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Bäckerei-Angestellte überweist 1,9 Millionen Euro an Trickbetrüger

Sie dachte, die Anweisung käme von der Chefin, stattdessen überwies die Buchhalterin einer Münchner Bäckereikette 1,9 Millionen Euro an Trickbetrüger aus Hongkong. Nun wird vor Gericht gestritten, wer den Schaden bezahlen muss.

Filiale einer Hofpfister-Bäckerei

Filiale einer Hofpfister-Bäckerei

Die Hofpfisterei aus München ist die bekannteste Ökobäckerei Süddeutschlands. Allein am Firmensitz München betreibt die Kette rund 100 Filialen, der Jahresumsatz liegt bei über 60 Millionen Euro. Dennoch kommt es nicht alle Tage vor, dass die Buchhalterin den Auftrag erhält, von jetzt auf gleich 1,9 Millionen Euro nach Hongkong zu überweisen. Trotzdem tat Buchhalterin H. wie ihr geheißen, die Mail kam schließlich von Geschäftsführerin Nicole Stocker persönlich. Dachte sie zumindest. In Wahrheit steckten hinter der gefälschten Mail. Das Geld ist weg.

Wer für den im November 2015 entstandenen Millionenschaden aufkommen muss, wird derzeit vor Gericht geklärt. Die Hofpfisterei ist der Ansicht, dass die Bank, die den Auftrag der Buchhalterin ausführte, eine gehörige Mitschuld trägt. Die Mitarbeiter des Geldinstituts, seit Jahren Hausbank der , hätten misstrauisch werden müssen, erklärte der Hofpfister-Anwalt laut Süddeutsche Zeitung (SZ) im Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht München. Schließlich sei die Summe erstaunlich hoch und die Überweisung per Fax höchst ungewöhnlich gewesen. Die Bank dagegen verteidigt sich, sie habe extra noch einmal bei der Buchhalterin telefonisch nachgefragt, weil kein Überweisungszweck angegeben gewesen sei. Diese habe daraufhin bestätigt, alles sei mit der Geschäftsführung abgesprochen.

Richter sieht Hauptschuld bei der Bäckerei

Die Masche, auf die die Münchener Buchhalterin hereinfiel, ist bei der Polizei als Geschäftsführer-Betrug bekannt. Trickbetrüger versenden dabei im Namen des Chefs oder der Chefin eine täuschend echt aussehende Mail an eine Person mit Zugriff auf das Firmenkonto. In diesem Fall war die Mail so geschickt formuliert, dass die Buchhalterin nicht den persönlichen Kontakt mit ihrer Geschäftsführerin suchte - der alles sofort aufgeklärt hätte. In der Betrüger-Mail hatte es geheißen, sie dürfe mit niemandem darüber sprechen, zudem sollte alles ganz schnell gehen.

Das Landgericht hatte der Bank und der Bäckerei je zur Hälfte Recht gegeben. Das OLG erklärte dagegen am Freitag, es sehe das Verschulden der Bank nur bei einem Viertel bis einem Drittel und forderte die Parteien zu Vergleichsverhandlungen auf. Einen Teil des Schadens hat die Hofpfisterei laut SZ von der Versicherung wieder bekommen.

Das Geld selbst wurde bei der Bank in sichergestellt, den Weg zurück nach München hat es noch nicht gefunden. Die Buchhalterin musste das Unternehmen verlassen.

bak

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