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4. August 2011, 19:19 Uhr

Panik an den Aktienmärkten

Die Sorgen um die USA und eine Ausweitung der Euro-Schuldenkrise führen bei Börsenanlegern zu Panik. Dax und Dow Jones stürzten dramatisch ab.

Börsen, Börse, Dax,

Nervöse Börse: Der Dax in Frankfurt schloss mit 6391 Punkten auf einem Jahrestief© Amanda Andersen/Reuters

Der Dax ist am Donnerstag auf eine rasante Talfahrt gegangen und hat ein Jahrestief markiert. Bei 6391,54 Punkten stand der deutsche Leitindex, der im Handelsverlauf immer weiter abgesackt war, auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Oktober 2010. Zuletzt notierte er drei Prozent schwächer bei 6441,20 Punkten.

"Jetzt brechen die letzten Dämme", kommentierten Börsianer den Kursrutsch. Schon die sechs Handelstage zuvor hatte der Index verloren, allerdings gemäßigt. Nun griff zum ersten Mal Panik um sich. Nicht nur in Frankfurt, sondern auch im Ausland. Der Dow Jones schloss 4,31 Prozent tiefer bei 11.383,68 Punkten und damit weit unterhalb seines bisherigen Jahrestiefs. Von den vergangenen zehn Handelstagen hat er somit neun Tage im Minus beendet und in dieser Zeit 10,5 Prozent an Wert eingebüßt.

Es gab im Dax überhaupt keine Gewinner, Industrieaktien veloren ebenso deutlich wie Hightech-Titel und Banken. Die Schuldenkrise in Europa und den USA lastet schwer auf den Märkten. Vor allem Sorgen um eine lang anhaltende Schwächephase der amerikanischen Wirtschaft verderben die Stimmung. Anleger flüchten in so genannte sichere Häfen wie Gold oder den Schweizer Franken. Händler sehen gar noch Schlimmeres auf den Dax zukommen: "Wenn man auf die Kurse von 2008 sieht, ist noch Speck dran." Offensichtlich fielen im Moment auch etliche Stop-Loss-Marken von Anlegern, die sich mit automatischen Verkaufsorders für bestimmte Tiefstkurse gegen Verluste abgesichert hätten.

Große Sorgen um Italien und Spanien

Die unverändert gelassenen Leitzinsen in Europa sowie zufriedenstellende Wochendaten vom US-Arbeitsmarkt traten ebenso in den Hintergrund wie zahlreiche Quartalsberichte. "Wir sehen zur Zeit eine kräftige Korrektur", sagte Marktstratege Christian Stocker von der Unicredit. "Die Frühindikatoren aus den USA haben frühzeitig Warnsignale gesendet. Doch erst mit dem Hochkochen der Schuldenproblematik in den USA ist dies, verbunden mit den Schuldenproblemen in Europa, mit Wucht in den Vordergrund gerückt." Stocker kann sich ein weiteres Absacken bis auf 6200 Punkte im Dax in den nächsten Wochen vorstellen, bevor der Boden gefunden ist und es wieder hochgeht.

Dass Italien und Spanien immer mehr in den Ruf von Pleitekandidaten geraten, sorgt neben der US-Krise für große Verunsicherung. In Italien fiel der Standardwerte-Index FTSE-MIB um 5,2 Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang April 2009. Der EZB-Rat beschloss den Kauf weiterer Staatsanleihen, nachdem die beiden genannten Länder in den Fokus der Spekulanten geraten waren. Sie mussten in den vergangenen Tagen dramatisch hohe Risikoaufschläge für ihre Staatsanleihen zahlen. Die Zentralbank hatte in der Vergangenheit bereits massenhaft griechische, irische und portugiesische Staatspapiere gekauft. In den vergangenen Monaten ruhte der Aufkauf aber.

Auch die EU trübte die Stimmung an den Börsen. Kommissionspräsident Jose-Manuel Barroso sprach sich dafür aus, den Euro-Krisenfonds aufzustocken. Viele Anleger befürchten spätestens seit Donnerstag eine weitere Verschärfung der Krise.

ben/DPA/Reuters
 
 
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