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Deutsche Spenden für US-Klimaschutzgegner

Konzerne aus Deutschland haben rund 200.000 Dollar für den US-Kongresswahlkampf gespendet - und zwar an Politiker, die gegen den Klimaschutz kämpfen. SPD und Grüne sowie Umweltschützer sind empört über diese "tätige Beihilfe zur Klimazerstörung". Die Firmen weisen die Vorwürfe zurück.

Politiker von SPD und Grünen sowie die Umweltschutzorganisation WWF sind empört über Spenden deutscher Unternehmen für den US-Wahlkampf. Laut dem europäischen Klimaschutzdachverband CAN haben die Chemieriesen Bayer und BASF sowie der Stromriese Eon im laufenden Kongresswahlkampf zusammen etwa 175.000 Dollar gespendet. Etwa 80 Prozent des Geldes soll an Kandidaten geflossen sein, die die Ursachen des Klimawandels leugnen oder wirkungsvolle Klimagesetze blockieren.

"Es ist ein Skandal, wenn große deutsche Firmen wie Bayer und BASF sich zu Hause als Klimaschützer aufspielen, im US-Wahlkampf dann aber die extremsten Klimaschutzgegner finanziell unterstützen, um weltweite Vereinbarungen zu torpedieren", sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der in Essen erscheinenden "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung". Er erwarte eine "Klarstellung und Kurskorrektur" der Unternehmen, so Kelber weiter. Grünenfraktions-Vize Bärbel Höhn nannte die Wahlkampfspenden eine "tätige Beihilfe zur Klimazerstörung".

Eon wehrt sich gegen Darstellung

Eon wies die CAN-Darstellung als "fahrlässig" zurück. An der genannten Summe von Wahlkampfspenden sei der Stromriese mit lediglich mit 6000 Dollar beteiligt. "Das ist Kleinstsponsoring - und zwar sowohl für Republikaner als auch für Demokraten", sagte Eon-Sprecher Mirko Kahre stern.de. Zudem stehe diese Summe in keinem Verhältnis zu acht Milliarden Euro, die das Unternehmen laut Kahre weltweit in erneuerbare Energien investiere.

Ein Bayer-Sprecher teilte mit, dass es sich bei den Geldern nicht um Spenden des Unternehmens gehandelt habe. Stattdessen gebe es in den USA ein System, bei dem das Unternehmen Spenden von Mitarbeitern einsammele, die sich für eine Sache engagieren wollten. Ein BASF-Sprecher erklärte, der Konzern unterstütze keine politische Partei. Die Gelder seien für eine Lobbygruppe, ein sogenanntes Political Action Committee, von Mitarbeitern gespendet worden.

"Peinlich, wie Firmen Klimaschutzpolitik sabotieren"

Dagegen haben die Konzerne für den WWF beim Klimaschutz ein Glaubwürdigkeitsproblem. "Es ist mehr als peinlich, wie deutsche Firmen die offizielle Klimaschutzpolitik der Bundesrepublik sabotieren", so der Vorstand des WWF Deutschland, Eberhard Brandes.

Während man sich "in bunten Broschüren ein Saubermannimage" zu geben versuche, werde der Klimaschutz international ausgebremst. Dieselben Unternehmen würden in Europa ehrgeizige Klimaschutzziele mit dem Verweis auf die Untätigkeit der USA blockieren. Der WWF forderte BASF, Eon und Bayer auf, "die fragwürdige Lobbyarbeit mit dem Scheckbuch" einzustellen und das EU-Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 30 Prozent zu senken, zu unterstützen.

dho/AFP/DAPD/DPA/DPA
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