Atempause für Opel: Vertreter der Bundesregierung und deutscher Banken haben sich auf eine Zwischenfinanzierung geeinget. Sollte der angeschlagene Autobauer vor einer Übernahme Geld brauchen, wollen Bund und Länder für einen Kredit öffentlich-rechtlicher Banken geradestehen.

Die Entscheidung über die Opel-Zukunft rückt näher. Am Mittwochabend läuft für mögliche Investoren die Frist zur Abgabe eines Konzeptes aus© Christof Stache/AP
Vertreter der Bundesregierung, der Länder und deutscher Banken haben sich auf ein Modell eine Zwischenfinanzierung für den angeschlagenen Autobauer Opel geeinigt. "Wir haben uns in Berlin darauf verständig, wie im Rahmen eines Treuhandmodells eine Brückenfinanzierung organisiert werden kann", bestätigte Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) am Dienstag. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärte, bei der Brückenfinanzierung habe es "gute Fortschritte gegeben, weitere Schritte wurden verabredet".
Nach Aussage von Reinholz soll Opels Finanzbedarf über einen verbürgten Kredit, für den der Bund und die Länder je zur Hälfte geradestehen, gedeckt werden. Zum Volumen, das auf eine bis zwei Milliarden Euro geschätzt wird, wollte sich der Minister nicht äußern. Der Kredit solle über öffentlich-rechtliche Banken organisiert und staatlich verbürgt werden.
Am Mittwochabend läuft für mögliche Opel-Investoren eine Frist zur Abgabe eines Konzeptes aus. Eine Runde im Kanzleramt unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will die Vorlagen erörtern. Zu den Interessenten gehören der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und der italienische Fiat-Konzern. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält nur die Konzepte von Fiat und Magna für interessant. Beim dritten Interessenten handele es sich um einen "reinen Finanzinvestor".
Fiat-Chef Sergio Marchionne kam unterdessen zum ersten Mal mit der IG Metall in Frankfurt zusammen. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber zeigte sich im Anschluss nicht überzeugt von den Plänen der Italiener. Huber sprach von unterschiedlichen Traditionen und Kulturen der Mitbestimmung in Italien und Deutschland. Auch das grundsätzliche Problem der ähnlichen Modellpaletten beider Hersteller sei nicht ausgeräumt worden. Die IG Metall hatte in der Vergangenheit mehrfach Magna als möglichen Opel-Investor bevorzugt.
Die Bundesregierung arbeitet derweil an einem Treuhandmodell, um Opel mehr Zeit für die Verhandlungen zu geben. Damit soll Opel Deutschland aus dem Gesamtkonzern herausgelöst werden, um negative Auswirkungen einer Insolvenz von General Motors auf die deutsche Tochter zu vermeiden. Für das Modell ist die Zustimmung von GM und der US-Regierung nötig. Laut Steinbrück kommen aus den USA aber bislang keine eindeutigen Signale. Eine Delegation aus Deutschland reist möglicherweise am Wochenende für Verhandlungen nach Washington. Daran beteiligen sich dann voraussichtlich das Bundeskanzleramt sowie das Wirtschafts- und das Finanzministerium.
Voraussetzung für das Treuhandmodell ist nach Angaben von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), dass Opel-Interessenten zukunftsträchtige Konzepte vorlegen, die einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen wahrscheinlich machen. Sollte es diese Konzepte nicht geben, hält Guttenberg weiterhin auch eine "geordnete Insolvenz" des Autobauers für denkbar. Da Opel kurzfristig einen Finanzbedarf von ein bis zwei Milliarden Euro hat, begleitet ein Bankenkonsortium das Treuhandmodell.