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Nie wieder 20 Prozent auf alles

Praktiker ist pleite. Bevor der blau-gelbe Baumarkt auf den Sperrmüll der Geschichte wandert, ist es Zeit für eine Erinnerung an meine 20-Prozent-Erlebnisse.

Von Gernot Kramper

  Praktiker lockte die Kunden mit Rabattaktionen.

Praktiker lockte die Kunden mit Rabattaktionen.

Praktiker ist mir ans Herz gewachsen. Nicht, weil der Baumarkt seine Regale besonders gut bestückt hätte. Dort war eher Durchschnitt und Schlimmeres angesagt. Und auch von all den Mitarbeitern ist mir nur eine einzige Frau in Erinnerung, die mehr von ihren Produkten verstand als ich, ihr Kunde. Der Hauptvorzug von Praktiker war die Lage: Mein Praktiker liegt beim Supermarkt. Nur einmal parken und dann Schinkenbraten und Dachpappe ins Auto laden - das Konzept hat mich überzeugt.

Nie war Sparen schöner

Für einen dauerhaften Erfolg in Deutschland hat die Nähe zu mir und meinen Einkaufsmarotten nicht ausgereicht. Auch nicht die kulturelle Großtat der Baumarktkette. Praktiker konnte sich in mein und ins kollektive Gedächtnis einbrennen. Nicht mit Skandalen oder einer besonderen Leistung, sondern mit einem Slogan: "20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung." Kennt jeder. Und wer hat - wie ich auch - nicht schon einmal darüber gegrübelt: Warum gibt es ausgerechnet auf Tiernahrung keinen Rabatt? Ich vermutete, es gäbe analog zur Buchpreisbindung eine Mindestpreisverordnung für Chappi und Co? Aber nein, musste ich lernen. Die Antwort ist simpel: So funktioniert Werbung. Nur der absurde Zusatz machte den Slogan unvergesslich. Einen sachlichen Grund für die Ausnahme des Tierfutters hat es nie gegeben.

Die 20 Prozent habe ich ausgenutzt. Rasenmäher und Motorsense kosteten zusammen über 700 Euro - da machte der Rabatt schon 150 Euro aus. Der Honda-Mäher ist übrigens exzellent, die Motorsense … naja, Schwamm drüber. Bei Parkett und Laminat lag die Ersparnis schon bei 300 Euro und zuletzt verbilligte Praktiker die Renovierung der ersten Wohnung von Sohn und Freundin. Der Rabatt löste immer warme Gefühle an der Baumarktkasse aus, die ich in Zukunft vermissen werde.

Rabatt-Irrsinn

Überraschend kommt das Aus nicht. 20 Prozent, das konnte nicht gut gehen. Zumal damit nicht das Ende der Fahnenstange erreicht war. Gelegentlich verteilten Promotionteams vor dem Supermarkt Bonuskarten, die den Rabatt von 20 auf 30 Prozent erhöhten. Spaxschrauben und Fugendichtungen sind keine Designerjeans, ein Baumarkt hat keine Handelsspanne von 20 oder 30 Prozent. Je mehr Umsatz an den tollen Tagen gemacht wurde, desto mehr Geld musste der Baumarkt verlieren. Das Management verstand das nicht. Der Kunde schon. Man musste nur beobachten, wie Handwerker sich in den Rabattwochen die Transporter vollgeladen haben. Neue Kunden konnten so nicht gewonnen werden. Bei normalen Preisen ließen diese Käufer sich nie blicken - aber bei der nächsten Rabattschlacht warn sie wieder da.

Den Irrsinn gibt es nie wieder, und das Traurige ist, nun muss auch Chuck Norris für Hundefutter tiefer in die Tasche greifen. Über ihn heißt es: "Chuck Norris bekommt bei Praktiker 20 Prozent auf alles. Auch auf Tiernahrung." Das war einmal.

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