HOME

Endlich wieder ein cooler Zug

Und so danket alle Gott: Die Klimaanlage des neuen ICE 4 soll selbst bei einer Außentemperatur von 45 Grad funktionieren. Zu dumm, dass der Zug erst in zwei Jahren aufs Gleis gesetzt wird. Was sonst noch im neuen ICE steckt: ein Überblick.

Von Erik Häußler

ICE 3 neben dem neuen ICE 4

Das alte und das neue Modell des ICE: Bei der Präsentation des ICE 4 (rechts) fährt auch sein Vorgänger in den Bahnhof am Berliner Südkreuz ein.

Das soll er also sein, der neue Top Act der Deutschen Bahn, das stählerne Herz des künftigen Fernverkehrs. Still steht der weiße Koloss mit dem roten Streifen am Berliner Südkreuz, Regen perlt von seiner Hülle. Benannt wurde er auf den  Namen ICE 4. Das klingt nach einem schlichten Update des Vorgängermodells, soll aber viel mehr sein. "Leichter", "flexibler", "effizienter", "komfortabler" - Bahnchef Rüdiger Grube und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) haben einen ganzen Sack wohlklingender Adjektive dabei, um die frohe Botschaft zu verkünden. Eine neue "Ära" würde aufziehen, sagen sie beim Pressetermin auf dem Gleis nebenan.


Nötig wär's. Die Bahn hat reichlich Vertrauen und Gewinn eingebüßt. Unpünktlichkeit, Probleme mit den Klimaanlagen, Konkurrenz durch die billigeren Fernbusse - die Liste der Probleme ist lang. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Milliardenverlust. Eine "Kundenoffensive" soll die Wende bringen. Reisen mit dem Zug soll wieder attraktiver werden. Und er soll diese  Attraktivität verkörpern: der 

Ein Blick in den Waggon

Vor rund 25 Jahren setzte die Bahn die erste Generation des ICE aufs Gleis. Der Neue setzt sich gegenüber seinen Vorgängern optisch vor allem durch die flache Schnauze und die fließenden Formen ab. Zwei Designpreise habe der Zug bereits gewonnen, teilt die Bahn stolz mit, den "Red Dot Award" und den "German Design Award 2016", ein Lob für Form und Funktion.

Das hätte jeder Reporter an diesem Vormittag gerne überprüfen wollen. Aber der Blick ins Innere, dort wo sich der Fahrgast wohlfühlen, wo er arbeiten, lesen, reisen soll, ist ernüchternd. Der Innenraum des ICE 4 ist dunkel, alle Sitze sind abgeklebt und verhüllt, Kabel hängen von der Decke, Messinstrumente verdecken Teile der  angepriesenen Panoramafenster. Und selbst dieser kümmerliche Eindruck ist nur von Außen durch die Scheibe zu erhaschen, das Innere ist (noch) tabu.

nagelneue ICE 4.

Das ist der Neue: So sieht der ICE 4 aus
ICE 3 neben dem neuen ICE 4

Das alte und das neue Modell des ICE: Bei der Präsentation des ICE 4 (rechts) fährt auch sein Vorgänger in den Bahnhof am Berliner Südkreuz ein.

Redesign der Klimaanlage

Frühestens im Herbst kommenden Jahres werden die ersten Fahrgäste in den Genuss der neuen Komfortsitze kommen, deren Rückenlehnen in den Sitzkasten geneigt werden können. Das soll für mehr Beinfreiheit sorgen. Hell und freundlich soll der Innenraum sein. Und: Endlich soll die Klimaanlage zuverlässig funktionieren. Sie sei bei "eisigen Temperaturen und heißen Wüstenwinden" getestet worden, verspricht die Bahn, sie sei auf Temperaturen von minus 25 Grad bis plus 45 Grad ausgelegt.  

Mobiles Internet wird es im neuen ICE geben, die Bahn hat die Absicht, diesen Service für alle Klassen ab nächstem Jahr anzubieten. Außerdem gibt es pro Waggon  bis zu sechs Bildschirme, die die Fahrgäste während der Fahrt mit Informationen versorgen. Sie werden an der Decke angebracht sein - genau, dort wo aktuell noch die dicken Kabelbündel hängen.

Geschwindigkeit auf 250 Stundenkilometer gedrosselt

Etwas viel Konjunktiv für die Präsentation dieses neuen Spitzenmodells. Aber es gibt auch Fakten: Trotz der 830 Sitzplätze in dem zwölfteiligen ICE ist der Zug mit 670 Tonnen vergleichsweise leicht. In Kombination mit der verbesserten Aerodynamik spart der ICE 4 im Vergleich zu einem ICE der ersten Generation in Tests pro Sitzplatz bis zu 22 Prozent Energie ein. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometer ist er allerdings rund 80 km/h langsamer als sein direkter Vorgänger. Da 80 Prozent des deutschen Streckennetzes aber sowieso nur eine Maximalgeschwindigkeit von 200 km/h zulassen, habe man beim beim ICE 4 zugunsten der Leichtbauweise auf eine stärkere Motorisierung verzichtet, argumentiert die Bahn. High Speed wird es also künftig nur noch mit den Vorgängermodellen geben.

Bis der Zug rollt, dauert es noch mindestens ein Jahr. Man sei aber im Zeitplan, betonte Bahnchef Grube. Bislang absolvieren die Züge nur Testfahrten, erst im Herbst nächsten Jahres sollen die ersten Fahrgäste einsteigen dürfen. Frühestens Ende 2017 soll der ICE 4 in den Regelbetrieb gehen. Wenn der Zeitplan weiter stimmt.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren