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Mediziner verlieren Lust am Hausarztberuf

Eine Karriere als Hausarzt erscheint immer weniger Medizinern attraktiv. Nicht einmal jeder zehnte Arzt schlug im vergangenen Jahr diesen Karriereweg ein. Die Ärztelobby schlägt Alarm.

  Hausarzt Michael Ziegler (l.) untersucht mit Medizinstudentin Katharina Schmid (r.) im Februar 2012 eine Patientin. Immer weniger Mediziner entscheiden sich für eine Karriere als Hausarzt.

Hausarzt Michael Ziegler (l.) untersucht mit Medizinstudentin Katharina Schmid (r.) im Februar 2012 eine Patientin. Immer weniger Mediziner entscheiden sich für eine Karriere als Hausarzt.

Trotz des zunehmenden Mangels an Hausärzten in vielen Regionen Deutschlands haben im vergangenen Jahr besonders wenige junge Mediziner diese Laufbahn eingeschlagen. Von den 10.127 Ärzten, die nach der Ausbildung ihre Weiterbildung abschlossen, waren laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) nur 949 Hausärzte. Das seien so wenige wie seit Jahren nicht. "Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir in zehn Jahren vor einem Desaster stehen", sagte KBV-Vorstand Regina Feldmann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die Zeit wird knapp."

Im Jahr zuvor waren es laut den KBV-Zahlen noch 1298 Hausärzte, davor 1085 und 1168. Aber auch in anderen Bereichen der Grundversorgung gingen die Zahlen in den vergangenen Jahren teils nach unten, etwa bei den Chirurgen oder Orthopäden. Feldmann warnte: "Bei Hausärzten, Augen-, Haut- und Hals-Nasen-Ohrenärzten geht zunehmend der Nachwuchs aus und die Weiterbildungsabschlüsse sinken."

KBV fordert Reformen

Die Grundversorgung drohe deshalb zusammenzubrechen. "Bis 2020 scheiden 48.000 niedergelassene Ärzte altersbedingt aus", sagte Feldmann. In den kommenden Monaten wolle die KBV besonders auf Reformen bei der Aus- und Weiterbildung dringen. "Die ärztliche Ausbildung an den Universitäten ist nicht am medizinischen Versorgungsbedarf ausgerichtet", kritisierte Feldmann. Immer mehr Ärzte schlössen die Weiterbildung als Spezialisten ab.

"Die Kultusminister der Länder müssen die Weichen für eine bessere Abbildung der Grundversorgung in der Hochschulmedizin stellen", sagte die aus Thüringen stammende Hausärztin. Laut Feldmann nimmt die Bereitschaft, Hausarzt zu werden, im Laufe eines Medizinstudiums heute stark ab. Sie forderte: "Die Weiterbildung muss überwiegend im ambulanten Bereich stattfinden."

Krankenhaus statt Hausarzt

Der Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, Josef Hecken, hatte bereits zu Jahresbeginn gewarnt: "Wenn die Praxen schließen, wir aber nicht gegensteuern, wären immer mehr Menschen wegen fehlender Grundversorgung auf Krankenhausaufenthalte angewiesen."

Eine zu dem Zeitpunkt in Kraft getretene neue Ärzteplanung soll helfen. Rund 3000 Hausärzte haben sichere Möglichkeiten zur Praxiseröffnung - in Ballungsgebieten und für spezialisierte Ärzte wurden die Schotten für Jungmediziner dagegen weitgehend dichtgemacht. Kritiker zweifeln aber daran, dass solche reformierten Planungen reichen.

Nach den jüngsten Zahlen der KBV gibt es derzeit rund 60.000 Hausärzte und 78.000 niedergelassene Fachärzte.

tkr/DPA/DPA

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