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26. März 2003, 23:42 Uhr

Viele Unternehmen lassen sich nicht in die Karten schauen

Der Corporate Governance Kodex stößt auf wenig Gegenliebe, nur vier Firmen des DAX-30 haben sich bisher bereit erklärt, alle Empfehlungen des Kodex anzuerkennen.

Der ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme entwickelte den «Cromme-Codex»© dpa

Die meisten deutschen Unternehmen wollen sich auch weiterhin nicht in die Karten schauen lassen. Nur vier Firmen des DAX-30 haben sich bisher bereit erklärt, alle Empfehlungen des so genannten Corporate Governance Kodex anzuerkennen, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch in Frankfurt am Main berichtete. Zu den Empfehlungen gehört auch die Offenlegung von Interessenkonflikten der Mitglieder im Aufsichtsrat. Angeregt wird auch, die Bezüge der Vorstandsmitlieder zu veröffentlichen. Nur vier Firmen ziehen mit Bisher haben sich nach Angaben der DSW von den DAX-30-Unternehmen Altana, Infineon, Schering und ThyssenKrupp bereit erklärt, den gesamten Kodex anzuerkennen. DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker geht aber davon aus, dass die Zustimmung zu dem Kodex steigen wird. Einige Unternehmen hätten bereits angekündigt, darüber auf der Hauptversammlung zu entscheiden. Bei dem Corporate Governance Kodex handelt es sich zwar um eine freiwillige Verpflichtung der Unternehmen. Allerdings müssen die Firmen offen legen, welche Empfehlungen sie nicht einhalten werden. Gewerkschaftsfunktionäre mit Gewissenskonflikten Ausdrücklich wies Hocker darauf hin, dass Aufsichtsräte nach dem Corporate Governance Kodex bei wesentlichen Interessenkonflikten ihr Mandat niederlegen sollten. Vor allem Gewerkschaftsfunktionäre im Aufsichtsgremium stünden oft vor einem Interessenkonflikt, schließlich gehöre die Organisation von Streiks zu den Pflichten der Gewerkschaften. Einnehmen könnten die Plätze von Gewerkschaftsfunktionären Arbeitnehmer aus den Unternehmen selbst, schlug Hocker vor. Die Mitbestimmung stehe in diesem Zusammenhang damit nicht auf dem Prüfstand. Telekom-Aufsichtsrat soll nicht entlastet werden Für die diesjährige Hauptversammlungs-Saison kündigte die DSW an, dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom die Entlastung zu verweigern. Er habe sich " durch die Unprofessionalität bei dem Wechsel an der Unternehmensspitze disqualifiziert", sagte Hocker. Unangenehme Fragen werde sich auch die Allianz wegen der Versäumnisse im Zusammenhang mit der Dresdner Bank gefallen lassen müssen. Beim Aktionärstreffen der Deutschen Bank werde es "interessante Fragen" zur Mannesmann-Affäre und zum Schadenersatzprozess des gescheiterten Medienunternehmers Leo Kirch gegen den früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer geben, kündigte DSW-Landesgeschäftsführer Klaus Nieding an.

Zu wenig Teilnehmer Erneut beklagten die Aktionärsschützer die beständig sinkende Präsens auf Hauptversammlungen. Dadurch werde der Stimmenanteil immer kleiner, den ein Großaktionär brauche, um unternehmerische Entscheidungen zu beeinflussen. Anleger verloren über eine Billion Euro Seit dem Höhepunkt des Börsenbooms haben die Anleger laut DSW in Deutschland über eine Billion Euro verloren. Im Frühjahr betrug der Marktwert der deutschen börsennotierten Aktien knapp 1,7 Billionen Euro. Ende 2002 waren es gerade noch 647 Milliarden Euro. Die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sank den damit von 82 auf 31 Prozent. In den USA sei der Rückgang dagegen von 137 auf 105 Prozent deutlich moderater gewesen. Auch im Euro-Raum nehme Deutschland nur einen der hinteren Ränge ein. Durchschnittlich liege die Marktkapitalisierung im gemeinsamen Währungsraum im Schnitt bei 46 Prozent.

 
 
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