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Einkaufen im Vorbeifahren

Real hat in Isernhagen bei Hannover den ersten Drive-In-Supermarkt Deutschlands eröffnet. Motto: Online bestellen, hinfahren, einladen, abfahren. Konsumforscher sind sich einig: Das ist das Einkaufskonzept der Zukunft.

Der Wocheneinkauf im Supermarkt geht künftig ähnlich zügig über die Bühne wie der Kurzstopp am Autoschalter eines Fastfood-Restaurants - das zumindest ist die Idee der Supermarktkette Real. Am Dienstag eröffnete die Tochter des Handelskonzerns Metro in Isernhagen bei Hannover einen Drive-In-Supermarkt.

Real Drive hat der Handelsriese seinen Abhol-Supermarkt getauft, es ist der erste seiner Art in Deutschland. Die Kunden können bei ihren Bestellungen über die Internetseite www.real-drive.de aus einem Sortiment mit über 5000 Artikeln auswählen. Die Produkte kosten genauso viel wie im Geschäft. Hinzu kommt eine Service-Gebühr von einem Euro. Frühestens zwei Stunden nach der Bestellung liegt die Ware zum Abholen bereit. Kunden können aber auch einen beliebigen Termin in den kommenden Tagen angeben. Wird die Ware bis dahin nicht abgeholt, wird sie bis zum Abend des Folgetages gekühlt aufbewahrt - und wandert dann zurück ins Regal.

Zur Abholung fahren die Kunden einfach mit dem Auto vor. An einem Computer-Terminal an der Zufahrt geben sie die Auftragsnummer ihres Einkaufs ein oder scannen den Abholschein, den sie ausgedruckt haben. Dann wird ihnen die Nummer eines Parkplatzes zugewiesen, zu dem ein Mitarbeiter die Einkäufe bringt. Bei schlechter Qualität wird die Ware vor Ort umgetauscht. Bezahlt wird bar, mit EC- oder Kreditkarte. Alles zusammen soll fünf Minuten dauern.

Konkurrenz für Lieferservice

Einzelhandelsexperte Wolfgang Adlwarth von Marktforschungsunternehmen GfK ist sicher, dass solche Drive-In-Supermärkte ihre Anhängerschaft finden. "Das Konzept richtet sich an Kunden mit einem eng strukturierten Tagesablauf, die wenig Zeit zum Einkaufen haben", sagt Adlwarth. Diese Zielgruppe werde immer größer. Zwar bieten Supermarktketten in einigen Regionen schon Bringdienste an oder gibt es Online-Händler wie Amazon, die Lebensmittel mit speziellen Versandunternehmen liefern. Bei diesen Anbietern müssten die Kunden aber zu Hause sein, um die Ware anzunehmen, sagt Adlwarth. Bei Drive-In-Supermärkten könnten sie hingegen weitgehend frei entscheiden, wann sie die Ware abholen.

Auch Bianca Casertano vom Einzelhandels-Analyseunternehmen Planet Retail hält das Konzept des Drive-In-Supermarkts für erfolgversprechend. "Das ist sicher eher das Konzept der Zukunft als die Lieferung von Lebensmitteln mit Versandunternehmen", sagt Casertano. Hier lasse die Qualität der Ware oft noch zu wünschen übrig. Teils kommen die Artikel auch verstreut über eine Woche hinweg in mehreren Lieferungen an, weil Online-Händler mehrere Geschäftspartner mit dem Versand beauftragen.

Rewe will nachziehen

Im Ausland seien Drive-In-Märkte schon wesentlich weiter verbreitet, sagt Casertano. In Frankreich etwa hätten große Supermarktketten wie Leclerc oder Intermarché schon solche Angebote. In Großbritannien seien unter anderem Tesco und Marks & Spencer damit vertreten. In Deutschland werde sich die Konkurrenz deswegen "genau ansehen, was Real macht und dann bei Erfolg nachziehen".

Real-Konkurrent Rewe hat bereits konkrete Pläne. Anfang 2011 will die Kette drei Abhol-Supermärkte eröffnen. In Köln experimentiert Rewe bereits. Allerdings ist das Konzept Kritikern zufolge weniger aufwendig als bei Real. Bei Rewe geht ein Mitarbeiter durch die Supermarkt-Regale und macht anstelle des Kunden den Einkauf. Bei Real sind die Wege für die Mitarbeiter durch ein eigenes Lager am Drive-In kürzer. Durch eine große Anzahl von Parkplätzen können viele Einkäufer gleichzeitig bedient werden. Welches Konzept sich durchsetzen wird, entscheiden am Ende die Kunden.

Martin Achter, AFP/AFP

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