19. Dezember 2007, 12:53 Uhr

Regierung wettert gegen Abgas-Plan

Schlechte Nachrichten für deutsche Autobauer und ihre Kunden: Vor allem die Hersteller großer Fahrzeuge müssen den Abgas-Ausstoß ihrer Fahrzeuge senken. Ein entsprechender Plan der EU-Kommission könnte den Preis eines Neuwagens in die Höhe treiben. Bundesregierung und Konzerne sind stocksauer.

Die Autos der Zukunft könnten zwar in der Anschaffung teurer werden, wären dann aber beim Verbrauch billiger©

Die EU will den Treibhausgas-Ausstoß neuer Autos von 2012 an deutlich senken. Die Kommission beschloss dazu den schon im Vorfeld heftig umstrittenen Entwurf für ein Gesetz, nach dem Neuwagen dann im Durchschnitt nur noch 120 Gramm Kohlendioxid (CO2) je Kilometer an die Umwelt abgeben dürfen. Allein durch verbesserte Motorentechnik soll ein Rückgang auf 130 Gramm erreicht werden. Derzeit liegt der Durchschnitt bei 160 Gramm.

Anders als angekündigt stellte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas die Richtlinie alleine vor, der deutsche Industriekommissar Günter Verheugen blieb der Pressekonferenz aus Protest fern. Er war für niedrigere Sanktionen bei Überschreitungen des Grenzwertes eingetreten, als die Kommission sie jetzt beschloss.

Der Grenzwert gilt nicht für jedes einzelne Auto, sondern muss im Durchschnitt der gesamten Fahrzeugflotte eines Herstellers erreicht werden. Da größere Wagen mehr CO2 absondern, müssen ihre Emissionen vergleichsweise stärker reduziert werden als bei kleinen Autos. Der Wert soll für alle in der EU zugelassenen Neufahrzeuge gelten, also auch für die importierten. Die EU-Kommission schlägt gestaffelte Strafen ab 2012 vor, wenn ein Hersteller den Grenzwert im Schnitt überschreitet. Die Strafe beginnt mit 20 Euro je Gramm CO2 über dem Grenzwert und steigt bis auf 95 Euro im Jahr 2015. Diese sogenannten Prämie wird mit der Anzahl der vom Hersteller verkauften Autos multipliziert. Experten rechnen damit, dass damit Milliardenkosten auf die Hersteller zukommen, die die Klimaschutzziele verfehlen.

Nach eigenen Berechnungen der Kommission wird so der Preis eines Neuwagens um durchschnittlich 1300 Euro in die Höhe getrieben werden. Durch sinkende Spritkosten könnte man jedoch über die Lebenszeit eines Autos durchschnittlich 2700 Euro einsparen, erklärten Experten der Brüsseler Behörde.

Heftiger Protest von Regierung und Autobauern

Die Pläne der EU-Kommission stoßen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Widerstand. Diese Entscheidung gehe zu Lasten Deutschlands und der deutschen Industrie, sagte Merkel in Berlin. "Daher sind wir nicht zufrieden." Die Bundesregierung sei nach wie vor davon überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der EU-Kommission nicht sinnvoll sei.

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat den EU-Richtlinienvorschlag heftig kritisiert. Gabriel warf der Kommmission im ZDF vor, dieser Vorschlag habe nichts mit dem Klimaschutz zu tun. Er habe nur noch eines zum Ziel, nämlich "einen Wettbewerbskrieg zwischen der deutschen und der französischen und der italienischen Automobilindustrie zu führen". Gabriel monierte: "So werden nur die italienischen und die französischen Autohersteller bevorzugt."

Mit ihren Plänen hat die EU-Kommissionen auch einen Sturm der Entrüstung in der Autoindustrie ausgelöst. Der europäische Herstellerverband ACEA sprach am Mittwoch in Brüssel von unausgewogenen Vorschlägen und nannte die angekündigten Geldbußen "nicht akzeptabel". Der Münchener BMW-Konzern warf der EU-Kommission vor, Hersteller großer Autos unverhältnismäßig zu belasten. "Das ist Marktverzerrung", sagte ein Sprecher. Das Unternehmen wertete die Vorschläge als "naiv in Bezug auf das Umweltziel". Es handle sich um verdeckte Industriepolitik.

Europas führender Autokonzern Volkswagen kritisierte die Vorschläge als Benachteiligung deutscher Hersteller. "Wir hätten uns eine faire, realistische und zeitlich umsetzbare Regelung gewünscht."

Volkswagen begrüßte die von der EU angekündigte vierjährige Übergangszeit für Strafen, die bei Überschreitungen der CO2-Grenzwert fällig werden sollen. Im Hinblick auf Entwicklungszeiten sei die Frist aber "nicht wirklich viel", sagte die Sprecherin.

Umweltkommissar Dimas sagte, die Richtlinie solle die Autoindustrie zu Investitionen in umweltfreundliche Technologien ermutigen. Auch soll möglich sein, dass sich ein Hersteller großer, schwere Autos mit einem Kleinwagenhersteller zusammentut, um den Grenzwert gemeinsam einzuhalten.

Vor allem Deutschland und Frankreich kämpften schon im Vorfeld dafür, dass ihre Autobauer nicht zu schlecht wegkommen. Die deutschen Hersteller BMW, Daimler und Porsche sind auf große und luxuriöse Wagen mit relativ hohen Emissionen spezialisiert, während die französischen Konkurrenten mit Peugeot und Renault ihren Schwerpunkt bei kleineren Autos haben.

Das Gesetz soll dazu beitragen, die ehrgeizigen Ziele der EU zum Klimaschutz zu erreichen. Von Kraftfahrzeugen gingen zwölf Prozent der gesamten Emissionen in der EU aus, erklärte die Kommission weiter. Dieser Ausstoß an CO2 werde durch die neuen Vorschriften um 19 Prozent gesenkt.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
STR_EDDS (20.12.2007, 19:39 Uhr)
Die Ideologen sind wieder los...
Und genau diesen Mist sollen alle glauben! Ehrlich, die paar (im Gesamtvergleich) Porsche, Touareg, Maybach, etc. machen von den Emissionen her gerade mal 3,5% des gesamten Kuchens aus - bieten jedoch jeder parolengrölenden Dumpfbacke ein veritables Ziel um den eigenen Standesfrust abzulassen. Die x-Millionen Kleinwagen, bis hin zum Mittelklassevan mit dem CW-Beiwert einer Schrankwand sollte man kastrieren. Aber das geht nicht. Dann trifft man ja nur den umweltverschmutzenden "kleinen Mann". Und der kann vor lauter kleingeisterei leider nicht vor seiner eigenen Türe kehren. Ganz ehrlich: wenn ich mich hier in Stuttgart umschaue, sehe ich meistens die "kleinen Leute" in den großen Vans rumgurken. Mit Video für die Lütten im Fond und Klima damit die Scheiben nicht beschlagen. Wie borniert muss man sein, bis man erkennt, dass eine Änderung nur in der breiten Masse effektiv wirken kann? Nix Porsche weg - alter Golf, Fiesta oder Import-Honda weg. Den Import-Hybriden mit seinen nicht recyclebaren NiMH-Akus gleich dazu. Ohne ideologische Verblendung und mit etwas mehr Fachwissen könnten viele Dialoge zielführender erfolgen. Aber wenn der Quark, welcher hier von unserer sog. "Bildungselite" (Stern-Leser sind doch gebildet, oder?) vom Stapel gelassen wird, das Beste ist, was in diesem Land gesagt und gedacht wird, dann gute Nacht. Und zum "Dreckzuschlag" für Dicke Autos: was soll das bringen? Ehrlich (Ihr könnt mich dafür hauen): wenn ich auf meinen Wagen noch 5000,00 drauflegen muss, dann juckt es mich (und einige andere) nicht. 2,5% vom Neupreis hole ich aus der reinen Verkaufsverhandlung locker wieder raus. Un der Rest der Republik? Der Dieselt brav mit 180g CO2 weiter in die Zukunft und wundert sich warum in Oberbayern Palmen wachsen. Die einzige vernünftige Lösung geht nur über die Betrachtung der Gesamtemissionsbilanz eines jeden. So betrachtet wenden sich manche Blätter ganz schnell. Urplötzlich kommt der radikale Umverteiler, der jeden Furz mit seinem Wagen fährt (natürlich "nur" ein Golf), in einer schlecht isolierten Bude wohnt und Importfleisch mit 2000km Lieferweg verspachtelt gar nicht mehr so gut weg. Das darf man hier blos nicht laut sagen. Warheiten tun weh...
razfaz (19.12.2007, 15:46 Uhr)
Lobby vor allem anderne
Wenn wundert dieses hausgemachte Getöse? Wem zahlt die Industrie die Parties, Autos und Mandate?
Wie schön öfters stehen wir hinten dran statt vorne den Takt vorzugeben. BSp. Kat, Feinstaub, Russfilter, CO2.
Ist ja auch kein Wunder wenn die Gelder für neue Entwicklungen im Puff (VW) oder in Prunkbauten (BWM, Porsche) landen.
Merkwürdig nur das selbige Hersteller es dann für Kunden in Kalifornien doch können.
Eine Neiddiskussion (Dicke Autos) ist aber auch wieder "deutsch". Wir sollten auf eine
ganz einfache Bestrafung der Umweldbelastung / des Verbrauches kommen: teueres Benzin und Diesel (aber keine Kfz-Steuer). plus eine Schadstoffabgabe erheben anhand der technischen Werte als Dreckzuschlag bei Neuwagenverkauf (Bsp. pro 10kw 5000€)
Ferner müssen endlich alle öffentlichen Betriebe endlich Ihre Dreckschleudern umrüsten oder Abschaffen - diese verpesten nicht unerheblich die Innenstädte.
,
Und zu guter Letzt ein Tipp für unsere Tagespendler Bonn - Berlin (angeblich 6 LH Maschienen täglich) - endlich eine Hauptstadt!!
master_of_chaos (19.12.2007, 15:15 Uhr)
1300€ mehr =PEANUTS !
Was soll dieses unerträgliche Geseiere diverser Individuen bezüglich Mehrkosten?
Lassen wir uns nicht verarschen : es trifft hier diejenigen, welche es eh Dicke in der Geldbörse haben. Denn es sind die Luxuskarossen, welche den meisten Dreck machen .. so what
insLot (19.12.2007, 14:52 Uhr)
wo ist das Problem
Die Autobauer hatten sich doch eh schon in einer Selbstverpflichtung dazu bereit erklärt im nächsten Jahr die 140 Gramm je km zu erreichen, da sollten doch weitere 10g in 4 Jahren kein Problem darstellen.
Man könnte aber auch ehrlich sein und zugeben, dass man das Versprechen damals nur abgab damit man nicht durch den Gesetzgeber gezwungen wird. Getan hat man nichts und nun da es akut wird spielt man empört wo man doch selbst der Lügner ist!
Amin42 (19.12.2007, 14:49 Uhr)
Deutsche Industrie selber schuld...........
denn es ist doch seit langem bekannt, dass solche Grenzwerte kommen. Trotzdem wird dies tapfer ignoriert und mit "Premium"anspruch jedes Modell größer, schwerer, durstiger als das Vorgängermodell. Und warum?? Weil die Neuwagenklientel inzwischen zu 3/4 aus Firmen besteht, ´denen herzlich egal ist, wieviel Kraftstoff der Dienstwagen schluckt. Schön mal überlegt, dass ein 180PS Audi A4 früher mal ein 70 PS Audi 80 war, DAS Brot- und Butterauto schlechthin??? Welcher Privatmann kauft heut noch einen A4?? Keiner, weil er zu teuer geworden ist! Da helfen auch neuwagenfreundliche Konsumdaumenschrauben wie höhere Steuern für ältere Autos nichts... Ich für meinen Teil kann jedenfalls mit den Modellen die deutsche Automobilhersteller anbieten nichts anfangen, mit keinem einzigen, sorry, an meinem Bedarf sind die schlicht vorbeigebaut.Und offensichtlich bin ich da nicht alleine.... Schönen GRuss an BMW, Audi, Porsche, Mercedes etc: baut mal wieder was, was Privatkunden wollen, dann klappts auch mit Umsatz und Grenzwerten!
McGhosty (19.12.2007, 13:57 Uhr)
Wozu EU?
Wieso tritt Deutschland nicht einfach aus der EU aus? Was haben wir denn noch von der EU außer keine Grenzkontrollen? Wir zahlen in den Topf und andere Länder sanieren sich daraus.
Umdenken und Schadstoffe reduzieren können wir auch ohne EU-Vorgaben. Nur wollen muß man...
peterdevries (19.12.2007, 13:50 Uhr)
Gabriël ist scheinheilig
Gabriël ist scheinheilig. Er schliesst (wie die rest der Regierung) die Augen dafuer dass Mercedes, BMW und co. seit Jahren die Entwicklung sauberer Motoren gebremst haben zuguensten PS und Produktionskosten. Wettbewerb ist genau dass was hier gefragt ist. Die Deutsche Autohersteller sollten gezwungen werden Auto's herzustellen die genauso "sauber" sind wie die anderen. Hier wird mal wieder versucht die deutschen Autobauer zu schuetzen mit der Begruendung Arbeitsplaetze sichern zu wollen. Und so was nennt sich Umweltminister. Beschaemend!
RomanTicker (19.12.2007, 13:46 Uhr)
PS Wahn
Die Kritik des Minister Gabriel und der deutschen Autohersteller ist berechtigt. Aber wieso setzen sie weiter auf diesen PS Wahn. Es gibt immer mehr Staus und immer seltener freie Fahrt. Trotzdem haben die Fahrzeuge im Schnitt immer mehr Leistung. Das muss nicht sein.
Durchschnittswerte für einen ganzen Konzern wie am Beispiel von Fiat dargelegt bringen wirklich nichts. Es sollte Regelungen geben, die für alle Fahrzeuge gelten. Wenn Hersteller meinen, dann umweltschädlichere Fahrzeuge bauen zu müssen wie diese unnützen SUVs, dann sollen sie dafür Strafe zahlen müssen. Die Kosten werden dann an die Kunden weitergegeben und somit entsteht dann auch ein Anreiz, umweltfreundliche Fahrzeuge zu kaufen.
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