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26. März 2009, 16:50 Uhr

Die Wut erreicht die Straße

Manager werden als Geiseln genommen, Banker bedroht, Villen attackiert. Der Unmut über die Verantwortlichen der Wirtschaftskrise erreicht eine neue Dimension: Die allgemeine Wut richtet sich zunehmend gegen Einzelpersonen. Von L. Meier, S. Bräuer, T. Kroder und L. Heiny

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Manager, Geiseln, Wirtschaftskrise

Der Frankreich-Chef des US-Büromaterialherstellers 3M Luc Rousselet wurde von Angestellten in seinem Büro festgehalten© Alain Jocard/AFP

Luc Rousselet kennt seinen Geiselnehmer. Seit Jahren gehen er und Laurent Joly jeden Morgen durch das gleiche Werkstor. Als am Dienstagabend die Belegschaft das Werksgelände verlässt, sind die beiden nicht dabei. Joly, der seit elf Jahren in der Fabrik in Pithiviers nördlich von Paris arbeitet, hat zusammen mit Kollegen den Frankreich-Chef der US-Büromaterialfirma 3M in seinem Büro als Geisel genommen. "Wir haben keine andere Munition als die Festsetzung der Verantwortlichen", rechtfertigt sich Joly.

Die Ratlosigkeit ist in Radikalität umgeschlagen. Es geht um Arbeitsplätze. Hunderte Existenzen stehen auf dem Spiel. Allein in der Niederlassung Pithiviers soll jeder Zweite gehen. Es ist bereits die zweite Geiselnahme eines Managers in Frankreich binnen zwei Wochen. Am 13. März hatten wütende Arbeiter einer Sony-Fabrik bei Bordeaux den Frankreich-Chef des Konzerns für eine Nacht als Geisel genommen. Nach neuen Verhandlungen über die geplanten Werksschließungen wurde er wieder freigelassen. Für Luc Rousselet brach am Mittwoch die zweite Nacht in Geiselhaft an. Erst in der Nacht zum Donnerstag kam er frei.

Die Stimmung wird immer aggressiver

Seit Wochen treiben die Wut und die Verunsicherung über die Krise die Menschen weltweit auf die Straßen. In den vergangenen Tagen haben die Ereignisse allerdings eine neue, aggressivere Dimension erreicht: Es wird persönlich. In Frankreich, Großbritannien und den USA werden Manager und Banker zur Zielscheibe des Zorns: Geiselnahmen, Morddrohungen, Angriffe auf das Eigentum. Es ist keine abstrakte Wut mehr auf "gierige Banker" - die Drohungen und Bedrohungen sind ganz konkret.

In Deutschland scheint es dabei noch friedlich zuzugehen. Doch für Experten ist es nur eine Frage der Zeit - Angst, Unzufriedenheit und Empörung nehmen mit jeder Schreckensmeldung zu. "Solche Proteste sind ein internationales Phänomen: Die sozialen Verwerfungen nehmen in allen Ländern erheblich zu", sagt Martin Diewald, Lehrstuhlinhaber für Soziologie an der Universität Bielefeld. "Auch in Deutschland wird es zu größeren Ausbrüchen kommen." Vor "sozialen Konflikten in diesem Land, dass es knallt", warnt auch Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Selbst Bundespräsident Horst Köhler mahnt: "Wir werden Ohnmacht empfinden und Hilflosigkeit und Zorn."

Auch in England regt sich der Volkszorn

In Großbritannien hat sich dieser Zorn bereits entladen. In der Nacht zu Mittwoch zertrümmerten in der Nähe von Edinburgh Unbekannte mit Steinen die Scheiben der Sandsteinvilla von Fred Goodwin, Ex-Chef der Royal Bank of Scotland. Auch die schwarze Mercedes-Limousine in der Hofauffahrt wurde demoliert. Der Schaden ist überschaubar, das Symbol jedoch übermächtig. "Das ist erst der Anfang", schrieben die Aktivisten unter dem Absender bankbossesarecriminals@mail.com in ihrem Bekennerschreiben. Selten zuvor - zuletzt vielleicht zu Zeiten der Maschinenstürmer im 19. Jahrhundert - hat sich der Volkszorn so gegen Wirtschaftseliten entzündet wie gegen Goodwin.

Seit Wochen ist er verschwunden. Je rarer er sich macht, desto mehr steigt sein Marktwert. Paparazzi-Fotografen bekommen inzwischen über 30.000 Euro für ein Bild, auf dem es Sir Fred sich gut gehen lässt. Goodwins legendärer Spitzname "Fred, the Shred" - für seine Erfolge als knallharter Sanierer - haben sich ins Gegenteil verkehrt: Er selbst gehöre in den Schredder, schimpfen die Briten, zusammen mit allen gierigen Bankern dieser Welt. Sie sind empört, dass Goodwin nach seinem Rücktritt im vergangenen Jahr jährlich 755.000 Euro Pension bekommt - die RBS machte 2008 einen Verlust von mehr als 26 Milliarden Euro und wurde mit über 21 Milliarden Euro Steuergeldern unterstützt. Das Magazin "Newsweek" hat Goodwin zum "schlimmsten Banker der Welt" erklärt.

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KOMMENTARE (10 von 20)
 
Administrator (26.03.2009, 16:41 Uhr)
Liebe User
vielen Dank für Ihre Beiträge - wir schließen die Debatte an dieser Stelle.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Malt (26.03.2009, 16:32 Uhr)
@UR63
Also, von Ihnen liest man ausser Beleidigungen.... NICHTS! Klassischer Fall von Selbstdisqualifikation...
.
Und sorry, aber wenn jemand wie Funke es schafft, in die Kasse eines Immobilienfinanzierers ein Loch von 235 Milliarden Euro (!!!)zu "erwirtschaften", der hat sich nun mal schuldig gemacht. Das kann man nicht mehr mit Inkompetenz oder unklarer Marktlage abtun... da steckt schlichtweg entweder kriminelle Energie oder ein absurdes Maß an Dummheit dahinter. Das eine muss bestraft werden, das andere schützt vor Strafe nicht! Und wenn die Gerichte und Staatsanwaltschaften, gefühlt, nur noch nach Lobbygesetzen zwar Recht sprechen, welches aber mit "Gerechtigkeit", wie sie das Gros der Bevölkerung empfindet, nichts mehr zu tun hat, dann kocht der Kessel halt irgendwann mal über! Ich finde es eher schlimm, das Teile der Bevölkerung in einem der reichsten Länder der Welt anscheinend dermaßen in die Ecke gedrängt werden, dass sie überhaupt über derartige Maßnahmen anfangen nachzudenken... und ich frag' mich eher, wer sich darüber überhaupt wundert?
utospatz (26.03.2009, 16:29 Uhr)
Eine sogenannte Demokratie,
16 fach föderalistisch aufgebaut, benötigt mindestens 32 Landesbanken, damit Möchtegernpolitbanker nicht an Schwindsucht erkranken.!
Und über Allem schwebt die HRE, und jeder Funke tut dem Volke weh!
In USA sind sie angeblich dabei ein VVSB= ein Volksvermögen-Schutz-Battalion mit Lasergesteuertem Scharfschützen-Gewehr zu etablieren.
Herzliche Grüße an die:
"Bonsai-Demokratie"!
summer8 (26.03.2009, 16:26 Uhr)
Es ist gut so...
wenn nun gerade die Verursacher dieses Desasters ein wenig die Kehrseite ihres handelns zu spüren bekommen. Dann spüren diese auch einmal was es heißt Existenzangst zu haben. Im Nachgang werden Sie dann auch einsehen warum es wichtig ist nicht nur zu raffen, sondern durch ordnungsgemäßes Versteuern seiner Einkünfte den Staat handlungsfähig zu halten damit dieser Sie wiederum auch schützen kann. Alle die immer noch nicht begriffen haben, dass durch ungezügelte Gier der Staat seinen Handlungsspielraum verliert wird dieses später teuer bezahlen müssen, indem er sein Vermögen und sein Leben durch teure Blackwatersecurity schüzten lassen muss.
acitapple (26.03.2009, 16:22 Uhr)
sündenböcke ????
ein sündenbock ist ein unbeteiligter, dem eine schuld zugeschoben wird. das trifft auf die manager definitiv NICHT zu. im gegenteil, sie HABEN mist gebaut !!! durch ihre lobbyarbeit erreichen sie sogar eine legalisierung ihrer menschenunwürdigen handlungsweise. das volk bedankt sich eben auf seine weise...
ich denke es gibt genügend arbeiter/angestellte, die ihrem chef nichts ankreiden können. das sind dann verantwortungsvolle führungspersönlichkeiten, die an einer nachhaltigen geschäftstätigkeit interessiert sind. sie sind sich bewusst, dass es ein geben und nehmen gibt. der zorn hier richtet sich gegen diejenigen, die in den letzten jahren alle positiven ergebnisse ihrer unternehmen für sich behalten haben und gleichzeitig ihre mitarbeiter geschröpft haben. manager, die hochriskante geschäfte eingegangen sind, wofür nun die kleinen mitarbeiter bluten müssen. ihre existenzen werden einfach ad acta gelegt, während so mancher boss noch millionen dafür bekommt, die karre gegen die wand gefahren zu haben !!!
UR63 (26.03.2009, 16:16 Uhr)
Was Ihr Würste..
hier so von Euch gebt kann man nur als dämlich bezeichnen!
Ist halt so!
Labert weiter Ihr Hirnis!
UR63 (26.03.2009, 15:59 Uhr)
Stern bitte schließen..
Sie die Kommentarfunktion!
Was sich hier an Idioten rumtreibt ist nicht auszuhalten!
nichtvergessen (26.03.2009, 15:53 Uhr)
Rumpoebler
Nicht jeder der hier einen Kommentar abgibt war evtl. in der gluecklichen Lage, sein Studium von Papi finanziert zu bekommen, sondern musste sich mit der Volksschule zufrieden geben und danach Arbeiten. Mag schon sein dass einige garnicht wissen was das ueberhaupt heisst. Und dennoch braucht man kein Abi um festzustellen dass es auch in Deutschland so nicht weitergehen kann. Jeder hat das Recht seine Meinung oder Kommentar hier abzugeben, wenn auch die Wortwahl hin und wieder derb erscheinen mag, so gibt dies kein Grund zur Veranlassung den Schreiber direkt herabzustufen, anzupoebeln und als Dumm hinzustellen. (Vergleich mit Amoebe)
Gerade die Uneinigkeit schon innerhalb der kleinsten Gemeinschaften macht sich doch die Fuehrungsliga zum Nutzen.
Nur zur Erinnerung:
Artikel 18
Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Absatz 1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Absatz 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.
Optimist60 (26.03.2009, 15:52 Uhr)
@MRP66
In D. ist eher einen antidemokratischen Putsch zu erwarten als eine soziale Revolution
michianso (26.03.2009, 15:51 Uhr)
Wut und Ohnmacht
Wer sich verbal nicht wehren kann, der greift zu Gewahlt. Das war schon vor 1000 Jahren so und das scheint auch in unserer ach so zivilisierten Gesellschaft der Fall zu sein.
.
Und was haben wir davon? Rein gar nichts. Rottet alle Manager aus und was kommt dann? Soll der Prolet von um die Ecke ein Milliarden-Konzern leiten? Dass ich nicht lache.
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Es werden also andere Manager nachrücken, manche besser, manche noch viel schlechter. Mit Gewalt ändert man also rein gar nichts.
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Das einzige Mittel die Herren Konzernlenker zu umsichtigeren Handeln zu bewegen ist, sie per Vertrag finanziell an den Unternehmenserfolg zu binden. Denn so lange sie ihre Gehälter und Boni auch bei Misswirtschaft erhalten, werden weder die aktuellen Lenker und Leiter noch die folgendenen Generationen etwas ändern.
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