Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Wer will denn noch nach Sachsen? Lokale Unternehmen bangen um ihre Zukunft

Die sächsische Wirtschaft ist auf Touristen und Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Aber wer traut sich noch in eine Region, in der Ausländer auf den Straßen gejagt werden? Die Wirtschaft schlägt Alarm, Ökonomen prophezeien der Region Verarmung.

Ortsschild von Clausnitz in Sachsen

Kein Ort der Willkommenskultur: Clausnitz in Sachsen

Die Wirtschaft in Sachsen sorgt sich nach den fremdenfeindlichen Vorfällen in Clausnitz und Bautzen um den Standort. Es sei zu befürchten, dass es durch den Imageschaden messbare Nachteile geben könne, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden dem "Handelsblatt". Dies könne ausbleibende Aufträge oder die Gewinnung von Fachkräften von außerhalb Sachsens betreffen. Zudem würden im Ausland die meisten Beobachter lokale Phänomene auf eine Gesamtregion verallgemeinern, sagte Hamann. Ereignisse in Sachsen schienen in dieser Hinsicht "medial eine besonders hohe Priorität" zu genießen. Vor diesem Hintergrund werde es für Sachsens Unternehmer "immer schwieriger, auf den Märkten ein positives Bild sächsischer Wirtschaftskraft zu präsentieren".

Auch die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), erklärte im "Handelsblatt", die Geschehnisse schadeten dem Ruf Sachsens und ganz Ostdeutschlands im In- und Ausland. Sie verwies darauf, dass die Touristenzahlen in Dresden bereits zurückgehen. "Das Problem des Rechtsextremismus in Ostdeutschland wurde zum Teil systematisch runtergespielt", beklagt Gleicke.

Im vergangenen Jahr gingen die Touristenzahlen in Dresden erstmals seit sechs Jahren zurück - die Branche verzeichnete 2,3 Prozent weniger Besucher und drei Prozent weniger Übernachtungen. Bettina Bunge, die Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH (DMG), sprach am Dienstag von einem "Pegida-Effekt" und einem Imageverlust für die sächsische Landeshauptstadt. Das habe auch eine repräsentative Markenstudie gezeigt. Vor allem bei Gästen aus dem Inland macht sich die Zurückhaltung bemerkbar: 2015 sank die Zahl ihrer Übernachtungen um 5,1 Prozent auf rund 3,4 Millionen.

Sachsen droht De-Industrialisierung und Verarmung

Wirtschaftsforscher schließen sich den Befürchtungen für den Standort an. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), verwies auf die Probleme von Universitäten und Forschungseinrichtungen bei der Gewinnung von hochqualifizierten Experten. "Der Pöbel kann so viel 'Wir sind das Volk' schreien wie es will, am Ende stehen Schrumpfung, weitere De-Industrialisierung und Verarmung", sagte der IW-Chef laut "Handelsblatt".

Dem schließt sich auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung an. DIW-Präsident Marcel Fratzscher erwartet für Sachsen geringere Investitionen, schlechteres Wachstum und steigende Arbeitslosigkeit. "Fremdenfeindlichkeit schreckt nicht nur Zuwanderer und deutsche Arbeitnehmer ab, sondern auch deutsche Unternehmen, deren Erfolg von Zuwanderern, Offenheit und Toleranz wie in kaum einer zweiten Volkswirtschaft weltweit abhängt", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt".

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich nannte am Montagabend in den ARD-Tagesthemen die fremdenfeindlichen Demonstranten in Clausnitz "menschenverachtend" und "verbrecherisch". Es habe in Sachsen bereits viele Anstrengungen gegeben, um rechtsextremistisches Gedankengut zurückzudrängen, sagte der CDU-Politiker. Es könne aber nicht allein die Landesregierung dafür sorgen. "Dafür muss die gesamte Gesellschaft eintreten, nicht allein die Polizei und die Politik."

bak/Reuters/DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools