Deutschland-Chef von Morgan Stanley bietet Rücktritt an

25. Juni 2012, 10:04 Uhr

Die CDU-Führung will von ihrem früheren Zugpferd nichts mehr wissen. Baden-Württembergs Ex-Regierungschef Stefan Mappus habe sich vom Investmentbanker Notheis beim EnBW-Deal steuern lassen, zetert Landeschef Thomas Strobl. Notheis soll unterdessen seinen Rücktritt angeboten haben.

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Lacht sich nicht mehr ins Fäustchen: Dirk Notheis, Deutschland-Chef von Morgan Stanley©

Dirk Notheis, Deutschland-Chef von Morgan Stanley, zieht Bankkreisen zufolge Konsequenzen aus der Affäre um seine umstrittene Rolle bei der Verstaatlichung des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW). Notheis habe der US-Investmentbank am Wochenende seinen Rücktritt angeboten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen aus der Bank am Sonntag. Das Institut habe allerdings noch nicht entschieden, ob es das Angebot des Top-Managers annehme. Derzeit liefen Gespräche mit dem 44-Jährigen Investmentbanker, der zu den führenden Fusionsberatern in Deutschland zählt. Er selbst und die Bank äußerten sich nicht dazu.

Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags den umstrittenen fünf Milliarden Euro schweren EnBW-Deal, bei dem Notheis seinen CDU-Freund und damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beraten hat. Es geht um die Frage, ob das Land zuviel bezahlt hat. Der Staatsgerichtshof des Landes hat den ohne Mitwirkung des Parlaments von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der Anteile vom französischen Energiekonzern EdF als Verfassungsbruch beurteilt.

Der Badener, der seit 1999 nach einer steilen CDU-Karriere bei Morgan Stanley ist und seit 2009 an der Spitze des Deutschland-Geschäfts steht, reagiert mit dem Schritt auf den starken öffentlichen Druck der vergangenen Tage - auch aus der Politik. So kamen zuletzt sogar aus den Reihen der CDU und FDP kritische Stimmen. "Man kann das niemandem mehr erklären", kommentierte etwa CDU-Landeschef Thomas Strobl das Vorgehen seines Vorgängers in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warf Mappus vor, Marionette von Notheis gewesen zu sein. "Man kann den Eindruck bekommen, dass der damalige Ministerpräsident da an den Fäden eines Investmentbankers war", sagte Kretschmann am Samstag bei einem kleinen Grünen-Landesparteitag in Heilbronn. Es könne den Glauben an die Politik schwer erschüttern, was da an "Sumpfblasen" im Untersuchungsausschuss des Landtags hochgekommen sei. Die Grünen-Fraktion im Landtag verlangte von der Finanzaufsicht BaFin zu prüfen, ob Notheis seine Lizenz zur Leitung einer Bank behalten dürfe.

Strippenzieher stolpert über eigene Strippen

Für zusätzliche Brisanz sorgten vor kurzem bekanntgewordenen E-Mails von Notheis an Mappus, in denen der Investmentbanker dem Ministerpräsidenten in teilweise flapsigem Ton Regie-Anweisungen gab, wie er das am Nikolaustag 2010 überraschend verkündete Milliarden-Geschäft in der Öffentlichkeit und bei Parteifreunden vermitteln soll. Darin soll er zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Mutti" bezeichnet haben, die als Druckmittel von Mappus mobilisiert werden könne, um das Geschäft voranzubringen. "Wenn das ein unbefangener Beobachter liest, dann spiegelt sich in diesem Mailverkehr für ihn wider, dass hier nicht der Primat der Politik geherrscht hat", kommentierte Strobl. Vielmehr werde das Vorurteil bestätigt, dass die Banken der Politik sagen, wo es langgeht. Notheis hat bereits im Kreuzverhör des Untersuchungsausschusses gestanden, könnte aber erneut vorgeladen werden.

Der Banker ist seit vielen Jahren eng mit Mappus befreundet und gilt auch in der politischen Szene in Berlin als gut vernetzt, was seinem Haus viele lukrative Aufträge eingebracht hat. Bankinsider betonen, Notheis' Weggang reiße ein großes Loch auf. Er habe in der Vergangenheit zahlreiche große Deals, wie etwa die Mandate für die Börsengänge von Air Berlin oder der Postbank eingefädelt. Wer ihm nachfolgen könnte, ist noch offen.

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