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Analyse

Edeka und Kaiser's - die dunkle Seite des Supermarktimperiums

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die Fusion von Edeka und Kaiser's mit Gewalt durchgesetzt, um Arbeitsplätze zu sichern. Langfristig dürfte die Entscheidung aber viele Verlierer produzieren.

Edeka Kaisers Tengelmann

Marktführer Edeka verleibt sich Kaiser's Tengelmann ein - das sehen viele kritisch

Den ersten Job hat die Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann schon wenige Stunden nach deren Verkündung gekostet. Der Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, tritt zurück. Sigmar Gabriels Berater in Wettbewerbsfragen zieht damit persönlich Konsequenzen: Der Wirtschaftsminister hatte seine Empfehlung, den Zusammenschluss der beiden Supermarktketten zu verbieten, schlicht ignoriert. Zimmer hält die Entscheidung unter dem Aspekt des Gemeinwohls für "die schlechteste aller Lösungen".

Dabei hat Sigmar Gabriel doch nur Gutes im Sinn, wenn er gegen den Rat seiner Experten und gegen die Entscheidung des Bundeskartellamtes die Fusion mit einer sogenannten Ministererlaubnis durchboxt. Gabriel will die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern, die insofern prekär sind als das Unternehmen derzeit rote Zahlen schreibt. Damit Edeka die Kette nicht allein durch einen Kahlschlag in der Belegschaft wieder profitabel macht, hat Gabriel die Übernahme nur unter Auflagen erlaubt.

  •  Edeka muss die rund 450 Filialen von Kaiser's Tengelmann mindestens fünf Jahre weiterführen und darf sie in dieser Zeit nicht weiterverkaufen - auch nicht an selbständige Edeka-Einzelhändler.
  • Die fast 16.000 Kaiser's-Beschäftigten dürfen nicht betriebsbedingt gekündigt werden und behalten ihre von Verdi und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ausgehandelten Tarifverträge.
  • Verkauft Edeka nach diesen fünf Jahren Filialen, muss der Konzern einen Kündigungsschutz von zwei weiteren Jahren gewährleisten.
  • Zwei Birkenhof-Fleischwerke, die Teil des Deals sind, darf Edeka drei Jahre lang nicht verkaufen.

Das hört sich erstmal nicht schlecht an, was der Wirtschaftsminister da ausgehandelt hat. Doch trotz dieser Zugeständnisse könnte der Deal langfristig ziemlich viele Verlierer produzieren - bei Angestellten, Handelspartnern und Kunden.

Das droht den Beschäftigten

Zunächst einmal zeigen die Bestandsschutz-Versprechen, wie gefährdet die Arbeitsplätze überhaupt sind: Man muss davon ausgehen, dass Edeka überflüssige Doppelstrukturen und Mitarbeiter am liebsten so schnell wie möglich loswerden würde. Das verheißt für die Zeit nach Auslaufen der Vereinbarungen nichts Gutes.

Langfristig habe Edeka mehr Anreize zur Schließung von Filialen als jedes andere Handelsunternehmen, meint auch der zurückgetretene Zimmer. Denn Edeka hat mit rund 11.500 Geschäften (darunter 4000 Filialen von Netto) das dichteste Filialnetz aller deutschen Einzelhändler. Möglicherweise könnten sogar innerhalb der Schonfrist schon Mitarbeiter ihren Job verlieren, nämlich solche von Edeka. Für die bietet der Deal schließlich keinerlei Garantien.

Das droht den Bauern und Händlern

Verlierer des Deals dürften auch die Erzeuger und Zulieferer sein. Schon jetzt ächzen die Handelspartner der großen Lebensmittelketten über die Dumpingpreise, zu denen sie ihre Waren verkaufen müssen. Mit der Übernahme der Kaiser's-Märkte vergrößert Marktführer Edeka seine Marktmacht weiter. Der Deutsche Bauernverband kritisierte, die Entscheidung gehe "eindeutig zu Lasten der Wettbewerbssituation der Landwirtschaft, der Verarbeiter und Vermarkter".

Ins selbe Horn stößt Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt: "Ich sehe die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka mit großer Skepsis", erklärte Gabriels Kabinettskollege. Der Lebensmittel-Einzelhandel sei schon jetzt sehr stark konzentriert, und das nehme nun noch zu. "In der Konsequenz drohen dauerhafte Nachteile für die Verbraucher und die Landwirtschaft." Er sehe die Gefahr, dass die marktmächtigen Unternehmen die Preise diktieren, sowohl bei den Zulieferern, als auch an den Regalen für die Kunden.

Das droht den Verbrauchern

Womit wir bei der dritten Gruppe der möglichen Verlierer wären, den Kunden im Supermarkt. Auch ihnen könnte der abnehmende Wettbewerb auf lange Sicht schaden. Derzeit liefern sich Supermärkte und Discounter einen harten Preiskrieg. Doch je mehr sich der Markt Richtung Monopol verändert, desto leichter können die verbliebenen Unternehmen ihre Produkte teurer machen.

Verbraucher müssten künftig mit weniger Auswahl und höheren Preisen rechnen, prognostiziert der zurückgetretene Experte Zimmer. Und auch die Verbraucherzentralen befürchten, dass Edekas zunehmende Marktmacht zu Lasten der Kunden und der Vielfalt in den Läden geht.

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