bereit zu warten", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Da hatte der Southwark Crown Court gerade nach 42 Verhandlungstagen sein Urteil gegen Adoboli gesprochen. Sieben Jahre Haft brachte die Zockerei dem heute 32 Jahre alten, stets gutgekleideten Mann ein. Er habe nur zum Wohl der Bank handeln, sich nicht persönlich bereichern wollen, beteuerte er bis zum Schluss. Die zehn verbliebenen von zwölf Geschworenen glaubten ihm nicht und folgten eher der Argumentation der Staatsanwaltschaft: "Er hatte geglaubt, das goldene Händchen zu haben."

Die Beweisaufnahme war mühselig und langwierig. Was nach Abzug von Verschwörungstheorien und übertriebenen Darstellungen auf beiden Seiten übrig blieb, ist ein vergleichsweise simples Gebilde: Adoboli hat in seiner Bank Schattenkonten errichtet. Er wickelte Geschäfte mit immer höheren Summen ab - zum Schluss deutlich über dem Rahmen,den die Bank in ihren eigenen Spielregeln für das große Börsenroulette vorgibt. Der liegt immerhin bei 100 Millionen Dollar am Tag.

Zwei Wetten vom Ruin entfernt

Statt wie vorgeschrieben die Spekulationen mit gewinnmindernden Gegengeschäften abzusichern, täuschte er den doppelten Boden über die Schein-Konten nur vor, verzichtete aber in Wahrheit darauf. Wie er es anstellen musste, dass das Risikomanagement im Back-Office nichts merkt, wusste Adoboli - dort hatte er selbst schon gearbeitet, bevor er einen der begehrten weil gut dotierten Händler-Jobs bekam. Irgendwann kam ihm die Finanzkrise und er musste einräumen: "Ich habe die Kontrolle verloren."

In einer Phase seines persönlichen Glücksspiels mit nicht auszudenkenden Folgen soll er mit atemberaubenden zwölf Milliarden Dollar im Minus gestanden haben. "Die Bank war nur ein oder zwei Wetten vom Ruin entfernt", sagte Staatsanwältin Sasha Wass bereits bei der Eröffnung des Prozesses. Was passiert wäre, wenn eine systemrelevante Bank wie die UBS tatsächlich wegen eines gierigen Investmentbankers in die Knie gegangen wäre - die Frage will keiner der Verantwortlichen beantworten.

Das Motiv bleibt weiter unklar

Ein Indiz für eine mögliche Antwort mag sein, dass Vorstandschef Oswald Grübel umgehend nach Bekanntwerden des Skandals seinen Hut nahm. Weitere Verantwortungsträger bei der fünftgrößten Bank Europas folgten. Adoboli selbst gab zu seiner Verteidigung an, er sei nicht nur Täter, sondern auch Opfer eines unmenschlichen Systems im Investmentbanking. Vorgesetzte und Kollegen hätten von den Geschäften gewusst, ja, ihn sogar aufgefordert, an die Grenze zu gehen. "Dann bin ich abgestürzt", räumte er ein.

Unklar bleibt bis heute das eigentliche Motiv: Wollte der junge Mann wirklich für seine "Familie" - wie er die Bank nannte - möglichst hohe Gewinne erzielen? Wollte er sich selbst durch erfolgreiche Geschäfte einen hohen Bonus und große Karrieresprünge sichern? Oder war es einfach nur Lust am Risiko? Kweku Adoboli hat nun Zeit, darüber nachzudenken.

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