Der Mann, der BMW groß machte

7. Oktober 2003, 13:16 Uhr

Der Erfolg von BMW ist untrennbar mit dem Namen Eberhard von Kuenheim verknüpft. Fast 30 Jahre saß der Industriemanager beim weiß-blauen Autobauer am Steuer.

Der Ex-BMW-Vorsitzende schied 1999 aus dem Unternehmen aus©

Der Erfolg von BMW ist untrennbar mit dem Namen Eberhard von Kuenheim verknüpft. Fast 30 Jahre saß der Industriemanager beim weiß-blauen Autobauer am Steuer, erst als Vorstandschef, später als Aufsichtsratsvorsitzender. Aus dem einst mittelständischen Unternehmen formte von Kuenheim einen Weltkonzern. In seine Amtszeit als Aufsichtsratschef fiel allerdings auch der Rover-Kauf, der für BMW in einem Fiasko endete. Dennoch gilt er als einer der ganz Großen in der internationalen Automobilwirtschaft. Am 2. Oktober wurde er 75 Jahre alt.

Verjüngte die BMW-Konzernspitze

1969 war der studierte Maschinenbauer von den Industriewerken Karlsruhe zu BMW gewechselt, wo er 1970 den Vorstandsvorsitz übernahm. Zügig und konsequent trieb von Kuenheim die Verjüngung der Führungsspitze voran und schickte das Unternehmen mit der Eröffnung neuer Standorte in Deutschland, Österreich, Südafrika und Nordamerika auf Expansionskurs. Vor allem in den 80er Jahren startete BMW unter von Kuenheims Führung eine Produktoffensive mit neuen Technologien und Modellreihen. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs während seiner Ära als Vorstandschef von rund 23.000 auf 71.000.

Entwicklung eines Werksverbundes

Gewerkschafter würdigen seine Verdienste um den Standort Deutschland und die Arbeitsplätze. "Eberhard von Kuenheim ist einer der Menschen, die BMW zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Republik gemacht haben", sagt Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Innovativ sei vor allem seine Initiative zur Entwicklung eines Werksverbundes gewesen, mit der BMW eine hochflexible Produktion geschaffen habe. "Er hat immer ein kooperatives Verhältnis mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften gesucht."

Ab 1993 Wechsel in den Aufsichtsrat

Als von Kuenheim im Mai 1993 den Posten des Vorstandschefs gegen den Aufsichtsratsvorsitz eintauschte, bedeutete dies keineswegs seinen Rückzug. Auch als Chef des Kontrollgremiums war der gebürtige Ostpreuße in alle wichtigen Entscheidungsprozesse des Unternehmens eingebunden.

Sorgte selber für Nachfolge

So betrieb er auch die Berufung des Führungsduos aus dem heutigen VW-Chef Bernd Pischetsrieder und Wolfgang Reitzle, der jetzt den Linde-Konzern führt. Nach dem Debakel bei der britischen Tochter Rover, die BMW einen Milliarden-Verlust bescherte, mussten Pischetsrieder und Reitzle gehen. Unter Joachim Milberg fand der Konzern nach der Trennung von Rover auf die Erfolgsspur zurück.

Rover-Kritik verdarb den Abschied

Als Konsequenz geriet von Kuenheims letzter Auftritt vor der Hauptversammlung des Unternehmens im Mai 1999 zu einem Wechselbad für den langjährigen Industriemanager. "BMW hat sich unter Ihrer Führung zu einer strahlenden Marke entwickelt, deren Profitabilität die Aktionäre stets erfreut", würdigte BMW-Großaktionärin Johanna Quandt seine Leistungen. Doch harsche Kritik an der Nachfolgeregelung und der Entwicklung um Rover verdarb von Kuenheim den Abschied. "Hätten Sie vor fünf Jahren in den Rückspiegel geschaut, wären Sie nicht vom Schrottlaster Rover überrollt worden", schlug es ihm von Seiten der Kleinaktionäre entgegen.

Stiftung entwickelt Projekte zur Eliteförderung

Inzwischen widmet sich der einstige Doyen der deutschen Automobilindustrie dem Wirtschaftsnachwuchs. In der Eberhard von Kuenheim Stiftung, die BMW im Jahr 2000 zu seinen Ehren einrichtete, entwickelt er Projekte zur Eliteförderung, bei denen unternehmerisches Denken und Handeln im Mittelpunkt stehen. Die Stiftung profitiere von der reichen Erfahrung des vielseitig interessierten Ex-Managers, sagt der geschäftsführende Vorstand, Christoph Glaser: "Eberhard von Kuenheim hat nie aufgehört, Unternehmer zu sein."

Ende des "Vollkaskodenkens"

So forderte von Kuenheim in einem kürzlichen Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von Politikern, Wirtschaftsführern und Wissenschaftlern "mehr Mut, auch wenn man sich einmal unbeliebt macht." Die Stärke Deutschlands hänge von der Wirtschaft ab. Und bei seinen Zukunftsrezepten präsentierte sich von Kuenheim einmal mehr ganz als Manager: "Wir müssen aus dem Vollkaskodenken heraus." Der Staat könne die Menschen nicht vor allem schützen. "Jeder muss sich wieder für sich selbst verantwortlich fühlen."

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