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Neuer Rückschlag für Stuttgart 21

Hiobsbotschaft für das Projekt Stuttgart 21: Die Bahn hat sich von einem Projektsteuerer der Neubaustrecke nach Ulm getrennt. Und schafft sich damit ein neues Problem.

Von Arno Luik

  Steht beim Giga-Projekt S 21 unter Druck: Bahnchef Rüdiger Grube

Steht beim Giga-Projekt S 21 unter Druck: Bahnchef Rüdiger Grube

Langsam verliert die Bahn die Lust an ihrem gigantischen Bauprojekt Stuttgart 21. Zum Einen laufen ihr die Kosten davon. So musste der Konzern verkünden, was stern und stern.de aufgrund bahn-interner Dokumente schon mehrmals prognostiziert hatten: Die Macher haben das heftig umstrittene Bauprojekt finanziell nicht im Griff. Um 370 Millionen Euro explodieren nun die Kosten. Die Gesamtkosten kratzen damit an der mit Land und Stadt vereinbarten Obergrenze von 4,5 Milliarden Euro. Die grün-rote Landesregierung will bei Belastungen, die darüber hinausgehen aus dem Projekt komplett aussteigen und dies mit einem Kündigungsgesetz untermauern. Dass es weitere Kostenschübe bei diesem hochkomplizierten Unterfangen geben wird, ist wahrscheinlich: Einige finanziell unkalkulierbare und teure Arbeiten, etwa die Tunnelarbeiten, die noch völlig ungeklärte Situation unter dem Messe- und Flughafengelände, haben noch gar nicht begonnen.

Zum anderen gibt es jetzt noch einen weiteren herben Rückschlag für das Großprojekt: Stuttgart 21 ist nur dann sinnvoll, wenn zusätzlich eine Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Ulm gebaut wird. Die Bahn habe nun den Vertrag mit den Projektsteuerern, der zunächst bis 2012 galt, nicht verlängert – sagt ein Insider. Die Bahnspitze selbst, von stern.de um eine Erklärung gebeten, verweigert sich offizieller Kommentierung des ungewöhnlichen Vorgangs. Bei der Consultingfirma Lahmeyer, einem der Projektsteuerer, will ebenfalls niemand über den Verlust des lukrativen Auftrags reden. Man habe mit der Bahn "vereinbart, dass alle Dinge, die mit Stuttgart 21 zu tun haben, über die Bahn direkt laufen", heißt es.

Umstritten - aus vielen Gründen

Die Strecke Stuttgart – Ulm ist aus vielen Gründen heftig umstritten. Bahnexperten sagen, der Bau gehe an "die Grenzen des technisch Machbaren". Wegen der langen Tunnel, die durch den porösen, feuchten Karst der Schwäbischen Alb führen und damit durch wassergefüllte Höhlen. Völlig unklar ist deshalb auch, wie teuer diese Strecke wird. Die Bahn geht davon aus, dass sie knapp drei Milliarden Euro kosten wird, unabhängige Bahnexperten rechnen allerdings schon mit sechs Milliarden oder gar sieben Milliarden Euro.

Wirtschaftlich amortisieren wird sich die Trasse nicht, denn sie ist absurd geplant: Die Strecke führt in zwei insgesamt über 17 Kilometer langen Tunnel vom tiefsten Punkt der Strecke, dem Neckartal, mit Steigungen von bis zu 35 Promille durch das Mittelgebirge Schwäbische Alb – die Tunnelstrecke ist steiler als viele Trassen im Hochgebirge. So steil, dass die üblichen Güterzüge sie nicht befahren können, sie schaffen es einfach nicht den Berg hinauf.

Seit vielen Jahren bemüht sich die Bahn um die notwendigen Planfeststellungsbeschlüsse dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke. Für wichtige Bauabschnitte – dem Boßlertunnel beispielsweise – liegen sie noch immer nicht vor. Der Abschied von den Projektsteuerern macht die schwierige Situation für die S-21-Betreiber noch komplizierter. So wertet ein am Projektbeteiligter Manager den Vorgang als "einen herben Rückschlag". Man habe sich bei S 21 und der Neubaustrecke "total überhoben". Die Terminpläne seien jetzt gefährdet. Es sei völlig ungewiss, ob die Neubaustrecke zeitgleich mit S 21 abgeschlossen werden könne.

Eine absurde Perspektive: Es kann also durchaus sein, dass S 21 in rund zehn Jahren fertig ist – aber das Ganze nach ein paar Kilometer hinter Stuttgart im Acker endet, weil an der Neubaustrecke noch gewerkelt wird. Zur Erinnerung: S 21, so hat es Bahnchef Rüdiger Grube immer wieder gesagt, sei das "am besten geplante Projekt". Er sei stolz auf seine S-21-Ingenieure. Bei denen jedoch liegen die Nerven längst blank. Berichte über Ausstiegsszenarien machen die Runde. Ein Planungs-Ingenieur sagte stern.de: "Keiner von uns will das Ding mehr."

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