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So will Kirch schwarze Zahlen schreiben

Leo Kirchs Comeback als TV-Veranstalter könnte für die Bundesliga einen Zeitenwandel einläuten: Um die Milliarden-Investition wieder hereinzubekommen, werden Fernsehkunden und -zuschauer tiefer in Tasche greifen müssen. Und nicht nur die 18-Uhr-Sportschau steht zur Disposition.

Von Johannes Röhrig

Die enge Allianz zwischen den deutschen Profi-Fußballklubs und dem wieder erstarkten Medien-Pleitier Leo Kirch nimmt klarere Züge an. So soll die geplante gemeinsame Fernsehfirma, die ab 2009 für das Pay-TV die Bilder liefert, offenbar doch mit eigener Sendelizenz auftreten. Der Geschäftsführer des Liga-Verbandes DFL, Christian Seifert, bestätigte diesen Plan.

Bundesliga-Live-TV auch bei Telefonfirmen

Das neue Bundesliga-Live-TV, dessen Namen Seifert noch nicht verraten will, soll alle Partien der ersten und zweiten Liga sowie Konferenzschaltungen zwischen den Spielen zeigen. Konfektionierte Programmpakete aus diesem Bouquet sollen dann auf verschiedenen Abspielkanälen laufen. Wie dies genau aussieht, steht noch nicht fest. Hintergrund ist aber, dass zum Beispiel Telefon- und Kabel-Firmen das neue Fußball-Fernsehen in ihrem Internet-TV integrieren können, ohne eigene Sendelizenzen zu beantragen. Die Leitung der neuen Gesellschaft, die ab 2009 die Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga produziert, übernimmt Dejan Jocic.

Der bald 81-jährige Kirch würde fünf Jahre nach dem fulminanten Konkurs seines Film- und Fernseh-Imperiums noch einmal zum TV-Veranstalter in Deutschland. Dabei geht der alte Mann ein hohes Risiko ein: Denn Kirch hält an dem geplanten TV-Joint-venture mit der Liga zwar nur die knappe Mehrheit von 51 Prozent. Er hat sich aber verpflichtet, die gesamten Kosten - intern wird mit rund 80 Millionen Euro im Jahr gerechnet - zu tragen.

Kirch übernimmt auch die Vermarktung

Außerdem sieht der Deal mit Kirch vor, dass die Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/2010 im deutschen Fernsehen durch die Kirch-Firma Sirius vermarktet wird.

Damit sich dieses Geschäft überhaupt für ihn lohnt - unterstellt wird intern eine Marge von mindestens 15 Prozent an den gesamten Vermarktungsdeal - müssen vermutlich schon im ersten Jahr allein durch die TV-Rechte im Inland an die 630 Millionen Euro eingespielt werden. Das wäre eine Steigerung der TV-Einnahmen von rund 50 Prozent im Vergleich zu heute. Mit anderen Worten: Es dürfte teuer werden für die künftigen Käufer.

Für neue Käufer wird's teuer

Derzeit nimmt die DFL aus der Vermarktung ihrer Fernseh-Rechte im Inland 409 Millionen Euro ein. Dazu kommen gut 25 Millionen Euro an Produktionshonorar. Der Grund: Die DFL erstellt mit einem Tochterunternehmen namens Sportcast das TV-Basissignal von den Partien. Daran soll angeblich auch mit dem neuen Mitspieler Kirch nichts ändern.

Die neue Rechnung sieht nun so aus: In der ersten Saison des künftigen, sechs Jahre laufenden Vertrages sichert Kirch der Liga rund 460 Millionen Euro zu; die Summen steigen dann pro Saison gestaffelt an. Dazu summieren sich entsprechend die Produktions-Pauschale an die Liga sowie Anlauf- und Betriebskosten für das neue Bundesliga-Fernsehen. Fazit: Erst ab einer Summe von über 560 Millionen Euro dürften alle Kirch-Rechnungen beglichen sein und der erste Gewinn in die Kasse kommen.

Wird die Sportschau in den Abend gedrängt?

Die hohen Einnahmesteigerungen werden kaum möglich sein, ohne dem Pay-TV mehr Exklusivität einzuräumen. Werden die Anstoßzeiten der Partien verschoben? Wird die ARD-"Sportschau" in den Abend gedrängt? Diese Fragen sind noch offen. Kirch hat schon einmal versucht, den Fußball im frei empfangbaren TV in den Abend zu verdrängen und ist am Protest der Fans gescheitert. Doch wie man an seinem Comeback sieht: Der Alte lässt einfach nie locker.

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