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Liebespuppe bekommt Blowjob-Award

Blowjob-Gutscheine, Liebespuppen oder Vibratoren: Ausgerechnet die biederen Versandhäuser Neckermann und Otto verkaufen nicht nur Blusen oder Gardinen. Eines der schlüpfrigen Erotik-Produkte hat mittlerweile schon Kultstatus erlangt.

Von Malte Arnsperger

Die Familie hat sich im gemütlichen Wohnzimmer versammelt. Der neueste druckfrische Versand-Katalog liegt auf dem Tisch. Mit glänzenden Augen blättert die Bilderbuch-Familie durch das Versand-Paradies. Ob beige Thermo-Gardinen, spießig-grüne Blumen-Blusen oder extra-große Plasma-Fernseher - in dieser heilen Shopping-Welt kann sich die brave Familie fast jeden Wunsch erfüllen. Dieses Bild hat wohl jeder vor Augen, der an Neckermann und Co. denkt.

Vergeblich wird der fiktive Muster-Vater jedoch nach der "Sex-Doll Cleopatra" suchen, der "lebensgroßen, schwarzhaarigen Liebespuppe". Auch wird seine Frau in dem Katalog keinen "Blowjob-Gutschein" finden, mit dem sie ihrem Schatz "zehn unvergessliche Blaskonzerte" schenken kann, "in der Küche, beim Fernsehen oder im Fahrstuhl".

Nein, es handelt sich hierbei nicht um den Auszug aus dem Sortiment eines Sex-Shops auf der Hamburger Reeperbahn sondern um das Erotikangebot von Neckermann.de. Im Internet wird aus dem Traditions-Versandhandel ein vollausgestattetes Sex-Geschäft. Mehr als 1000 Produkte sollen dem Kunden/der Kundin das Sexleben verschönern.

"Blowjob-Award" ist der Renner

Der altbackene Neckermann-Konzern und das sündige Geschäft mit Kondomen, Vibratoren oder Erotik-Filmen: Wie passt das zusammen? Gut, glaubt man dem Konzernsprecher Gerd Koslowski. Schließlich könnten die Kunden schon seit 30 Jahren Erotikartikel bei Neckermann beziehen. Kritik an diesem Segment sei selten. "Es ist Teil des Universalangebots. Ich denke schon, dass sich diese Artikel mit dem Gesamtangebot von Neckermann vereinbaren lassen", sagte Koslowski zu stern.de.

Trotzdem: Auch wenn im aktuellen, insgesamt mehr als 1200 Seiten umfassenden Katalog auf drei Seiten Artikel wie Vibratoren oder Lackkleider angeboten werden. So richtig schlüpfrig wird es bei Neckermann erst im Internet. Seit November bestückt der Erotikgroßhandel "Orion" das Sex-Sortiment des Frankfurter Konzerns. Denn das Kunden-Interesse daran nimmt kontinuierlich zu, sagt Koslowski, wenn auch der Anteil am Gesamtumsatz nur 0,1 Prozent ausmacht. Doch nun vergibt Neckermann nicht nur den "Blowjob-Gutschein", sondern verkauft auch "Lakritze in Penisform" oder das "Sexy-Striptease-Spiel".

Eines der Produkte hat mittlerweile schon Kultstatus erworben. Der "Blowjob-Award". Die goldfarbene, 25 Zentimeter hohe Statue zeigt einen stehenden nackten Mann, vor dem eine ebenso unbekleidete Frau sitzt. Diese hat ihren Kopf in einer eindeutigen Position zwischen den Beinen des Mannes vergraben. Neckermann preist den Artikel als den "Pokal für das beste 'Blaskonzert'", an, es sei ein Dankeschön für "ihren Schatz", der sie "perfekt mit der Zunge und dem Mund" verwöhnt.

Die Internet-Gemeinde ist begeistert. Bekannte und Arbeitskollegen mailen sich die Artikelnummer zu, und in den Foren breitet sich die Nachricht - "Neckermann verkauft Blowjob-Award" - wie ein Lauffeuer aus. "Das Teil muss ich haben... Frauchen freut sich wild" schreibt "tza". "Also schnell einen Award sichern", meint "Robert".

Bei Neckermann verfolgt man den Run auf den "Blowjob-Award", der stundenweise sogar ausverkauft war, mit großem Erstaunen. "Normalerweise verkaufen wir zwei bis drei pro Tag, aber in den letzten Tagen haben sich die Bestellungen verzwanzigfacht", sagt Koslowski. "Um den Artikel ist ein ziemlicher Hype entstanden."

Otto gibt sich etwas zugeknöpfter

Von einem Hype um sein Erotikangebot ist Konkurrent Otto weit entfernt. Im Katalog der Hamburger sucht man vergeblich nach Vibratoren oder Liebespuppen. Auch im Internet werden dem geneigten Kunden nur rund 160 Möglichkeiten geboten, Schwung in sein Sexleben zu bringen. Zudem ist das Angebot deutlich konservativer als bei Neckermann, die Anpreisung nüchterner, von Scherzartikeln alla "Blowjob-Award" ist man hier weit entfernt. Trotzdem erkennt man auch bei dem Familien-Belieferer Otto einen Trend zum offeneren Umgang mit dem Thema Sex. "Seit einiger Zeit beobachten wir, dass Erotikartikel nicht mehr als unsittliches Angebot angesehen werden", sagt Sprecher Thomas Voigt. "Viele Kunden schätzen es, auch solche Dinge bei uns kaufen zu können. Es wird als Teil eines selbstverständlichen Liebesspiels begriffen und zunehmend gesellschaftsfähig."

Ob der "Blowjob-Award" gesellschaftsfähig wird, bleibt abzuwarten. Denn dass er auf weiblicher Seite auf eine ähnliche Begeisterung stoßen wird wie bei den Männern, ist zweifelhaft. Dies ist wohl auch dem Foren-Benutzer "Robert" klar. Seine Liebste wird vergeblich auf eine Anerkennung für ihre Dienste warten müssen. Denn "Robert" meint: "Ich glaub' ich wäre einen Kopf kürzer, wenn ich meiner Freundin so was schenken würde."

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