Was 2013 aus unseren Jobs wird

3. Januar 2013, 19:07 Uhr

Mitten in der europäischen Wirtschaftskrise legt Deutschland einen Beschäftigungsrekord hin. Doch was wird 2013 aus dem Jobwunder? Experten sind optimistisch, dass der Arbeitsmarkt der Krise trotzt. Von Daniel Bakir

Ganz Europa ächzt unter der Schuldenkrise. Ganz Europa? Nein. Während in Griechenland, Spanien oder Portugal die Menschen auf die Straße gehen, feiert Deutschland einen Beschäftigungsrekord. 41,5 Millionen Erwerbstätige - nie zuvor waren so viele Menschen hierzulande in Lohn und Brot. Am Donnerstag verkündete die Bundesagentur für Arbeit für das Gesamtjahr 2012 die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit 21 Jahren. Weniger als 2,9 Millionen Arbeitslose - das hat es zuletzt im Wiedervereinigungsboom 1991 gegeben. Auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger sank auf den niedrigsten Stand seit Einführung 2005.

Allerdings: Die dunklen europäischen Wolken erreichten zuletzt auch die deutschen Grenzen. Die schwächere Konjunktur machte sich in der zweiten Jahreshälfte immer stärker auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Winter ist zwar grundsätzlich normal. Im vergangenen Jahr war er aber nicht so stark ausgefallen. Im Dezember lag die Zahl der Arbeitslosen um 60.000 höher als vor einem Jahr. "Im ersten Halbjahr ist es unerwartet gut gelaufen. Im zweiten Halbjahr unerwartet schlecht", resümierte der Chef der Arbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, bei der Vorstellung der Bilanz in Nürnberg.

Wie geht es also weiter? Ist das Ende des deutschen Jobwunders schon erreicht oder wird auch 2013 ein gutes Job-Jahr? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt?

Von einem neuen Jobboom spricht derzeit niemand. Aber auch ein Absturz erscheint den Experten unwahrscheinlich. Arbeitsagenturchef Weise rechnet für 2013 mit einer Stagnation. Er erwarte weder einen spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit noch eine Trendwende zum Schlechteren. "Für 2013 gehen wir auf der Basis der vorliegenden Grunddaten davon aus, dass wir die Lage stabil halten könnten."

In einer "guten Grundverfassung" sieht den Arbeitsmarkt auch Sabine Klinger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Obwohl das konjunkturelle Umfeld in der zweiten Jahreshälfte schwierig war, ist die Arbeitslosigkeit nur leicht gestiegen", sagt Klinger stern.de. Sie erwartet zu Beginn des Jahres einen geringfügigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. "Ab dem Frühsommer sollte die Wirtschaft wieder besser laufen, dann wird sich auch der Arbeitsmarkt positiv entwickeln. Darauf deuten viele Frühindikatoren hin", sagt die Wirtschaftsforscherin.

In welchen Branchen entstehen Jobs?

Die Bundesagentur für Arbeit meldete zum Jahresende eine sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Zahl der Stellen liege aber nach wie vor auf hohem Niveau. Besonders gesucht seien derzeit Fachleute in den Bereichen Mechatronik, Energie und Elektro, Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau, Verkehr und Logistik sowie Verkauf und Gesundheit.

Sollte der erwartete Aufschwung kommen, werde auch die Zahl offener Stellen wieder zunehmen, sagt IAB-Expertin Klinger. "Jobs werden vor allem in den Bereichen Gesundheit und Pflege entstehen sowie bei Dienstleistern für Firmen – dazu gehören zum Beispiel Unternehmensberater, Steuerberater und Architekten." Engpässe sieht die Arbeitsmarktexpertin weiterhin bei der Besetzung von Ingenieursstellen. "Einen flächendeckenden Fachkräftemangel wird es aber nicht geben."

In welchen Branchen wird es schwierig?

Auf einige Branchen dürften in diesem Einschnitte zukommen. "Infolge der noch immer anhaltenden Investitionsschwäche könnte es im Verarbeitenden Gewerbe und im Bau schwer werden, das Beschäftigungsniveau zu halten", sagt Ökonomin Klinger. Die Automobilindustrie etwa erwartet weiter sinkende Absatzzahlen in Deutschland. Infolgedessen könnte es wieder zu mehr Kurzarbeit kommen. "Die Dimensionen von 2009 werden aber bei Weitem nicht erreicht", sagt Klinger. In allen Branchen zusammengenommen arbeiteten damals zeitweise bis zu 1,5 Millionen Angestellte kurz, derzeit sind es weniger als 100.000.

Gibt es immer mehr Mini-Jobs?

Mini-Jobs sind vor allem in den westdeutschen Bundesländern stark verbreitet. Einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge steht mehr als jede vierte berufstätige Frau in Westdeutschland in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis. Zum Jahreswechsel wurde zudem die Verdienstgrenze für Mini-Jobs auf 450 Euro pro Monat angehoben.

Die Zahl der Minijobs werde trotz der Änderung aber nicht stark zunehmen, prognostiziert Arbeitsmarktexpertin Klinger. Sie erwartet, dass wie schon im vergangenen Jahr vor allem sozialversicherungspflichtige Jobs entstehen. Zu den sozialversicherungspflichtigen Jobs zählen allerdings auch Teilzeit und Zeitarbeit. "Die Zeitarbeit könnte mit dem erwarteten Aufschwung wieder etwas zunehmen. Sollte der Aufschwung kommen, bliebe er aber nicht auf die Zeitarbeit begrenzt", sagt Klinger.

Wie entwickelt sich die Lage in Europa?

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den Ländern der Euro-Zone droht sich zu verschärfen. In der zweiten Jahreshälfte 2013 werde die Zahl der Arbeitslosen mit fast 20 Millionen Menschen ihren Höhepunkt erreichen, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervorgeht. Im Jahr 2010 seien in den Ländern des Euro-Raums 15,9 Millionen Menschen ohne Stelle gewesen. Die höchsten Arbeitslosenquoten werden in Griechenland, Spanien und Portugal erwartet.

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