Neuer ICE bremst Deutsche Bahn aus

25. November 2012, 10:30 Uhr

Siemens kann der Bahn die bestellten Züge nicht liefern: Laut Bericht braucht das Signal zum Stopp eines ICE-3 eine Sekunde, bis die Ausführung beginnt. Probleme gibt es auch mit Regionalzügen.

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ICE der Baureihe 403©

Bei den neuen ICE-3-Zügen für die Deutsche Bahn ist raus, warum Hersteller Siemens Probleme mit der Lieferung hat. Dass es an der Steuerungssoftware liegt, war klar. Prüfer hatten bei Testfahrten des ICE 3 mit den bei der Deutschen Bahn üblichen Doppelzügen ein schwerwiegendes Kommunikationsproblem in der Software fest gestellt. Jetzt berichtet der Spiegel: Wird der Befehl zur Aktivierung der Bremsen ausgelöst, irre das Signal eine Sekunde durch den Rechner, ehe die Software das Kommando umsetzt.

Bei einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern komme der Zug nach einer Vollbremsung deshalb erst rund 70 Meter später zum Stehen als die alten ICE-Modelle. Siemens strebt demnach trotzdem die Zulassung des ICE 3 an.

Allerdings habe sich laut dem Bericht ein Gutachter gesperrt, das Eisenbahn-Bundesamt verweigerte daraufhin die Freigabe. Für die Deutsche Bahn ein Desaster: Sie hatte die für Dezember zugesagten acht neuen ICE als Reserve für den Weihnachtsverkehr und harte Wintertage einkalkuliert. Ursprünglich wollte die Bahn die ersten acht ICEs ab 9. Dezember im Deutschlandverkehr einsetzen. Siemens will sich nicht auf einen neuen Termin festlegen. "Wir können keinen aktuellen Zeitplan nennen", sagte ein Siemens-Sprecher.

Immer wieder Probleme mit den Klimaanlagen

Zugesagt war die Lieferung von insgesamt 16 Zügen im Wert von 500 Millionen Euro ursprünglich schon für 2011, musste aber schon damals wegen technischer Probleme verschoben werden. Als Grund für die neuerliche Verzögerung wurden da bereits Softwareprobleme bei den Zügen angegeben. Der ICE 3 ist als jüngster Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn seit 2001 im Einsatz. Er hat je nach Baureihe 413 bis 432 Sitzplätze und schafft ein Spitzentempo von 330 km/h. Die Fahrmotoren des ICE 3 sind unter dem Zug verteilt, jede zweite Achse wird angetrieben. Dies ermöglicht eine hohe Beschleunigung. Im Juli 2008 entgleiste ein ICE 3 in Köln wegen eines Achsbruchs. Seitdem werden die Achsen häufiger per Ultraschall kontrolliert.

Seit dem Sommer 2010 gab es auch immer wieder Probleme mit den Klimaanlagen, die bei einigen Zügen ausfielen. Die Klimaanlagen der ICE 2 waren nur bis zu einer Außentemperatur von 32 Grad ausgelegt. Fahrgäste berichteten, in einem völlig überfüllten Zug hätten Temperaturen über 50 Grad geherrscht. Reihenweise kollabierten Reisende. Auch in den folgenden Sommern gab es Störungen durch defekte Klimaanlagen. Das Problem traf anfangs auch die Baureihe ICE 3. Im Sommer 2003 brachen auch bei diesen Zügen Klimaanlagen regelmäßig zusammen. Seit Mitte 2011 steckt die Bahn mehr als 100 Mio. Euro in die Modernisierung von 44 Zügen des Typs ICE 2. Bei den bisher umgebauten Zügen habe es auch keine Probleme mehr mit den Klimaanlagen gegeben, hieß es.

Der neue Velaro, dessen Lieferung an die Bahn sich jetzt verzögert, ist eine Weiterentwicklung des ICE 3. Es ist der erste Hochgeschwindigkeitszug von Siemens, der nach dem Baukastenprinzip konzipiert ist und so einfacher für Kunden in verschiedenen Ländern angepasst werden kann. So gibt es ähnlich wie in Flugzeugen Schienen im Boden, in denen die Sitzreihen verschoben werden können.

Lieferverzögerungen auch bei Regionalzügen

Damit nicht genug. Wie die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Industriekreise berichtet, gibt es auch Probleme bei den Regionalzügen Talent 2. Der Hersteller Bombardier habe die Bahn am Donnerstag über Schwierigkeiten bei der geplanten Zulassung von 22 neuen Zügen beim Eisenbahnbundesamt (EBA) informiert. Eigentlich hätten demnach die ersten der 22 roten Talent-Züge in Hessen zum Winterfahrplan am 9. Dezember eingesetzt werden sollen. Die Bahn hatte im Jahr 2007 bei Bombardier 320 Züge im Wert von einer Milliarde Euro 2007 bestellt. Wie beim ICE sei es zu Lieferverzögerungen gekommen. 119 Züge befinden sich inzwischen im Einsatz, hieß es in dem Bericht weiter.

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