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Dreck im Hähnchen

Bei vielen Verbrauchern steht der Name Wiesenhof für Qualität. Doch in einem Schlachthof des Konzerns entdeckten Kontrolleure nach stern-Recherchen unglaubliche Zustände.

Der niedersächsische Fleischverarbeiter PHW (Wiesenhof) produziert in Sachsen-Anhalt unter Bedingungen, bei denen die zuständige Veterinäraufsicht eine hygienisch bedenkenlose Schlachtung nicht garantieren kann. Der stern berichtet in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe über einen Geflügelschlachthof der Wiesenhof-Gruppe in Möckern bei Magdeburg. Fotos und amtliche Dokumente dokumentieren katastrophale Zustände: Es geht um "Schwarzschimmelbefall durchgängig an Wand und Decke", um "Kontamination der Schlachtkörper mit Magen-Darm-Inhalt". Um Verstöße bei Fleischbeschau und Kühlung und die Überschreitung der zulässigen Schlachtmenge. Die Mängel sind den Behörden spätestens seit einer so genannten Team-Kontrolle des Schlachthofes am 7. April 2010 bekannt. Auf 15 DIN-A4-Seiten mit eng beschriebenen Tabellen wurden danach Verstöße gegen Hygiene-Vorschriften, Tier- und Verbraucherschutzbestimmungen aufgelistet. Unter der Bedingung, die Mängel sofort abzustellen, erteilte das Landesverwaltungsamt Halle am 26. August 2010 dennoch eine neue EU-Zulassung für den Betrieb. "Zum jetzigen Zeitpunkt", heißt es in diesem Bescheid, "bestehen erhebliche Verletzungen hygienerechtlicher Bestimmungen". Zudem bestehe ein "erhebliches Gefährdungspotenzial für die Verbraucher".

Wiesenhof musste bereits zahlen

Einige Defizite, die bei Kontrollen zwischen April 2010 und März 2011 im Schlachthof Möckern beanstandet wurden, sind mittlerweile behoben, vor allem durch Renovierungsarbeiten in den Hallen. Andere – auch gravierende – Mängel stellte Wiesenhof bislang nicht ab. Gegen das Unternehmen wurden dafür bereits Zwangsgelder in Höhe von mehreren zehntausend Euro festgesetzt. Wiesenhof gibt an, die "dem stern vorliegenden und rufschädigenden Informationen zu angeblich regelwidrigen Zuständen bei der Wiesenhof Geflügel GmbH sind nachweislich falsch". Alle Auflagen des Landesverwaltungsamtes "wurden und werden" umgehend erfüllt. Lediglich "bei zwei angemahnten Sachverhalten treffen unterschiedliche Auffassungen aufeinander. Diese werden aktuell verwaltungsrechtlich geklärt."

Doch vor allem gegen Auflagen, die vorgeschriebenen Fleischbeschauzeiten einzuhalten, sträubt sich Wiesenhof nach stern-Informationen noch. Auch bemängeln die Kontrolleure des zuständigen Landkreises Jerichower Land regelmäßig zu hohe Temperaturen der Schlachtkörper „nach der Sprühkühlung“ und Nachlässigkeiten bei der hygienischen Trennung zwischen verschiedenen Produktionsbereichen, dem vorgeschrieben "Schwarz-Weiß-Prinzip".

Offenbar haben die Zustände in Möckern bereits Folgen für den Export: Seit dem 30. März 2011 hat Russland eine Einfuhrsperre für Produkte aus dem Schlachthof verhängt. Mehrere Tonnen "Separatorenfleisch" – gefrorene Fleischreste von Knochen – waren mit Salmonellen verseucht.

hw/ben/print
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