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15. August 2007, 18:03 Uhr

Millionenschwere "Frührente"

Der scheidende EnBW-Vorsitzende Utz Claassen soll Übergangszahlungen in Millionenhöhe erhalten. Aktionärsschützer kritisieren die Zahlung jahrelanger Übergangsgelder als unangemessen und fordern mehr Transparenz in den Unternehmen.

Zoom

Daumen hoch? Im Gegenteil: Es hagelt Kritik an millionenschweren Übergangszahlungen. Utz Claassen soll insgesamt sieben Millionen Euro erhalten© Ronald Wittek/DPA

Die Regelungen rund um das Ausscheiden des EnBW-Vorsitzenden Utz Claassen haben eine Debatte über die jahrelange Zahlung von Übergangsgeldern entfacht. Der 44-Jährige soll einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge einen Anspruch auf jährliche Zahlungen in Höhe von 400.000 Euro bis zum Jahr 2026 haben. Diese "Frührente" würde sich demnach auf sieben Millionen Euro summieren.

"Solche Zahlungen sind nicht angemessen"

Der Sprecher der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, betonte, der Corporate-Governance-Kodex sehe zwar eine angemessene Vergütung vor. "Warum aber soll es angemessen sein, dass jemand über Jahre hinweg solche Zahlungen erhält", sagte Kurz der Deutschen Presse Agentur (DPA). Im Fall Claassen handele es sich um die Möglichkeit einer "19- jährigen Frühverrentung". "Hier sind Aufsichtsräte gefordert, wenn solche Verträge zu Lasten Dritter, der Aktionäre, geschnürt werden", sagte Kurz. "Zahlreiche Unternehmen machen in ihren Geschäftsberichten keine Aussagen zu Übergangsgeldern. Das ist nicht transparent und daher auch nicht im Sinne des Corporate-Governance-Kodex."

Das "Handelsblatt" hatte am Mittwoch aus einem Schreiben des EnBW-Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Dieter Hoffmann zitiert, in dem dieser bestätigt, "dass Herr Prof. Claassen unmittelbar nach Beendigung seiner Tätigkeit für die EnBW Anspruch auf Versorgungsbezüge hat." Der 44 Jahre alte Claassen verlässt zum 30. September noch vor Vertragsende und nach eigener Darstellung freiwillig den Stromkonzern. Sollte er einen neuen Job antreten, würde sein Gehalt auf das Übergangsgeld angerechnet. Nach 2026 bekommt Claassen dem Bericht zufolge eine EnBW-Rente, die genau so hoch ist wie sein Übergangsgeld. EnBW lehnte auf Nachfrage eine Stellungnahme hierzu ab.

Bezahlung sollte sich an Leistung orientieren

Einer Kienbaum-Studie zufolge zahlen rund ein Drittel der 1500 deutschen Kapitalgesellschaften ähnliche Übergangsgelder. Laut "Handelsblatt" ist die Ausgestaltung aber sehr unterschiedlich. So zahle die Deutsche Bank nur sechs Monate Übergangsgeld. Andere Unternehmen befristeten es auf zwei Jahre oder zahlten nur, wenn ein scheidender Vorstand mindestens 55 Jahre alt sei.

Auch Arbeitsrechtler verurteilen laut "Handelsblatt" solche Abfederungen als unangemessen. Es sei keine Rechtfertigung dafür ersichtlich, einem Vorstand nach seinem Ausscheiden noch fast 20 Jahre lang sechsstellige Summen zu überweisen, sagte der Fachanwalt Alexander Burger von der Stuttgarter Kanzlei Kasper Knacke Wintterlin & Partner. Der Kienbaum-Vergütungsexperte Alexander von Preen meinte: "Die Bezahlung sollte sich an der Leistung und Tätigkeitsdauer orientieren. Was da bei der EnBW passiert, tut der gesamten Manager-Riege nicht gut und bedient unnötig den Neidkomplex."

DPA
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Roy05441 (18.08.2007, 10:53 Uhr)
Selbst die italienische.....
Ndrangeda hat vor Jahren erkannt, Deutschland ist für Mafia das gelobte Land! Denn in dieser ogenannten Demokratie hat sich seit Jahrzehnten nichts verändert. Vor der Wende Bonner Bananen-Republik Deutschland (BBRD), nach der Wende Berliner Bananen-Republik Deutschland (BBRD)! Es hat sich nichts geändert! Lediglich beim Mafia-Sponsoring der einzelnen Clans wurden die eingesetzten Summen drastisch erhöht, um deutlich höhere Spendenquittungen dem Finanzamt vorlegen zu können.
Wohl sei dem Land, das in der Tat für jeden Wirtschaftszweig seine eigene Mafia hat!
ElPrimo (16.08.2007, 11:46 Uhr)
da geht jedem ein licht auf...
jetzt wissen wir ja endlich, wieso die strompreise so munter nach oben klettern, irgendwie muss man ja solche ausgaben wieder abfedern...
Karlradow (16.08.2007, 10:28 Uhr)
Unfassbar!
Eine solche Zahlung ist jenseits der Schamgrenze!
GordonBleu (16.08.2007, 10:02 Uhr)
neuer managertypus?
ist herr claassen nicht mal als neuer managertypus gehandelt worden, der sich in können, anspruch und persönlicher integrität so völlig von den vorständen der alten deutschland ag unterscheiden sollte und auch wollte?
anscheinend ist auch hier das neue das alte. die größten kritiker der elche sind doch meistens selber welche!
und nein, es ist keine neiddiskussion, die seitens des millionenheeres der habenichtse in deutschland geführt wird - es ist eine raffgierdebatte.
Countryjoe (16.08.2007, 09:37 Uhr)
Neid?
Wer offenkundige Mißstände anprangert und die Belohnung für Unfähigkeit und Versagen nicht befürwortet ist ein Neidhammel? Gute Nacht Deutschland kann man angesichts einer "Elite" die schamlos plündert und stiehlt nur noch sagen.
-Dagegen- (16.08.2007, 08:45 Uhr)
Prima!
Wie sagte schon vor Jahrzehnten Birgit Breuel: "Wer gute Arbeit macht, soll auch gutes Geld verdienen!" Demzufolge sind wir Neidhammel ein Millionenvolk von Pappnasen. So viel besser können diese Abzocker garnicht sein, daß solche Summen gerechtfertigt wären.
Ich könnte mal wieder k.....
Mondeo1999 (16.08.2007, 08:27 Uhr)
Der Typ hat´s drauf...
...wie der EnBW über den Tisch gezogen hat. Hut ab, meine Herren vom Aufsichtsrat (Damen sind ja keine vertreten).Starke Leistung!
Der gute Utz sitzt nun zu Hause und lacht sich schlapp! (Kann ja nun Berater bei Kienbaum und Konsorten werden *lol* und denen noch ein bißchen was beibringen ;-))
belzebub99 (16.08.2007, 07:53 Uhr)
So nicht, meine Herren!
Ich bin der festen Überzeugung, daß ein solch dreckiges Verhalten, wie es dieser Utz Dingsada an den Tag legt, gesühnt werden muß!
BEEGEESFAN (16.08.2007, 00:48 Uhr)
STROMPREIS
WAS MEINEN SIE WIE GLÜCKLICH ICH JETZT BIN. WO ICH DOCH GENAU WEISS WOFÜR ICH DIE IMMENS HOHEN STROMPREISE ZAHLE.7 MILLIONEN EURO. DAFÜR WÜRDE ICH AUCH IN DEN RUHESTAND GEHEN.AUCH EIN GEWISSER NEIDFAKTOR IST BEI MIR VORHANDEN.AUCH ERSCHLIESST ES MIR NICHT, WOZU DIESE ÜBERGANGSGELEDR EIGENTLICH SIND?ICH HOFFE NOCH JEMANDEN ZU FINDEN DER MIR DAS PLAUSIBEL ERKLÄREN KANN
Parisien (15.08.2007, 23:50 Uhr)
Neidkomplex
Angesichts dieses erneuten monströsen Fehlverhaltens einer Gesellschaft-pikanterweise aus der Energiebranche,die permanent die Preise erhöht- verweist dieses Würstchen von Kienbaum auf den Neidkomplex,obwohl es einhellige Meinung ist,dass die in Frage stehende Managerregelung mindestens an der Grenze zur Illegalität steht.
Oder sind alle Kritiker dieser Regelung (Arbeitsrechtler etc) neidisch?So lange solche Inkompetenz die Diskussion um Managergehälter begleitet,kommen wir nie zu einer sachgerechten Lösung dieses Problems.
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