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Was Vergleichsportale leisten - und was nicht

Sie vergleichen Tagesgeldkonten, Handytarife oder Stromanbieter. Doch jüngst hagelte es Kritik an Vergleichsportalen. Die Branche besserte nach - ein bisschen zumindest.

Von Heinz-Roger Dohms und Anja Krüger

Die Website Vergleich.de gehört zu Deutschlands beliebtesten Vergleichsrechnern - was kein Wunder ist bei solchen Ankündigungen: "6,0 Prozent aufs Tagesgeld", verspricht das Webportal derzeit seinen Nutzern. Und das in Zeiten negativer Realzinsen.

Wer allerdings auf der Website nach dem Angebot sucht, wird auf den ersten Blick nicht fündig. Und auf den zweiten auch nicht. Erst auf den dritten, im Kleingedruckten, sieht man: Die sechs Prozent gelten lediglich für ein obskures Fremdwährungskonto in türkischer Lira. Ein Fall von Täuschung also. Aber was soll's? Hauptsache, man hat den Internetuser erst mal auf die Seite gelockt.

Es waren Medienberichte über Fälle wie diesen, die die eigentlich nützlichen Vergleichsrechner letztes Jahr erstmals in ein negatives Licht rückten. Verbraucherschützer, die an den Rechnern bis dahin nichts auszusetzen hatten, überschlugen sich plötzlich mit Kritik. Nutzer, die den Portalen bis dahin blind vertraut hatten, wurden skeptischer. Und die Betreiber? Gelobten Besserung - allen voran die Marktführer Check24 und Verivox, für die ihre Glaubwürdigkeit die wichtigste Geschäftsgrundlage ist. Tatsächlich hat sich seitdem einiges getan. Ein Überblick:

Offenheit

Was vielen Nutzern früher nicht bewusst war: Auch wenn sich manche Portale als "die Stimme des Wahren" (Verivox) oder als "Gesellschaft für Verbraucherinformation" (Vergleich.de) stilisieren - die Betreiber fühlen sich nicht nur der Kundenaufklärung verpflichtet, sondern in erster Linie dem eigenen Geschäftserfolg. Sie sind Vertriebsmaschinen, die von Banken, Versicherern, Telekomfirmen oder Energieanbietern für vermittelte Kunden Provisionen kassieren. In der Kfz-Versicherung liegen die Sätze zwischen 80 und 100 Euro pro Vertrag, ein durchschnittlicher Stromkunde kostet im Normalfall 30 bis 50 Euro. Der Umgang mit diesem Geschäftsmodell ist offener geworden: "Wir sind nicht die Stiftung Warentest", sagt Henrich Blase, Chef des Marktführers Check24. Verbraucherschützer kritisieren dennoch, dass sich die Portale nicht klarer als Vermittler zu erkennen geben.

Provisionen

"Eigentlich sollten die Vergleichsportale ihre Nutzer darüber informieren, wie viel Provision sie für welche Produkte erhalten", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dagegen aber sperren sich die großen Betreiber vehement. Profit geht in diesem Punkt auch weiterhin eindeutig vor Transparenz. Die Provisionsverhandlungen zwischen den Preisvergleichsportalen und den Produktanbietern sind knallhart. Wer von den Portalen Kunden zugeschanzt bekommen will, muss zahlen - wobei die geforderten Tarife selbst bei identischen Produkten gern mal voneinander abweichen.

Die Auswirkungen für die Nutzer sind je nach Produktklasse unterschiedlich. Beim Strom bilden die Portale den Markt weitgehend ab. Auch Anbieter, die keine Provision zahlen, tauchen normalerweise in den Rankings auf. Allerdings bekommen sie keine Kunden direkt vermittelt. Bei Tages- oder Festgeld ist die Anbieterauswahl oftmals kleiner - was aber nicht immer an den Provisionen liegen muss.

Beim wichtigsten Produkt für viele Portalbetreiber, der Kfz-Versicherung, ist die Bedeutung der Provision dagegen offenkundig. Hier hat sich Check24 mit dem Großversicherer HUK-Coburg wegen eines Streits über die Provisionshöhe überworfen. Die HUK und einige Versicherer haben darum mit Transparo.de einen eigenen Rechner gegründet. Die Folge des Zwists: Über Check24 können Kunden keine Verträge von HUK mehr abschließen, auch andere Anbieter fehlen dort. Bei Transparo wiederum taucht HUK-Rivale Allianz nicht auf. Wie hoch der Wettbewerbsdruck bei den Kfz-Policen ist, zeigt sich unter anderem daran, dass die Versicherer ihre auf den Portalen angebotenen Tarife oft in kürzester Zeit ändern. Bisweilen ist eine Police um 18 Uhr 50 Euro billiger als um 17 Uhr.

Voreinstellungen

Das Schlüsselerlebnis der Vergleichsbranche ist die Insolvenz des Billigstromanbieters Teldafax 2011. Rund 700.000 Kunden, die mit Vorkasse bezahlt hatten, verloren durch die Pleite drei- bis vierstellige Summen. Ein großer Teil dieser Geschädigten war über Verivox und andere Rechner zu Teldafax gelangt. Die Portale tragen eine Mitschuld: Sie hatten ihre Rankings so eingestellt, dass umstrittene Vorkasseanbieter wie das Schneeballunternehmen Teldafax fast immer oben landeten. Im Gegenzug flossen satte Provisionen. Nach Protesten von Verbraucherschützern haben Verivox und Check24 die Voreinstellungen ihrer Rechner inzwischen geändert.

Nutzer, die einen Energieanbieter mit Vorkasse suchen, müssen die Suchmaske eigenhändig verändern. Die überwiegende Zahl der Verbraucher habe das so gewollt, sagt ein Verivox-Sprecher. Auch bei anderen Instrumenten, mit denen Energieanbieter ihre Platzierungen in den Rankings früher verbessern konnten - Boni und Kautionen etwa -, sind die Portale nun verbraucherfreundlicher.

Hinweis: stern.de kooperiert mit Vergleichsportalen wie etwa Toptarif.de und Mano-Dienste.

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Anja Krüger und Heinz-Roger Dohms