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S21 weniger leistungsfähig als der alte Kopfbahnhof

Nach Informationen des stern wird Stuttgart 21 entgegen den Versprechungen nicht leistungsfähiger sein als der jetzige Kopfbahnhof. Das stellt die Legitimation des Bahnprojekts infrage.

Von Arno Luik

  Die Computersimulation zeigt einen ICE-Zug im geplanten Stuttgarter Hauptbahnhof. Laut stern-Recherchen wird das Bauprojekt auch aus Gründen des Brandschutzes deutlich teurer als erwartet.

Die Computersimulation zeigt einen ICE-Zug im geplanten Stuttgarter Hauptbahnhof. Laut stern-Recherchen wird das Bauprojekt auch aus Gründen des Brandschutzes deutlich teurer als erwartet.

Nach Recherchen des stern war den Planern des Bahnprojekts Stuttgart 21 von Anfang an klar, dass der neue Tiefbahnhof in der Hauptverkehrszeit auf 32 Züge in der Stunde ausgelegt ist – und damit weniger leistungsstark ist als der alte Kopfbahnof. Der Kopfbahnhof fertigt derzeit 38 Züge ab und verfügt über Reservekapazitäten. Mit dieser verkehrlichen Verschlechterung des geplanten Tiefbahnhofs stellt sich die Frage nach der Legitimation des mindestens 4,5 Milliarden Euro teuren Projekts. Deutsche Bahn und Politiker hatten seit fast 20 Jahren stets damit geworben, die unterirdische Anlage werde deutlich mehr leisten als der alte Bahnhof, und damit auch die Notwendigkeit des Umbaus in der Stuttgarter Innenstadt begründet.

Die Dokumente, die dem stern vorliegen, zeigen jedoch: Schon in einer ersten Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie ging 1994 einer der Väter des Projekts, Professor Gerhard Heimerl, von maximal 35 Zügen pro Stunde aus. Allerdings: Um diesen Verkehr auf acht Gleisen abwickeln zu können, hätten die Züge nur zwei Minuten im Bahnhof halten dürfen – eine völlig unrealistische Annahme. In einem Nachtrag zur Studie skizzierte Heimerl 1997 die geplanten Zugabläufe: 32 Züge in der Hauptverkehrszeit.

Bahn weist Vorwürfe zurück

Die Deutsche Bahn dagegen hatte noch im Oktober 2010, während der Schlichtungsgespräche unter Vorsitz des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler, für den neuen Bahnhof eine 37-prozentige Leistungssteigerung versprochen. Diese größere Effizienz war im November 2011 auch ein wichtiges Argument bei der Volksabstimmung über S 21 gewesen. Wegen der angeblich deutlich höheren Leistungsfähigkeit sind auch EU-Fördergelder in Höhe von 114 Millionen Euro für das Bahnprojekt bewilligt worden.

Für den Physiker Christoph Engelhardt, der die dem stern vorliegenden Dokumente wissenschaftlich ausgewertert hat, stellt S 21 keinen Aus-, sondern einen Rückbau dar. Dem stern sagte der einstige Befürworter des Bauprojekts: "S 21 wird niemals leisten können, was den Bürgern versprochen wurde." Und weiter: "S 21 ist der größte technisch-wissenschaftliche Betrugsfall der deutschen Industriegeschichte."

Die Bahn wies auf Anfrage des stern die Vorwürfe zurück und betonte, dass S 21 um 30 Prozent mehr leisten könne als der alte Kopfbahnhof und somit keinen Infrastuktrurrückbau bedeute.

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