Abrechnung mit den Anklägern

2. September 2013, 12:49 Uhr

"Lebensfremde" Vorwürfe, "abwegige" Einschätzungen: Dirk Nonnenmacher hat im Prozess gegen den früheren Vorstand der HSH Nordbank die Staatsanwaltschaft harsch kritisiert. Sie sei voreingenommen.

Nonnenmacher, HSH Nordbank, Untreue, Bilanzfälschung

Zweifel an der Haltung der Staatsanwaltschaft: Dirk Nonnenmacher, Ex-Chef der HSH Nordbank, fand vor dem Hamburger Oberlandesgericht harte Worte.©

Im Verfahren gegen den ehemaligen Vorstand der HSH Nordbank hat der Angeklagte Dirk Jens Nonnenmacher die Hamburger Staatsanwaltschaft massiv angegriffen. Angesichts der Voreingenommenheit der Behörde werde er Fragen der Staatsanwälte nicht beantworten, sagte der frühere Finanz- und Vorstandschef zum Abschluss einer längeren Erklärung am Montag im Gerichtssaal. Er sei lediglich bereit, Fragen des Gerichts zu beantworten.

"Die Staatsanwaltschaft hätte Fragen vor der Erhebung der Anklage stellen können und müssen", erklärte Nonnenmacher. Sie habe ihn jedoch als Beschuldigten vor der Erhebung der Anklage zunächst gar nicht vernehmen wollen, sodass er über seinen Anwalt rechtliches Gehör habe einfordern müssen. "Ich sehe eine Haltung, die mit der Suche nach Wahrheit nichts zu tun hat." Die Staatsanwaltschaft wies die Kritik zurück. Nonnenmacher habe Gelegenheit gehabt, sich zu äußern.

"Vorwürfe sind absurd"

Der Vorwurf, er habe die Quartalsbilanz zum 31. März 2008 vorsätzlich falsch dargestellt, sei "mehr als lebensfremd". An anderer Stelle seines rund 45-minütigen Vortrags nannte Nonnenmacher Vorwürfe der Staatsanwälte "absurd" und eine "abwegige Einschätzung". Mit dem fraglichen Geschäft "Omega 55" hätten sich mehrfach Rechnungsprüfer, Juristen und Aufsichtsbehörden befasst. Es gebe wohl keinen Sachverhalt im deutschen Bankenbereich, der von so vielen sachkundigen Institutionen geprüft und gewürdigt werden musste. "Sämtliche Untersuchungen sind zu dem Ergebnis gelangt, dass mir aktien- und zivilrechtlich keine Pflichtverletzungen vorzuwerfen sind", sagte Nonnenmacher.

Nonnenmacher steht mit fünf weiteren Ex-Vorstandskollegen wegen des Verdachts der Untreue in einem besonders schweren Fall und wegen unrichtiger Darstellung vor Gericht. Es geht bei dem Verfahren um das Geschäft "Omega 55" aus dem Dezember 2007, das bei der Landesbank zu hohen Verlusten führte. Mithilfe des komplexen Überkreuzgeschäfts mit der französischen Großbank BNP Paribas wollte die HSH Risiken aus ihrer Bilanz auslagern, um kurz vor dem damals anvisierten Börsengang eine drohende Abstufung durch Rating-Agenturen zu vermeiden. Laut Staatsanbwaltschaft entstand der Bank dabei ein Schaden von rund 160 Millionen Euro. Um die Verluste zu vertuschen, habe der Vorstand anschließend die Bilanz geschönt.

Nonnenmacher weist persönliche Beteiligung zurück

Der Prozess gilt als richtungsweisend: Zum ersten Mal in der Finanzkrise könnte ein ganzer Bankvorstand wegen riskanten Geschäften strafrechtlich belangt werden. Werden die Manager verurteilt, drohen ihnen lange Gefängnisstrafen. Auf Untreue steht eine Höchsstrafe von bis zu zehn Jahren, für Bilanzfälschung können maximal drei Jahre Haft verhängt werden. Viele Strafrechtler gehen jedoch von einem weitaus milderen Urteil aus. Ein Entscheid in dem Mammut-Prozess wird erst für 2014 erwartet.

Nonnenmacher wies darauf hin, dass er als Finanzchef nicht für "Omega 55" zuständig gewesen sei. "In die Planung, Vorbereitung, Ausgestaltung, Umsetzung und Überwachung der Transaktion war ich persönlich zu keinem Zeitpunkt eingebunden", sagte er.

Nonnenmacher war erst wenige Wochen vor dem Geschäft in die Bank eingetreten. In den rund 50 Arbeitstagen bis Weihnachten 2007 habe er sich mit seinen Aufgabenbereichen und der Organisation der HSH Nordbank vertraut gemacht. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit hätten Umstellungen in der Bilanzierung und der angestrebte Gang an den Kapitalmarkt gehört. Vor dem Hintergrund der gesamten Situation und der Ziele der HSH Nordbank seien ihm Maßnahmen zur Risikoreduzierung und Bilanzentlastung geschäftspolitisch plausibel und mit Blick auf die Kapitalkennziffern, das Neugeschäft, das Rating und die Refinanzierung auch notwendig erschienen.

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