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Mister Dax prophezeit den großen Crash

Euro-Krise, Zockerei an den Börsen, schwankende Kurse - kaum jemand versteht noch die Finanzmärkte. Dirk Müller ist einer der Wenigen. Er ist sich sicher: Den Märkten droht spätestens in drei Jahren der Kollaps.

Herr Müller, die Leser von "Börse Online" haben Sie zum zweiten Mal unter die Top drei der Börsenexperten gewählt. Das ehrt Sie. Aber mal ehrlich: Blicken Sie bei der aktuellen Marktlage noch durch?
Zugegeben, es fällt durch die Dynamisierung und Zockerei an den Börsen schwerer. Traditionelle Mechanismen funktionieren nicht mehr. Was früher in Jahrzehnten passierte, ist jetzt eine Entwicklung von ein bis zwei Jahren. Dinge, die einst für Verwerfungen gesorgt haben, werden nur noch achselzuckend zur Kenntnis genommen. Profis können kaum noch folgen, wie sollen das dann Privatanleger schaffen?

Schreiben Sie deswegen in Ihrem neuen Buch viel über das Sparen?
Jeder sollte zunächst seine Finanzen in Ordnung bringen. Unnötige Ausgaben sind ärgerlich, egal in welcher Wirtschaftslage.

Kann man sich aktuell auch sparen, sein Geld an der Börse zu investieren?
Nein. Vor fünf Jahren hätte ich gesagt, kaufen Sie Staatsanleihen oder Festgeld. Heute tue ich das nicht mehr. Wenn sich Banken untereinander kein Geld mehr leihen, warum sollten Privatanleger den Instituten trauen? Was bleibt, sind reale Werte.

Dazu zählen Sie?
Immobilien, die sind aber schon sehr teuer und einem möglichen Preisverfall schutzlos ausgeliefert. Also muss ich Realwerte kaufen, die sich absichern lassen. Das ist bei Aktien und Edelmetallen der Fall.

Wie funktioniert das?
Mit klassischen Sicherungsstrategien über Optionsscheine. Anleger gehen nur ein geringes Risiko von rund fünf Prozent ein, egal wie stark die Kurse nachgeben. Ziehen die Börsen an, sind sie voll dabei und müssen nur die Sicherungskosten abrechnen.

Derivate für jeden Privatanleger?
Sie sind kein Hexenwerk. Der Aufwand ist vergleichbar mit dem Abschluss einer Feuerversicherung und hat praktisch die gleiche Wirkung. Sich drei Stunden mit dem Thema auseinanderzusetzen reicht. Natürlich ist es einfacher, nur BMW-Aktien zu kaufen. Aber ich riskiere Haus und Hof, wenn ich mit meiner Einschätzung falsch liege.Ist es einfacher, einen Indexfonds, sogenannte ETFs, zu kaufen und abzusichern? Ja. Da empfehle ich aber einen replizierenden ETF, der wirklich die Aktien des Index kauft. Finger weg von Swap-basierten Varianten, bei denen sich der Emittent die Performance des Index über ein Tausch­geschäft sichert. Das ist wieder Zockerei. Allerdings stört mich bei Replizierenden die weitverbreitete Wertpapierleihe. Ich möchte, dass die Aktien im Depot bleiben. Will man ­dieses Risiko nicht nehmen, helfen nur Einzeltitel.

Welche sind interessant?
Ich bevorzuge amerikanische und deutsche Papiere. Selbst weitere Verwerfungen werden große Unternehmen wie Coca-Cola gut über­stehen. Es bieten sich auch Pharmawerte wie Fresenius an oder Konzerne wie BASF, Siemens und die Versorger.

Wie geht es 2012 an den Märkten weiter?
Wir werden bei Aktien noch einen richtigen Schlag nach unten bekommen. Von China droht uns Ungemach, dort beginnt bereits die Immobilienblase zu platzen.

Wann bessert sich denn die Lage?
Das ist schwer zu prognostizieren. Meine wahrscheinlichste Variante ist der große Wirtschaftseinbruch, befeuert durch China. Die Staaten sind dann gezwungen, sehr unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. Das kann eine Inflationierung sein oder ein Schuldenschnitt. Spätestens in drei Jahren erzwingen die Märkte eine ­Lösung. Nach dieser Neuaufstellung erfolgt ein lang anhaltender Aufschwung.

Bleiben Sie bis dahin Ihrem Goldfaible treu?
Aktuell fällt mir das schwerer als früher, weil Edelmetalle sehr teuer sind. Wir werden zwar noch mal Höchststände sehen, aber der Goldmarkt ist unkalkulierbar. Ich würde nicht mehr einsteigen. Den Bestand sollten Anleger absichern.

Gold selbst werten viele als Absicherung.
Nein, ich bezahle meine Stromrechnung immer noch in Euro und nicht in Unzen. Ich möchte nicht sagen können: Hey, ich hab noch eine Unze, nur leider kann ich mir nichts mehr dafür kaufen.

Was ist denn am Goldmarkt unkalkulierbar?
Goldfonds tragen wesentlich zur Preistreiberei bei. Kommen ihre Halter unter Druck, werfen sie als Erstes die Papiere auf den Markt und lösen Verwerfungen aus.

Helfen physisch hinterlegte Produkte?
Das ist doch die Perversion an sich: Sie können diese physisch hinterlegten ETFs nackt leer verkaufen. Damit haben aber wieder Leute gekauft, ohne dass tatsächlich der Gegenwert in Gold hinterlegt wurde. Es ist also mehr verkauft worden, als in Depots lagert. Eigentlich hilft es nur, Goldmünzen und Barren im eigenen Safe aufzuheben und ihren Wert abzusichern.

Sicherheit ist Trumpf! Und sonst?
Die Ruhe bewahren. Die Welt dreht sich weiter. Es wird auch morgen noch Staaten, Währungen und Banken geben.

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