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Wird die Plastiktüte zum Auslaufmodell?

Die EU-Staaten wollen den Verbrauch von Plastiktüten senken. Die Drogeriekette dm verbannt sie jetzt schon freiwillig. Was ändert sich in Sachen Plastiktüten? Was ist künftig noch erlaubt?

  Achtlos weggeworfene Einwegplastiktüten sind eine Umweltsünde

Achtlos weggeworfene Einwegplastiktüten sind eine Umweltsünde

In vielen Filialen der Drogeriekette dm wird es ab sofort keine Gratis-Plastiktüten mehr geben. Offiziell abgeschafft sind sie in den Märkten zwar nicht. Den Filialleitern ist es vielmehr freigestellt, ob sie die Tüten weiter anbieten. Da die Konzernspitze sich aber ein ökologischeres Image geben will, dürften die meisten Marktleiter Folge leisten. Damit folgt dm dem Beispiel des norddeutschen Kooperationspartners Budnikowsky: In Budni-Filialen verzichtet man bereits seit Dezember auf die Einwegtüten.

Ist das der Anfang vom Ende der Plastiktüte? Schließlich haben Anfang der Woche die EU-Minister beschlossen, dass der Plastiktütenverbrauch reduziert werden soll. Verschwinden die Umweltsünden also bald ganz aus unserem Alltag?

Plastiktütengegner sollten sich nicht zu früh freuen. Denn das EU-Papier ist deutlich entschärft worden, ein europaweites Verbot von Plastiktüten ist vom Tisch. Stattdessen soll sich jeder Staat um seinen eigenen Plastikkram kümmern. Und besonders dicke Plastiktüten sind ebenso ausgenommen wie besonders dünne. Verwirrt? Hier ein Überblick über den Stand der Dinge:

Was haben die EU-Minister beschlossen?

Um die Zahl der umweltschädlichen Einwegtüten zu senken, dürfen die EU-Staaten künftig die Beutel besteuern oder national sogar verbieten. Ob sie das tun, ist ihre Sache. Zudem sollen sich die Staaten konkrete Ziele setzen, damit die Menschen ihre Einkäufe nicht mehr so häufig in Plastiktaschen nach Hause tragen. Bis Ende 2025 soll jeder Europäer im Schnitt nur noch 40 Einweg-Beutel pro Jahr verbrauchen, in Deutschland sind es derzeit 64.

Was ändert sich in Deutschland?

Die Regierung hat sich noch nicht entschieden, wie sie die Vorgabe der EU umsetzen will. "Bei einer Abwägung von Aufwand und Nutzen spricht derzeit aus unserer Sicht nichts dafür, in Deutschland Abgaben oder gar Verbote zur Reduzierung des Verbrauchs an Plastiktüten einzuführen", sagte eine Sprecherin von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). "Nach dem endgültigen Inkrafttreten der Richtlinie werden wir im Dialog mit Umwelt- und Verbraucherverbänden, den Ländern sowie mit der betroffenen Wirtschaft mögliche Maßnahmen zur weiteren Senkung des Verbrauchs an Kunststofftragetaschen erörtern."

Welche Ausnahmen soll es geben?

Nicht betroffen von den EU-Vorgaben sind robuste Mehrfachtüten oder extrem dünne Tüten, die für Obst, Gemüse oder Frischfleisch gebraucht werden. Bei Tüten, die man mehrfach benutzen kann, ist die Regelung noch einleuchtend. Aber bei den Wegwerfdingern? Die Begründung: Es soll vermieden werden, dass stattdessen ressourcenintensivere Verpackungsmaterialien zum Einsatz kommen.

Wie viele Plastiktüten verbrauchen die Deutschen im Vergleich?

Die Deutschen sind noch vergleichsweise vorbildlich. Betrachtet man europaweit den Verbrauch von Plastiktüten - Einweg und Mehrweg - so liegt Deutschland auf dem viertbesten Platz. Bei den Einwegtüten ist es immerhin noch Platz sechs (mit 64 Tüten). Umweltbewusste Spitzenreiter sind nach EU-Angaben Dänemark und Finnland mit vier Einwegtüten pro Kopf und Jahr. Schlusslichter sind dagegen Polen, Portugal und die Slowakei mit 466.

Warum sind Plastiktüten überhaupt so schlimm?

In der EU landen jährlich acht Milliarden Beutel in der Landschaft oder im Meer, mit verheerenden Folgen. "Weggeworfene Kunststofftragetaschen können noch Hunderte von Jahren überdauern", warnt die EU-Kommission. Sie schätzt, dass 94 Prozent der Nordseevögel inzwischen Plastik im Bauch haben. Würden weniger Tüten produziert, könnte man zudem Energie und Ressourcen sparen.

bak/DPA/DPA
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