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Kabel Deutschland als Eisbrecher

Aufatmen an der Frankfurter Börse: Als erstes großes Unternehmen seit fast zweieinhalb Jahren hat Kabel Deutschland den Sprung an den deutschen Aktienmarkt geschafft.

Aufatmen an der Frankfurter Börse: Als erstes großes Unternehmen seit fast zweieinhalb Jahren hat Kabel Deutschland den Sprung an den deutschen Aktienmarkt geschafft. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber dürfte als Eisbrecher den Weg für weitere Börsenkandidaten freimachen, von denen drei noch vor Ostern den Kurszettel bereichern wollen. Der Börsengang ist in diesem Jahr der bisher größte in Europa. 759 Millionen Euro kassierte der US-Finanzinvestor Providence, der vorerst die Mehrheit an dem Kabelnetzbetreiber behält. Das Unternehmen aus Unterföhring bei München selbst sieht nichts von dem Geld.

Die neuen Aktionäre von Kabel Deutschland (KDG) konnten sich am Montag zunächst nur über einen kleinen Zeichnungsgewinn freuen: Mit 22,50 Euro startete die KDG-Aktie 2,3 Prozent über dem Ausgabepreis von 22 Euro in den Handel und bröckelte später auf 22,20 Euro ab. Vorstandschef Adrian von Hammerstein zeigte sich dennoch erfreut über das Initial Public Offering (IPO), das von Händlern und Bankern mit Beifall aufgenommen wurde: "Es ist eine spannende Sache, den Eisbrecher zu spielen. Dies ist ein gutes Zeichen für den IPO-Markt." Von den bisher zwölf Börsenneulingen in diesem Jahr in Europa notieren nur fünf über dem Ausgabepreis.

Der Börsengang war dadurch belastet worden, dass damit nur der Eigentümer Providence Kasse macht - Der US-Finanzinvestor, der vor sieben Jahren bei dem Unternehmen eingestiegen war, hält noch 61,7 Prozent der Aktien und hofft auf steigende Kurse, um wie geplant aussteigen zu können. Ein Verkauf an andere Private-Equity-Unternehmen war an den Preisvorstellungen von Providence gescheitert. KDG hofft auf den Einzug in den Nebenwerteindex MDax. Nach dem Ausgabepreis ist die mit drei Milliarden Euro verschuldete Firma an der Börse 1,98 Milliarden Euro wert.

"Wir können unsere Wachstumspläne aus eigener Kraft realisieren und zugleich die Verschuldung weiter zurückführen", sagte Vorstandschef von Hammerstein. Er nimmt zunächst kleinere Kabelnetzbetreiber ins Visier. "Telecolumbus und Primacom sind interessante Themen", sagte er Reuters. Finanzkreisen zufolge werben aber auch das Telekommunikationsunternehmen Versatel und Deutschlands zweitgrößter Kabelnetzanbieter Unitymedia um Telecolumbus.

Mehr als eine Milliarde Euro hatte an der deutschen Börse zuletzt das Hamburger Hafenlogistikunternehmen HHLA im November 2007 eingesammelt, 2008 schaffte es noch der Solartechnikkonzern SMA Solar mit 361 Millionen Euro. In der Finanzkrise mussten viele Unternehmen ihre Pläne aufgeben oder auf Eis legen. Die Flughafen-Sparte von Hochtief hatte im Dezember kurz vor der Erstnotiz zurückgezogen.

Nun hoffen Experten, dass weiteren Börsenaspiranten der Sprung leichter fällt. Philipp Meier-Scherling, der KDG für die Deutsche Bank an die Börse begleitet hatte, sagte: "Das war eine mutige Entscheidung. Sie zeigt, dass der Markt gute Unternehmen sehen will und bereit ist, diese zu unterstützen." Ein Londoner Fondsmanager sagte: "Die Stimmung der Investoren hat sich etwas verbessert, aber beim Preis ist es noch eine Gratwanderung."

Die Hamburger Modekette Tom Tailor (Erstnotiz am 26. März), der Mülheimer Chemikalienhändler Brenntag (29. März) und der chinesische Armaturenhersteller Joyou (30. März) haben bereits konkrete Pläne. Auch der ehemalige Bäckerei-Unternehmer Heiner Kamps liebäugelt mit der Börse: Ihm gehört zusammen mit dem Molkerei-Unternehmer Theo Müller die Holding IFR, die die Imbisskette Nordsee und die Feinkosthersteller Homann und Nadler umfasst. "Bis Ende Juni wird klar sein, wohin die Reise geht", sagte Kamps der "Süddeutschen Zeitung".

Der Börsengang von Brenntag könnte mit 837 Millionen Euro im besten Fall noch etwas größer ausfallen als der von KDG. Das Buch sei einschließlich der Mehrzuteilung bereits einmal gezeichnet, hieß es in Finanzkreisen. Die Brenntag-Aktien können noch bis Freitag gezeichnet werden. Für einen erfolgreichen Börsengang ist aber eine deutliche Überzeichnung nötig. Bei KDG lagen für jede Aktie 2,2 Bestellungen vor

Eva Kühnen und Alexander Hübner, Reuters/Reuters

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