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Zuwanderung aus Osteuropa hilft Wirtschaft

Am 1. Mai fallen die letzten Beschränkungen für Menschen aus den EU-Staaten Osteuropas, die in Deutschland arbeiten wollen. Aus Sicht von Experten könnten etliche Polen, Letten oder Tschechen für einen guten Job ihr Land verlassen - und damit der Wirtschaft hierzulande helfen.

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erwartet nach der Öffnung des Arbeitsmarkts für Arbeitskräfte aus Ost- und Mitteleuropa eine große Zahl von Zuwanderern in Deutschland. Befürchtungen, die Menschen aus Polen oder Tschechien könnten Einheimischen den Job streitig machen, wies Sinn zurück. Der Zustrom von qualifizierten Arbeitskräften werde der deutschen Wirtschaft insgesamt helfen.

"Ich glaube, das ist gut so", sagte der Chef des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung am Montag bei einer Pressekonferenz mit Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) in München. Mittel- und langfristig werde dies das Wirtschaftswachstum erheblich stärken. "Das wird einen absolut starken Effekt haben", sagte Sinn. Vor allem werden die ohnehin erfolgreichen Regionen im Land profitieren.

Vom 1. Mai an entfallen die bisherigen Beschränkungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Menschen aus Ländern wie Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Die Freizügigkeit ermöglicht, dass EU-Bürger ungeachtet ihres Wohnortes in jedem Mitgliedstaat arbeiten dürfen.

Bisher seien die Grenzen für Menschen offen gewesen, die nicht arbeiten wollten. "Es gab eine Immigration in das Sozialsystem." Die falschen seien gekommen, meinte Sinn. Das ändere sich nun. "Das wird auch den Sozialsystemen helfen", sagte der ifo-Präsident. Das Beispiel von Großbritannien, das die Freizügigkeit für Arbeitnehmer schon länger habe, zeige, dass keineswegs nur Hilfsarbeiter kämen, sondern qualifizierte Kräfte.

Wenn die Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit fallen, dürften Facharbeiter einwandern, die bisher von etlichen Firmen hierzulande vergeblich gesucht würden. Die Debatte um den Fachkräftemangel sei deshalb eine "Geisterdebatte", sagte Sinn. Haderthauer äußerte sich hingegen skeptischer zu den Erwartungen.

Politik und Wirtschaft müssten die Anstrengungen verstärken, deutsche Langzeitarbeitslose zu schulen, um fit für den Arbeitsmarkt zu werden. Die Langzeitarbeitslosigkeit sei noch immer viel zu groß, sagte Haderthauer - und Zuwanderung könne nicht alle Probleme lösen.

Wie viele Menschen sich auf den Weg nach Deutschland machen werden, sei unklar. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet nach Angaben Haderthauers mit rund 140 000 Menschen im Jahr. "Die Zahlen glaube ich überhaupt nicht", sagte Sinn. "Es kommen bestimmt nicht Millionen pro Jahr. Aber in der nächsten Dekade kommen bestimmt Millionen."

Angst, dass günstige Arbeitskräfte aus Osteuropa Menschen hierzulande den Arbeitsplatz Job streitig machen könnte, sei unbegründet. "Die nehmen ja niemanden den Job weg", sagte Sinn. Im Gegenteil baue die Industrie in Deutschland Stellen auf. "Wir haben ja eine fantastische Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt." Das sehe in anderen Ländern wie Frankreich ganz anders aus.

DPA/DPA

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