18. Oktober 2011, 20:01 Uhr

Foodwatch gibt Spekulanten Mitschuld an Hungersnöten

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert den sofortigen Ausstieg von Finanzspekulanten aus dem Geschäft mit Rohstoffen für Nahrungsmittel. Sie seien schuld an einem mörderischen Preisanstieg. Auch die Deutsche Bank wird attackiert.

Foodwatch fordert Regulierung: Deutsche Bank soll Agrarspekulationen einstellen
Foodwatch fordert Regulierung
Deutsche Bank soll Agrarspekulationen einstellen

Wer ist verantwortlich für den Hunger auf der Welt? Für die Verbraucherorganisation Foodwatch sind Finanzspekulanten an den weltweiten Hungersnöten zumindest mitschuldig. Seit dem Einstieg der Investoren in Geschäfte mit Rohstoffen für Lebensmittel seien die Preise kontinuierlich gestiegen, heißt es in einem am Dienstag in Berlin vorgestellten Bericht. Die von Lebensmittelimporten abhängigen und ohnehin ärmsten Länder der Welt seien von den Spekulationen am stärksten betroffen.

Die Preise würden vor allem durch Termingeschäfte steigen. Produzent und Käufer schließen dabei Verträge ab, um eine zukünftige Warenlieferung zu vorher festgelegten Preisen zu garantieren. Durch Investmentbanken sei dieses grundsätzlich sinnvolle Marktinstrument zur Perversion verkommen, sagte der Wirtschaftsjournalist Harald Schuhmann, Autor des Reports. Die auf Spekulationen begründeten Preise würden zu Referenzpreisen für den gesamten Markt. Auf diesem Weg hätten sich beispielsweise Getreide oder Speiseöl über ein Jahr um bis zu 25 Prozent verteuert.

Von der Politik fordert die Organisation Konsequenzen. Die habe sich bisher "jämmerlich" verhalten, sagte Foodwatch-Vorstand Thilo Bode. Anleger wie Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds müssten vom Rohstoffgeschäft ausgeschlossen werden.

Angriff auf die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank solle mit gutem Beispiel vorangehen und aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aussteigen, forderte Foodwatch in einem offenen Brief an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Die unverantwortliche Zockerei im globalen Rohstoff-Kasino muss durch klare Spielregeln eingedämmt werden", sagte Bode. Auf europäischer Ebene müssten institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen vom Handel mit Rohstoffderivaten ausgeschlossen werden. Für Publikumsfonds müssten Anlagen in Agrar- und Energierohstoffe tabu sein. Noch besser sei ein völliges Verbot von Publikumsfonds, die allen Anlegern offen stehen, sowie von Zertifikaten für Rohstoffe.

fw/AFP/DPA
 
 
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