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Aufgepasst Ebay - hier kommt die Konkurrenz

Ebay ist der größte Marktplatz für private Verkäufe - aber das verstaubte Image und billiger China-Plunder vergraulen Käufer. Die Konkurrenz versucht mit neuen Strategien die meist weibliche Kundschaft zu locken.

Frau shoppt im Internet

Es muss nicht immer eBay sein: Die in die Jahre gekommene Verkaufsplattform bekommt immer mehr Konkurrenz

Spätestens nach Weihnachten hat man wieder den Schlamassel: Freunde oder Verwandte haben es gut gemeint, aber das Geschenk von ihnen will man auf gar keinen Fall behalten. Wer Glück hat, kann umtauschen. Für alle anderen gibt es Ebay

Um auf Nummer sicher zu gehen, hat Ebay sogar die Meinungsforscher von TNS Infratest beauftragt, nachzufragen, wie viel Schrott und Enttäuschungen unter dem Baum landen. Das Ergebnis: Jeder fünfte ärgert sich über doppelte Geschenke, hässliche Krawatten oder sinnlose Haushaltsgegenstände. Ungeliebte Ware im Wert von rund 617 Millionen Euro wurde im vergangenen Jahr verschenkt - und das sieht auch in diesem Jahr nicht anders aus. Für die Verkaufsplattform ein Geschenk des Himmels, denn vieles davon findet sich nach den Feiertagen bei Ebay wieder.

Vor 20 Jahren startete Ebay in den USA, seit mehr als 15 Jahren gibt es die Verkaufsplattform auch in Deutschland. Ebay ist unangefochten Marktführer - und steht doch in der Kritik. 

Kaum noch Auktionen bei Ebay

Die enorme Größe von Ebay ist eine Gefahr geworden. Wer shoppen geht, stolpert viel häufiger als noch vor einigen Jahren über billigen Ramsch aus Fernost. Und das einstige Kerngeschäft mit den privaten Verkäufen? Scheint nur noch Nebensache. Das will bei Ebay zwar keiner sagen, doch Auswertungen in den USA zeigen: Auktionen, die Grundidee für private Schnäppchen-Sucher, gehen zurück, der "Sofort-Kauf" übernimmt seit etwa 2010 die Führung, fanden Forscher der US-Universität Standfort heraus. 

Die Kundschaft für Second-Hand-Mode im Netz ist weiblich, jünger als 40 Jahre alt, hat Kinder und lebt in eher kleineren Ortschaften, zeigt eine Studie. Nimmt man die ständig wachsende Gruppe der hippen Großstädterinnen dazu, die aus ökologischen Motiven gerne auf Second-Hand-Mode zurückgreift, schlummert hier eine große und internetaffine Käufergruppe. Neue Akteure haben längst diesen Markt geentert.  

Community und Flohmarkt

Seit 2009 setzt der Kleiderkreisel auf die Idee, Klamotten zu verkaufen, zu tauschen oder zu verschenken. "Kämpfe stilvoll gegen Verschwendung" heißt es dort. Die vor allem weibliche Kundschaft findet dort Mode, Schuhe, Taschen und Kosmetik gängiger Hersteller. Durchschnittlich seien 1000 Artikel eingestellt, die Community umfasse weltweit 11 Millionen, so die die Gründer von Kleiderkreisel. Bislang zahlen Verkäufer fünf Prozent des Verkaufspreises als Gebühr an das Unternehmen, ab kommendem Jahr wird diese Abgabe auf zehn Prozent verdoppelt. Nur wer Artikel tauscht oder verschenkt, muss nichts bezahlen.

Flohmarkt in der Hosentasche

Das Wiener Startup Shpock setzt ebenfalls auf den Community-Gedanken. Das Fantasiewort steht für "Shop in your Pocket", das Angebot richtet sich an die mobile Generation, die inzwischen alles über das Smartphone macht. Kunden können sich via Facebook-Profil (oder per Mail und SMS-Bestätigung) anmelden. Das Prinzip: Ein Flohmarkt im Netz, Klamotten kaufen in der Nachbarschaft. Das scheint zu funktionieren. Zwar sprechen die Gründer nicht über Erlöse, doch die Userzahlen steigen rapide. 

Auf ein ähnliches Prinzip setzen auch die Macher des Hamburger Start-ups Stuffle. Per App ( oder über die Homepage) können Kunden ihren Kram verkaufen. Anders als Shpock ist die Optik der Bilder allerdings altbacken. Beide Unternehmen verlangen keine Gebühren für den Verkauf - und setzen sich klar vom Branchenprimus Ebay ab. Auch wenn Ebay mit kostenlosem Einstellen der Atzkel lockt, wird bei Verkauf eine Gebühr fällig. Zehn Prozent des Verkauferlöses zahlen Verkäufer, maximal 199 Euro. Wer seine Anzeige besonders ausschmücken möchte, muss ebenfalls blechen, beispielsweise 20 Cent für die Startzeitplanung. Umgelegt werden dürfen diese Gebühren übrigens nicht auf den Käufer, für ihn bleibt Ebay kostenlos.

Ebays größter Konkurrent

Ebays größter Konkurrent heißt hood.de und ist bereits seit November 2000 am Markt. Mehr als eine Million Mitglieder verkaufen dort häufig zum Festpreis Artikel. Die Seite erinnert stark an Ebay oder Amazon: Top-Angebote begrüßen den Kunden, die Kategorien "Baby & Kleinkind" oder auch "Bücher, Filme & Musik" kennen Kunden von den Handelsriesen. Viele der Artikel werden von gewerblichen Verkäufern eingestellt - hood.de macht Ebay vor allem bei kommerziellen Angeboten Konkurrenz. 

Designer-Kleidung aus zweiter Hand

Neben den breit gefächerten Angeboten etablieren sich auch Plattformen für Nischenprodukte. So finden Käufer bei Rebelle Designer-Klamotten aus zweiter Hand. Der Verkauf dort funktioniert allerdings etwas anders als bei Shpock und Co.: Verkäufer stellen den Artikel ein (oder lassen dies von einem Concierge-Service übernehmen) und versenden den Artikel dann zu Rebelle. Portokosten fallen dafür nicht an. Dort wird der Artikel geprüft: Wie gut es die Kleidung noch in Schuss? Handelt es sich um originale Designerklamotten oder ist es etwas ein billiges Plagiat? Wird der Artikel verkauft, erhält der Verkäufer von Rebelle offiziell bis zu 85 Prozent der Verkaufssumme. Das Argument der Plattform: In einem Second-Hand-Laden bekommen Verkäufer in der Regel nur 50 Prozent des Verkaufswertes ausgezahlt. Allerdings sieht es in der Praxis auch bei Rebelle nicht ganz so gut für Verkäufer aus: Bei einem Warenwert von 100 Euro, erhält der Verkäufer gerade einmal 67 Euro. Bei 500 Euro sind es 361 Euro - das entspricht 72 Prozent. Erst bei Klamotten, die für knapp 10.000 Euro verkauft werden, erhält der Verkäufer die 85 Prozent des Erlöses.

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