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"Draghi ist ein Plünderer des Spargroschens der Bürger"

Die EZB will "alles Notwendige zum Erhalt des Euro tun". Da es wieder mal auch um deutsches Geld geht, stößt die Ansage von Chef-Währungshüter Mario Draghi in Berlin auf scharfe Kritik.

  Heftiger Gegenwind aus der schwarz-gelben Koalition für seinen Kurswechsel im Kampf gegen die Eurokrise: EZB-Chef Mario Draghi.

Heftiger Gegenwind aus der schwarz-gelben Koalition für seinen Kurswechsel im Kampf gegen die Eurokrise: EZB-Chef Mario Draghi.

"Die EZB ist bereit, alles Notwendige zum Erhalt des Euro zu tun." Mit diesem Satz hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag die Finanzmärkte in Europa beglückt. Der Euro und die wichtigsten Börsen in Deutschland, anderen europäischen Ländern und Amerika legten kräftig zu. Finanzexperten der schwarz-gelben Koalition stimmten nicht in den Jubelgesang ein - im Gegenteil.

Der eurokritische FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler meldete sich bei "Handelsblatt Online" zu Wort: "In der Logik der vermeintlichen Retter ist klar, wenn die Schuldenschirme an ihre Grenzen kommen, dass dann Super Mario mit der dicken Berta kommt." Schäffler warnte: "Draghi ist aber kein Retter, sondern ein Plünderer des Spargroschens der Bürger."

CDU-Haushaltsfachmann Klaus-Peter Willsch sagte der Wirtschaftszeitung: "Das Geld wird nicht wie Goldtaler vom Himmel fallen, sondern muss erwirtschaftet werden." Eine erhöhte Inflationsrate werde die unweigerliche Folge sein, wenn die EZB Draghis Kurs tatsächlich gehe. Die Vorzeichen seien deutlich an "der Flucht" der Anleger in Sachwerte zu sehen. Willsch nannte als Beispiele Immobilien, land- und forstwirtschaftliche Flächen, Gold, Münzsammlungen und Oldtimer, wo die Preise deutlich anzögen. Nicht umsonst mahne Bundesbankpräsident Jens Weidmann unaufhörlich vor den Folgen der aktuellen EZB-Politik.

"Glauben Sie mir, das wird ausreichend sein"

Seit Monaten wird die Zentralbank von den Ländern in Finanznot gedrängt, praktisch unbegrenzt Staatsanleihen der Sorgenkinder zu kaufen, um die Zinsen zu drücken und damit das europäische Finanzdesaster endlich in den Griff zu bekommen. Werden die Papiere auf diesem Weg quasi vom Markt genommen, sinken die Zinsen. Der betroffene Staat kann sich deshalb billiger neue Kredite beschaffen und entgeht somit der Pleite. Draghi lehnte diesen Ansatz bisher ab. Am Donnerstag korrigierte er seine Haltung, keine Staatsanleihen von extrem überschuldeten Krisenländern mehr zu kaufen. "Glauben Sie mir, das wird ausreichend sein", sagte der Italiener zum möglichen Ausmaß der Anleihekäufe. Es gehöre zum Mandat der EZB, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen "unter Kontrolle zu halten".

Zur Stabilisierung der Lage erwarben die Zentralbanker bereits mehrfach Staatsanleihen schlingernder Euroländer wie Spanien und Italien, um deren Zinslast zu mindern. Der EZB sind direkte Überweisungen nach ihren Statuten verboten. Sie half den Ländern bis Jahresanfang indirekt, indem sie Anleihen im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro aufkaufte, die schon an den Börsen gehandelt wurden, also nicht frisch auf den Markt kamen, und drückte so die Kreditkosten der Krisenländer.

tso/DPA/Reuters/AFP/DPA/Reuters
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