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Ehebrecher, Blaumacher und Betrüger: Der Herr der Detektive packt aus

Die Detektei Lentz gehört zu den renommiertesten Detektivbüros Deutschlands. 40 festangestellte Detektive überführen jedes Jahr Hunderte betrügerische Angestellte und untreue Eheleute. Zu Besuch in der geheimen Ermittlungszentrale.

Marcus Lentz

Marcus Lentz beschäftigt 40 Privatermittler, die sich mit Kameras und Funkgeräten bewaffnet an die Fersen ihrer Zielpersonen heften.

Die Basis für erfolgreiche Detektivarbeit - das wussten schon "Die drei ???" - liegt in einem geheimen Hauptquartier. Den drei Jungs aus der Kult-Hörspielreihe diente ein verwinkelter Schrottplatz als Kommandozentrale. Die  Lentz & Co. GmbH versteckt sich auf dem Gelände eines Autovermieters in einem Industriegebiet im Raum Frankfurt.

Kein Firmenschild weist darauf hin, dass von den unscheinbaren Büros in der ersten Etage aus parallel sechs bis acht verdeckte Ermittlungen mit bis zu drei Dutzend Detektiven gesteuert werden. Dass hier die Informationen zusammenlaufen, die jedes Jahr Hunderte betrügerische Angestellte, untreue Eheleute oder Heiratsschwindler überführen. Und wer nicht Bescheid weiß, bemerkt auch nicht, dass es sich bei einigen der , die das Gelände der Mietwagenfirma verlassen, nicht um gewöhnliche Leihwagen handelt. Sondern um Pkw mit getönten Scheiben, Motorräder für die flexible Verfolgung und mit IP-Kameras und Funkgeräten ausgerüstete Observationsbusse.

Die Detektei hat zwar noch offizielle Büroräume im Zentrum der Stadt, doch die dienen nur dem Empfang von Kunden. Aus der Tarnung der Autovermietung heraus steuert Marcus Lentz seine kleine Detektivarmee. Der 49-Jährige ist ein alter Hase im Geschäft. Seine 1995 gegründete Detektei zählt zu den renommiertesten Deutschlands. Im Gegensatz zu manchem Mitbewerber engagiert er für seine Fälle keine freien Schnüffler, sondern arbeitet ausschließlich mit festangestellten Profis. Neben den 40 Vollzeit-Detektiven beschäftigt er noch zwei Juristen und eine Handvoll kaufmännischer Mitarbeiter. Das Geschäft läuft gut, regelmäßig lehnt Lentz Aufträge ab, weil alle seine Ermittler bereits im Einsatz sind. 

Blick in den Observationsbus - die Methoden der Detektive
Detektei Lentz

Aus diesem Transporter heraus observieren Daniel Martin-Ortega und seine Detektivkollegen ihre Zielpersonen. 

Betrügerischen Angestellten auf der Spur

Das erste, was Lentz jedem Laien gleich zu Beginn klarmacht, ist: "Wir sind keine Fernsehdetektive, sonst säßen wir hier alle längst im Knast." Während TV-Ermittler jede Haudrauf-Methode anwenden, die für gute Zuschauerquoten sorgt, sind Lentz' Leute darauf getrimmt, die geforderten Informationen unauffällig und auf legalem Wege zu beschaffen. Sodass sie - wenn es hart auf hart kommt - auch als Beweismittel vor Gericht Bestand haben.

Die große Mehrheit von Lentz' Kunden sind Firmen, die Mitarbeitern nachweisen wollen, dass sie Dreck am Stecken haben. Falsche Krankschreibungen, Diebstähle oder Datenklau. Am häufigsten aber geht es um Arbeitszeitbetrug. Ein typischer Fall: Eine Versicherungsvermittlung wundert sich, dass ihr Außendienstmitarbeiter zwar angibt, 45 Stunden die Woche zu arbeiten, aber seit geraumer Zeit keinerlei Abschlüsse vorweisen kann. Sie engagiert die Detektei, um herauszufinden, was dahintersteckt.

Aus Lentz' Erfahrung trifft häufig eine der folgenden Möglichkeiten zu: "Entweder der Mann ist faul, macht regelmäßig mittags Feierabend, holt seine Kinder aus der Kita und schreibt abends auf, er habe von 9 bis 18 Uhr gearbeitet." Oder: Er macht zwar die angegebenen Kundenbesuche, verkauft aber im Namen der Konkurrenz - oder wirtschaftet gleich in die eigene Tasche. "Solche Fälle von Arbeitszeitbetrug haben wir mindestens zwei bis drei pro Woche", sagt Lentz. Aufs Jahr gesehen überführe seine Detektei 150 bis 200 solcher Betrüger.

Verfolgung in Viererteams

Die Methode, um den Betrügern auf die Schliche zu kommen, lautet: Observation. In Viererteams nehmen sich Lentz' Detektive einen Verdächtigen vor, verfolgen ihn auf Schritt und Tritt, immer schön abwechselnd, sodass die Zielperson keinen Verdacht schöpft. Oberstes Prinzip ist, dass man nicht "verbrennt", wie das Auffliegen eines Detektivs im Jargon heißt. "Das würde den ganzen Auftrag gefährden", sagt Lentz.

Der Aufwand hat seinen Preis: Pro Detektiv und Stunde werden 55 Euro fällig. Wenn vier Detektive zehn Stunden observieren, kostet das den Auftraggeber gut 2000 Euro am Tag. Meist dauert es ein bis zwei Wochen, um herauszufinden, was die Zielperson so den ganzen Tag treibt und um für den Mandanten ein detailliertes Protokoll inklusive Beweisfotos anzufertigen. Gelingt es tatsächlich einen Betrug nachzuweisen, lohnt sich das für den Auftraggeber in der Regel auch finanziell. Nicht selten werden die Kosten auf den Betrüger abgewälzt, mit der Drohung sonst alles öffentlich zu machen.

Die Ex mit dem Zahnarzt auf Mallorca

Auch Privatkunden schalten die Detektei Lentz ein. Häufig geht es dabei um Unterhaltsstreitigkeiten. Lentz' Detektive überprüfen beispielsweise, ob die geschiedene Ehefrau entgegen anderslautender Beteuerungen mit einem neuen gutverdienenden Partner in einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammenlebt - und sich völlig zu Unrecht weiter alimentieren lässt.

Einmal überführten Lentz' Leute eine Frau, die extra eine kleine Wohnung in Süddeutschland angemietet hatte, um vorzutäuschen, dass sie dort allein lebte. In Wahrheit ließ sie es sich mit ihrer neuen Flamme, einem Zahnarzt auf , gut gehen. Vom Nachbarhaus aus gelang es den Detektiven, durch die Fenster der Pseudo-Wohnung zu linsen: Drinnen waren keinerlei Möbel, nur Lampen, die per Zeitschaltuhr an- und ausgingen.

Whatsapp-Konten knacken geht nicht

Bei ihren Überwachungs-Aktionen müssen die Detektive stets aufpassen, die Grenze zum illegalen Bereich nicht zu überschreiten. Denn im Gegensatz zu Polizisten sind sie mit keinerlei hoheitlichen oder sonstigen Sonderrechten ausgestattet. Privatermittler haben in nicht mehr Rechte als jeder normale Bürger. Nachforschungen anstellen dürfen sie nur bei einem begründeten Interesse des Auftraggebers.

Die Privat- und Intimsphäre des Ausgespähten darf dabei nicht verletzt werden. Bedeutet: Keine unerlaubten Hausdurchsuchungen, keine heimlichen Fotos im privaten Wohnbereich und auch keine illegalen Abhöraktionen. "Bei uns rufen regelmäßig Leute an, die wollen, dass wir Whatsapp-Konten knacken oder Telefone abhören", berichtet Oberdetektiv Lentz. Denen muss er freundlich aber bestimmt absagen.

Was ein Detektiv darf und was nicht ist Hauptbestandteil der zweijährigen Ausbildung an der Industrie- und Handelskammer, die jeder Detektiv durchlaufen muss, der bei Lentz anfängt. Grundsätzlich darf sich in Deutschland jeder Detektiv nennen, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Doch bei seinen Leuten besteht Lentz darauf, dass sie sich von der IHK prüfen lassen. 

Kein Nine-to-Five-Job

Zum Beispiel bei Daniel Martin-Ortega, 32 Jahre alt, bis vor kurzem noch Ladendetektiv in einem Drogeriemarkt. Ein geregelter, aber eintöniger Job. "Irgendwann habe ich mir gedacht: Das kann es nicht gewesen sein", sagt Martin-Ortega. Er stieß auf die Detektei Lentz und bewarb sich. "Jetzt ist jeder Tag anders." Nun ermittelt er nicht nur in ganz Deutschland, sondern hin und wieder sogar im Ausland.

Neulich war er mit drei Kollegen eine Woche in Ägypten. Die Auftraggeberin wollte wissen, ob es dem gemeinsamen Kind beim getrennt lebenden Vater gut geht. Die Detektive spürten den Sprössling auf und beobachteten: Ist das Kind ordentlich angezogen? Hat es einen geregelten Tagesablauf? Wie verhält es sich in der Gegenwart des Vaters? Nach wenigen Tagen war Martin-Ortega und seinen Kollegen klar: Der Vater kümmert sich, kein Grund zur Beunruhigung.

Neben der Abwechslung und der Herausforderung schätzt Martin-Ortega vor allem den Zusammenhalt der Kollegen. Tagelanges Aufeinanderhocken und die gemeinsame Undercoverjagd schweißen die Ermittler zusammen wie ein Löwenrudel. 

Was ein Detektiv können muss

Im Detektiv-Team gibt es ehemalige Journalisten, Kfz-Mechaniker, Gastronomen oder Altenpflegerinnen. Ex-Polizisten nimmt Lentz dagegen eher nicht: Zu groß ist ihm die Gefahr, dass die weiterhin den Cop raushängen lassen und ihre Kompetenzen überschreiten. Das Gehalt der Lentz-Detektive liegt bei 3500 bis 4000 Euro brutto.

Bei Bewerbern achtet der Chef vor allem auf drei Dinge:

  • Teamfähigkeit: Passt der Kandidat ins Team und stellt er den Teamerfolg über sein eigenes Ego?
  • Cleverness: Kann er Zusammenhänge erkennen, aus dem Beobachteten die richtigen Schlüsse ziehen, eigenständig handeln und improvisieren?
  • Technische Affinität und körperliche Grundvoraussetzungen: Alle Detektive müssen mit der Kamera umgehen können sowie gute Fahrer sein. "Wir sind hier keine Fahrschule. Wer fünf Minuten braucht, um in die Parklücke zu kommen, ist für eine Verfolgung nicht zu gebrauchen", sagt Lentz. Aus dem gleichen Grund scheiden auch Kandidaten mit starkem Übergewicht aus, die Mühe hätten, flinken Zielpersonen zu folgen.

Der Job ist nicht familienfreundlich

Frauen sind ausdrücklich willkommen, jeder vierte Detektiv bei Lentz ist weiblich. Die Damen sind sogar tendenziell im Vorteil: "Frauen traut man den Job nicht so zu. Daher können sie oft offensiver ermitteln, ohne aufzufallen", sagt Lentz. Zum Beispiel beim Hausbesuch: Wenn die tagelange Beobachtung aus dem Observationsbus keine Aufschlüsse liefert, wagen sich die Detektive aus der Deckung und klingeln unter einem Vorwand an der Haustür. Eine nette junge Frau, die mal telefonieren muss, lassen viele Leute bereitwillig ein. Und wer dann ins Plaudern kommt oder sogar die Erlaubnis gibt, Fotos in der Wohnung anzufertigen, liefert sich selbst ans Messer.

Frauen haben allerdings laut Oberdetektiv Lentz auch ein grundsätzliches Problem: Der Job ist nicht familienfreundlich. Die Arbeitszeiten sind nicht fest planbar, da man nie weiß, wie lange observiert werden muss, in Teilzeit ist der Job nicht machbar. "Wenn eine Frau Mutter wird, ist es in der Regel vorbei mit der Detektivkarriere."

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