Der Bertelsmann-Chef verlässt überraschend das Unternehmen und sorgt mit seinem Abgang für Spekulationen, wohin die Reise geht.

Er geht, aber wohin? Thomas Middelhoff wird die Bertelsmann AG verlassen.© AP/Suzanne Plunkett
Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff hat am Sonntag wegen Differenzen über die künftige Strategie überraschend das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger an der Spitze des Medienriesen wurde der bisherige Vorstand Gunter Thielen. Grund für die Trennung seien unterschiedliche Auffassungen zwischen Middelhoff und dem Aufsichtsrat über die künftige Strategie der Bertelsmann AG sowie über die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand, teilte Bertelsmann mit. Nach Informationen aus Branchenkreisen war vor allem der geplante Börsengang von Bertelsmann umstritten. Offiziell hieß es, es werde keine weiteren Erklärungen geben.
Zu Spekulationen über Middelhoff als neuen Vorstandsvorsitzenden bei der Deutschen Telekom berichtete die »Bild«-Zeitung am frühen Montagmorgen, dass es keine Angebot in diesem Zusammenhang gebe. Wie das Blatt unter Berufung auf engste Vertraute des Spitzenmanagers schrieb, soll Middelhoff über seine zukünftige berufliche Tätigkeit noch keinerlei Gespräche geführt haben. Alles andere sei reine Spekulation und entspreche nicht den Tatsachen. Middelhoff soll nach »Bild«-Informationen ein Angebot aus den USA vorliegen. Danach will ihn Steve Case zum Medienkonzern AOL/Time Warner holen.
Der »Berliner Kurier« hatte am Sonntag berichtete, Middelhoff solle neuer Chef der Deutschen Telekom werden. Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte dazu: »An solchen Spekulationen beteiligen wir uns nicht.« Nach dem Abgang von Ron Sommer Mitte Juli steht kommissarisch der 72-jährige Ex-Aufsichtsratschef Helmut Sihler an der Spitze des Telekom-Konzerns. Es wurde wiederholt betont, dass als neuer Telekom-Chef ein erfahrener, dynamischer und international angesehener Manager gesucht werde.
Der 49-jährige Middelhoff war seit November 1998 Vorstandschef bei Bertelsmann. Er trieb konsequent den Ausbau des Familienunternehmens zu einem internationalen Medienriesen voran. In seine Zeit fielen die Übernahme der Mehrheit bei der RTL Group, die Übernahme des Verlags Random House sowie eine Partnerschaft mit dem weltgrößten Online- Dienst America Online (AOL). Eines seiner zentralen Projekte war der Gang an die Börse.