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Das passiert, wenn Männer mehr für Kuchen zahlen müssen als Frauen

Australische Studenten haben mit einem Kuchenverkauf auf die Gender Pay Gap hingewiesen: Frauen mussten weniger zahlen als Männer, weil sie ja auch weniger verdienen. Als Reaktion wurde ihnen mit Vergewaltigung und Mord gedroht.

Screenshot des Tweets, der die Aktion ankündigte mit Foto von drei Studentinnen mit Behältern voller Cupcakes in den Händen

Der Sexismus, den die Studentinnen mit ihrer Aktion anprangerten, traf sie anschließend in voller Härte

Frauen sind besser ausgebildet als Männer, in vielen Ländern erreichen mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss. Statt mehr als die männlichen Kollegen zu verdienen, bekommen sie dennoch weniger. Gender Pay Gap wird das im Englischen genannt, das bezeichnet wörtlich eine Lücke in der Bezahlung zwischen den Geschlechtern.

Diese Lücke haben Studenten der Universität von Queensland in Australien mit einer Aktion verdeutlicht: Sie verkauften selbst gebackene Cupcakes an ihre Kommilitonen. Der Preis: Für Männer ein australischer Dollar. Und für Frauen entsprechend weniger, schließlich verdienen nicht alle Geschlechter und Bevölkerungsgruppen gleich viel. Eine weiße Frau etwa hatte 17,3 Prozent weniger zu zahlen (da in Australien statistisch ja auch 17,3 Prozent weniger Geld zur Verfügung), eine schwarze Frau zahlte sogar nur 55 Cent pro Cupcake - gemäß den Abzügen, die schwarze Frauen gegenüber weißen Männern auch im Berufsalltag erleben müssen.

Vergewaltigungsdrohungen und Verleugnung

Das berichtete Madeline Price, Geschlechterbeauftragte der Universität, in einem Gastbeitrag für den "Guardian". In ihrem Text geht es jedoch leider weniger um die Aktion der Studenten als vielmehr um die Reaktionen darauf. Denn selbst ein harmloser Kuchenverkauf für einen lehrreichen Zweck kann einen wütenden Mob hervorrufen, wie die Veranstalter erfahren mussten. Männer, die sich trotz ihrer herausgestellten Privilegien im Nachteil sahen, griffen die Studentinnen an, die in den sozialen Netzwerken von ihrer Aktion berichteten und auf einem Foto mit ihren Cupcakes posierten.

Wie Price berichtet, wurden die Studentinnen bedroht, nicht nur von Kommilitonen an der eigenen Universität, sondern auch von völlig fremden Männern, die bloß über das Internet von der Aktion erfahren hatten. Die riefen dazu auf, die Frauen zu vergewaltigen und schrieben sogar Morddrohungen. Andere bezeichneten die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen sogar sls "Mythos", trotz der öffentlich einsehbaren Fakten

Die Aktion der australischen Studenten - vielmehr die erschreckenden Reaktionen darauf - haben weltweit für Aufsehen gesorgt. Die Australierin Lauren Rosewarne kommentierte für das Portal  "ABC.net": "Wage es, das Patriarchat zu hinterfragen und es ballt sich mit seiner ganzen bedrohlichen, gewalttätigen, frauenfeindlichen Hässlichkeit zusammen."

Letztendlich haben aber genau jene Reaktionen demonstriert, worauf die Studenten aufmerksam machen wollten: Sexismus ist allgegenwärtig - und zeigt sich weltweit nicht bloß in der Pay Gap.

Screenshot: Balkendiagramme machen deutlich, dass asiatische Männer am meisten, Latino-Frauen am wenigsten bekommen

Von einem Dollar als Bezugsgröße erhalten asiatische Männer 100 Prozent. Keine Frau kommt über 77 Cent hinaus. Diese Grafik gilt wohlbemerkt für die Verhältnisse in den USA. In Australien ist der Unterschied noch größer - und in Deutschland verdienen Frauen noch einmal weniger als Männer.

jen

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