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28. Juli 2009, 21:25 Uhr

"Es war eine Minute vor Zwölf"

Die Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate vor einem Kollaps verlief dramatischer als bislang bekannt - jedenfalls aus Sicht von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er kritisiert, dass sich die Regierung erst spät eingeschaltet habe. Vorwürfe, er habe Kanzlerin Angela Merkel bei der Hau-Ruck-Aktion über den Tisch gezogen, weist er zurück.

Ackermann, HRE, Untersuchungsausschuss

Deutsche-Bank-Chef Ackermann schildert die Taktik der Regierung als riskant© Axel Schmidt/AFP

Die Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate vor einem Kollaps mit verheerenden Folgen für die internationale Finanzwirtschaft verlief nach Darstellung von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann dramatischer als bislang bekannt. Die Rettung der HRE wäre beinahe gescheitert, sagte Ackermann am Dienstag vor dem HRE-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Der Durchbruch sei erst in letzter Minute in Telefonaten zwischen ihm und Finanzminister Peer Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel erzielt worden.

Der Manager schilderte die Verhandlungstaktik der Regierung als sehr riskant. Er kritisierte, dass sich das Finanzministerium erst spät in die Rettungsgespräche eingeschaltet habe, habe viel Zeit gekostet. Es sei "eine Minute vor Zwölf" gewesen, sagte Ackermann. Die Regierung sei zunächst nicht willens gewesen, sich an der Rettung der HRE zu beteiligen: "Die Botschaft war, die Regierung ist nicht bereit zu unterstützen." Nachdem die Finanzwirtschaft aber nicht in der Lage gewesen sei, die Bank alleine zu stabilisieren, habe er sich direkt an Steinbrück gewandt.

Am letzten Wochenende im September 2008 hatten Bankenvertreter und Bankenaufsicht zunächst ohne die Regierung über Liquiditätshilfen für die strauchelnde HRE verhandelt. Die Bank war in Schwierigkeiten geraten, weil sich die Banken weltweit nach der Pleite der US-Bank Lehman-Brothers aus Unsicherheit über weitere Schieflagen kein Geld mehr liehen.

Der Finanzbedarf der HRE sei nach mehreren Anpassungen auf 35 Milliarden Euro geschätzt worden, sagte Ackermann. Diese Summe hätten die Banken nicht alleine tragen können. Bei den Rettungsbemühungen sei für die Regierung Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen allerdings erst Sonntag gegen 17.00 Uhr zu der Runde gestoßen. "Bis 22.00 Uhr war die klare Botschaft von Asmussen, die Regierung kann nicht helfen, dass ist zeitlich gar nicht drin, das heißt Nein", sagte Ackermann. Zu diesem Zeitpunkt seien alle von einem Scheitern der Verhandlungen ausgegangen. Er habe dann Steinbrück spätabends persönlich die Lage geschildert, vor der der ganze Finanzmarkt am Montag durch eine Pleite der HRE stehen würde.

Mit Merkel um Milliarden gefeilscht

Steinbrück habe vorgeschlagen, die Hilfen von 35 Milliarden Euro je zur Hälfte durch den Bund und die Banken abzusichern. Das hätte die Banken aber überfordert. Ackermann sagte, er habe daraufhin seitens der Banken sieben Milliarden Euro angeboten. Steinbrück habe dann Rücksprache mit Merkel gehalten, die ihn danach angerufen und auf zehn Milliarden Euro habe festlegen wollen. Zum Schluss habe man sich auf 8,5 Milliarden Euro geeinigt. "Merkel ist es gelungen, noch 1,5 Milliarden Euro mehr aus mir herauszupressen", sagte Ackermann.

Der Untersuchungsausschuss soll klären, ob die Regierung Warnsignale ignoriert hat, dass die HRE in eine Schieflage geraten könnte. Die HRE war nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 in akute Refinanzierungsprobleme geraten und musste schließlich mit Finanzhilfen von Staat und Banken in Höhe von über 100 Milliarden Euro stabilisiert worden.

Ex-Finanzstaatssekretär Thomas Mirow nannte einen Kollaps der Bank Anfang 2008 noch nicht absehbar. Hinweise auf eine solche Entwicklung habe es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben, sagte der heutige Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Mirow bestritt, dass Anzeichen für einen Zusammenbruch übersehen worden seien.

HRE-Vorstandschef Axel Wieandt, der nach Ablösung des alten Managements im Oktober 2008 die Führung bei der HRE übernahm, zeichnete das Bild einer Bank, die ihr Liquiditätsmanagement nicht vollständig im Griff gehabt habe. Die technischen Möglichkeiten hätten nicht ausgereicht, um die notwendigen Analysen für das Institut zu machen.

Reuters
 
 
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