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Amazon Prime Day - Vorsicht vor der Schnäppchenfalle

Zum Amazon Prime Day wirbt der Onlineriese mit Sonderangeboten am laufenden Band. Verbraucherschützer Georg Tryba sieht die Schnäppchenorgie hingegen kritisch - er warnt Kunden, sich nicht blenden zu lassen.

Unter Shopping-Event verstand man früher Sommer- und Winterschlussverkauf. Seit einigen Jahren aber kreieren Onlinehändler immer neue Schnäppchenjagden, um die Kunden auf Trab zu halten. Sie heißen Black Friday, Cyber Monday oder Single's Day. hat mit dem "Prime Day" sogar seinen eigenen Shoppingtag etabliert. Mit großem Tamtam werden zahlende Prime-Kunden mit Sonderangeboten überflutet. Schon seit Tagen heizt Amazon die Kauflust mit ersten Angeboten an. Am Montagabend um 18 Uhr fiel der Startschuss für die heiße Phase der Schnäppchenjagd, der eigentliche Prime Day ist Dienstag, der 11. Juli.

Verbraucherschützer wie Georg Tryba sehen Amazons Prime Day allerdings kritisch. "Man sollte sich nicht blenden lassen und nicht in einen blinden Shoppingrausch verfallen", sagt der Experte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Erfahrung aus den vergangenen Prime Days zeige, dass "die Ersparnis bei den Produkten häufig viele geringer ist als Amazon suggeriert". So werbe der Konzern mit durchgestrichenen Ursprungspreisen, die es so nie bei Amazon gegeben habe. "Wo 50 Prozent Ersparnis draufsteht, ist häufig nur 20 Prozent drin", sagt Tryba.

Amazon erklärt dazu, bei jedem der sogenannten "Blitzangebote" sei nicht nur die durchgestrichene UVP, sondern - falls vorhanden - auch der vorherige Amazon-Preis abgebildet. Das ist zwar transparent. Wer nicht genau hinschaut, kann aber leicht übersehen, dass die Ersparnis nicht zum tatsächlichen Ursprungspreis, sondern zur (lediglich theoretischen) UVP berechnet ist. 

  

Amazon Prime Day: Blitzangebote als Köder

Zudem ist Amazon nicht immer automatisch der günstigste Anbieter, auch wenn viele Kunden das wegen der geschickten Preispolitik denken mögen. Selbst bei vermeintlichen Mega- sollten Kunden über Preisvergleichsseiten checken, ob das Produkt nicht woanders für weniger Geld zu haben sei, rät Verbraucherschützer Tryba.

Langes Zögern aber passt Amazon natürlich nicht ins Konzept. Daher versucht der Onlinehändler die Kunden mit einer Flut von Blitzangeboten zum Spontankauf zu verleiten. Bei diesen Kurzzeitangeboten kündigt ein heruntertickender Countdown an, dass das Schnäppchen schon bald nicht mehr verfügbar ist.

Wer blitzschnell zugeschlagen hat, den Klick aber schon bald bereut, kann den Kauf natürlich wieder stornieren, beziehungsweise das Produkt innerhalb der Rückgabefrist zurücksenden. Der einzige Haken: Kunden, die zu viel retournierten, sperrte Amazon in der Vergangenheit bereits das Kundenkonto. "Wenn wir einen Missbrauch unserer Services feststellen, sehen wir uns in sehr seltenen Fällen gezwungen, ein entsprechendes Konto zu schließen", erklärt Amazon. "Eine solche Entscheidung prüfen wir vorab sorgfältig und umfassend und versuchen dabei stets, mit dem jeweiligen Kunden eventuelle Probleme zu klären."

Heißer Scheiß oder Ladenhüter?

Bleibt die Frage, welche Artikel Amazon da überhaupt an den Kunden bringen will? Traditionell verbilligt Amazon vor allem die eigenen Vorzeige-Produkte stark. In diesem Jahr gibt es Rabatte auf den sprachgesteuerten Amazon Echo sowie den Echo Dot. Auch Amazons Fire-Tablets und Kindle-Reader sind deutlich günstiger zu haben.

In der breiten Masse dürften die Angebote aber deutlich weniger attraktiv sein, wie eine Untersuchung der NRW vom letztjährigen Prime Day nahelegt: Eine Analyse von 100 Schnäppchenartikeln ergab damals, dass nur sechs davon zu den Top-Ten-Bestsellern der jeweiligen Produktkategorie gehörten. 

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