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Frustriert und ausgebrannt: Ex-Mitarbeiterin rechnet mit Apple ab

Daniela Kickl arbeitete drei Jahre im Callcenter des europäischen Apple-Hauptquartiers. Dann hielt sie es nicht mehr aus und kündigte. In einem Buch rechnet sie nun mit ihrem Ex-Arbeitgeber ab.

Daniela Kickl wurde in ihren drei Jahren bei Apple nicht glücklich. Links der Eingang zur Apple-Europa-Zentrale in Hollyhill in der Nähe von Cork in Irland.

Daniela Kickl wurde in ihren drei Jahren bei Apple nicht glücklich. Links der Eingang zur Apple-Europa-Zentrale in Hollyhill in der Nähe von Cork in Irland.

Als Daniela Kickl im Juni 2014 anfängt, bei zu arbeiten, geht für sie nach eigenen Worten ein Lebenstraum in Erfüllung. Die IT-Expertin aus Wien verehrt das von Steve Jobs geschaffene Imperium und seine Produkte. Um Teil der großen Apple-Geschichte zu werden, hat die Österreicherin ihre vierköpfige Familie extra nach Irland übersiedelt – zum Europa-Hauptquartier des kalifornischen Tech-Giganten in Cork.

Und sie hat einen Job angenommen, für den sie sich eigentlich überqualifiziert fühlt. "Ich hatte mich als Managerin, als Projektleiterin oder als Programmiererin gesehen. Das Angebot galt jedoch für einen so genannten technical advisor, also für einen technischen Berater, an den sich Nutzer von iPhones und anderen iOS-Geräten mit ihren Fragen wenden konnten", schreibt Kickl in ihrem Buch "Apple intern", das am 18. März erscheint - wenige Tage nach ihrem offiziellen Ausscheiden aus dem Unternehmen. Statt des erhofften Aufstiegs in der Apple-Hierarchie steht für Kickl nach drei Jahren der Ausstieg.

Abrechnung mit dem Ex

Die Geschichte, die Kickl in ihrem 283 Seiten starken Buch erzählt, ist die einer enttäuschten Liebe – zwischen einer anfangs enthusiastischen Mitarbeiterin und einer auf Effizienz getrimmten Firma, die ihre einfachen Angestellten genauso herumscheucht, wie es andere moderne Kapitalismusbetriebe auch tun.

Daniela Kickls persönliche Abrechnung mit Apple erscheint am 18. März bei edition a

Daniela Kickls persönliche Abrechnung mit Apple erscheint am 18. März bei edition a

Kickl beschreibt, wie sie bei ihrer Arbeit permanent von Vorgesetzten überwacht und mit Leistungskontrollen unter Druck gesetzt wird. Für alles gibt es festgeschriebene Routinen, an die sich die Mitarbeiter peinlich genau zu halten haben. Selbst die Pipi-Pausen sind auf die Minute vorgegeben. Widerspruch gegen die Ansagen von Vorgesetzten ist nicht vorgesehen. "Ich hatte das Gefühl, für Apple bin ich kein Mensch, sondern eine Maschine", sagt Kickl im Gespräch mit dem stern.

Kickl berichtet von willkürlich getauschten Schichten und verweigerten Urlaubstagen, weil die Weihnachtsaufführung des Sohnes aus Unternehmenssicht keinen wichtigen Grund darstellte. Als "entwürdigend" empfindet sie auch, wie ihre Vorgesetzten reagieren, wenn sich hoher Besuch aus den USA ankündigt. "Alle Mitarbeiter wurden angewiesen, ihre Arbeitsplätze bis auf iMac, Tastatur und Maus zu säubern. Selbst die Bilder von meiner Familie musste ich wegräumen. Da geht es ja den Menschen im Gefängnis besser", sagt Kickl. Sie selbst hält dem Druck nicht Stand und lässt sich schließlich krankschreiben.

Typische Probleme eines Callcenters

Die Zustände, die Kickl beschreibt, dürften allerdings weniger mit Apple zu tun haben, als mit den generellen Arbeitsweisen in großen Callcentern. Man wird wohl kaum ein größeres finden, in dem exakt vorgegebene Arbeitsabläufe und Pausenzeiten sowie strenge Leistungskontrollen nicht an der Tagesordnung sind. In vielen Callcentern dürften die Bedingungen sogar wesentlich schlechter sein. Kickl erhält zwar lediglich 1800 Euro brutto im Monat, davon gehen in Irland aber kaum Steuern ab. Apple gewährt außerdem einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung sowie Mitarbeitergoodies wie den Zugang zum Apple-Fitnessstudio. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Auch ein Callcenter, auf dem Apple draufsteht, ist ein Callcenter und keine Wellnessoase.

Apple wollte zu den im Buch formulierten Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben. 

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