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China ist jetzt zweitgrößte Wirtschaftsmacht hinter USA

Erst Deutschland, jetzt Japan: China überholt die führenden Wirtschaftsmächte mit Riesenschritten und hat sich Platz Zwei hinter den USA gesichert. Der wirtschaftliche Aufstieg des Milliardenvolkes verschärft das Rennen um Rohstoffe.

China hat Japan den Titel als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgenommen. Während aus der Volksrepublik nach wie vor atemberaubende Wachstumsraten gemeldet werden, tritt die japanische Wirtschaft praktisch auf der Stelle. Nach einem mit aufs Jahr gerechnet hohen Zuwachs von 4,4 Prozent im ersten Quartal wuchs das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal mit 0,1 Prozent so gut wie gar nicht, wie die japanische Regierung am Montag auf Grundlage vorläufiger Schätzungen mitteilte.

Damit wird einmal mehr deutlich, wie China das Gefüge der Welt verändert. Nicht nur ist das Land bereits jetzt ein militärisches Schwergewicht, sondern auch Export-Weltmeister, der größte Produzent von Stahl und der größte Absatzmarkt für Fahrzeuge. Und nach mehr als zwei Jahrzehnten der Reformen löst das Reich der Mitte nun Japan als größte Volkswirtschaft Asien an.

Das japanische BIP belief sich im zweiten Quartal auf umgerechnet 1,286 Billionen Dollar (1,000 Billion Euro), das chinesische BIP auf 1,335 Billionen Dollar (1,043 Billionen Euro). Auch in der Vergangenheit lag China in einem einzelnen Quartal schon vor Japan. Angesichts der unterschiedlichen Wachstumsraten wird die Volksrepublik den Inselstaat bis zum Jahresende wohl endgültig überholen.

Für die Industrienationen war das chinesische Wachstum ein entscheidender Faktoren für die Überwindung der Wirtschaftskrise. Doch die Zahlen aus Tokio legen nahe, dass diese allein Japan nicht aus seiner ökonomischen Stagnation herausholen konnte. Auch für andere große Volkswirtschaften sei dies ein Warnsignal, dass sie sich nicht allein auf die Auslandsnachfrage stützen dürften, sagte Analyst Martin Schulz vom Forschungsinstitut Fujitsu in Tokio.

Nun überlege die japanische Regierung, ob sie ein neues Konjunkturpaket schnüren solle, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Gegenüber dem ersten Quartal 2010 gingen in den vergangenen drei Monaten die öffentlichen Investitionen um 3,4 Prozent zurück, die Ausgaben der privaten Haushalte stagnierten. Die Unternehmensinvestitionen stiegen dagegen um 0,5 Prozent.

Die Aussichten für die Zukunft sind unsicher. Sorgen bereitet der Regierung vor allem der starke Yen, dessen Wechselkurs zum Dollar vergangene Woche den höchsten Stand seit 15 Jahren erreichte. Für die stark exportabhängige japanische Wirtschaft ist diese Entwicklung riskant.

Japan hielt seit 1968 den Titel als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den Vereinigten Staaten. Damals überholte Japan West-Deutschland. Die Japaner gehören trotz allem aber immer noch zu den reichsten Völkern der Welt. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen betrug im vergangenen Jahr umgerechnet 37.800 Dollar, während die Chinesen nur auf 3.600 Dollar pro Kopf kamen. Die Amerikaner lagen mit 42.240 Dollar auf Platz eins.

Tomoko A. Hosaka, APN/DPA/DPA
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