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Wie Feelgood-Manager es schaffen, dass Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen

Wohlfühlen am Arbeitsplatz – immer mehr Unternehmen holen sich Feelgood-Manager ins Haus, die sich um die Zufriedenheit der Mitarbeiter kümmern. Denn: Glückliche Angestellte sind produktiver. Wie das genau läuft, erklärt ein Profi. 

Frau am Schreibtisch

Wie wohl fühlen Sie sich an ihrem Arbeitsplatz? Vielleicht sollte ihr Chef mal einen Feelgood-Manager anheuern. 

Seien wir ehrlich: Selbst der tollste Job ist und bleibt Arbeit, für die wir bezahlt werden. Die Büroräume würden wir privat sicher anders einrichten, die Kollegen mag man auch nicht immer, der Chef versteht einen nicht, aber so ist das eben. Doch wie wäre es, wenn es einen Menschen im Betrieb geben würde, der sich darum kümmert, dass wir gerne zur Arbeit gehen? Jemanden, der Probleme behebt und sich dafür einsetzte, dass Menschen jeden Morgen gerne durch die Bürotür treten? 

Monika Kraus-Wildegger ist die Gründerin des Hamburger Start Ups Goodplace, der perfekte Gesprächspartner um über Feelgood-Manager sprechen zu sprechen: einen Job den es so vor fünf Jahren noch nicht gegeben hat und bei dem es darum geht, Wohlfühlatmosphäre ins Büro zu bringen. Kraus-Wildeggers Firma Goodplace coacht diese Feelgood-Manager und hilft Unternehmen dabei, ihre Defizite zu erkennen und zu beheben. Man erwartet etwas über Obstkörbe in Pantry-Küchen und Kicker-Tische in Pausenräumen zu erfahren. Falsch gedacht! 

Die Kellnerin bringt Kraus-Wildegger ihren Tee mit frischer Minze. Die Mittvierzigerin ist keine 1,70 Meter groß und wirkt wie eine pragmatische Frau, die anpacken kann und problemlos 50 Angestellte auf Trab und bei Laune hält. Goodplace hat kein eigenes Büro, darum sitzen wir in einem Hamburger Co-Workingspace. 

Was ist denn der häufigste Fehler, durch den Unternehmen das Wohlgefühl ihrer Mitarbeiter beeinträchtigen?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Aber es gibt häufig zu kurz gedachte Lösungsansätze. Manche halten eine Obstschale und einen Kicker für die Lösung. Doch wenn ihre Kollegen lieber Nüsse essen, wird das Obst nicht gegessen und schlecht. Die Kollegen neben deren Büro der Kicker steht, werden durch den Geräuschpegel gestört – und der Kicker darf nur noch zu festen Zeiten genutzt werden, mittags oder nach Feierabend. Damit ist keinem geholfen. Das erzeugt keine Wohlfühlatmosphäre. 

Porträt von Monika Kraus-Wildegger

Monika Kraus-Wildegger hat Goodplace im Sommer 2012 gegründet. 

Was brauche ich, um am Arbeitsplatz glücklich zu sein?

Es gibt verschiedene Kriterien, die für Wissensarbeiter besonders wichtig sind und die Stimmung am Arbeitsplatz beeinflussen, zum Beispiel wie flexibel ich arbeiten kann, welche Arbeitskultur herrscht, Fairness und Offenheit, wie die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten ist.

Und wenn eine Firma damit Probleme hat, schicken Sie einen Feelgood-Manger vorbei und räumen auf?

Wir analysieren das Unternehmen um herausfinden: Wo ist noch Luft nach oben? Wichtig ist, dass Potenzial vorhanden ist. Dazu sprechen wir viel mit den Mitarbeitern, die uns offen, ehrlich und ohne das Dabeisein der Geschäftsleitung von ihren Sorgen und Nöten berichten. Doch dafür muss die Geschäftsleitung den Bedürfnisse der Mitarbeiter Priorität einräumen – außerdem erfordert das sehr viel Vertrauen den Mitarbeitern und uns gegenüber: dass wir so tief in ein Unternehmen eintauchen dürfen. 

Sie gestikuliert viel beim sprechen, beugt sich vor – und hat dabei immer beide Beine fest auf dem Boden. Müsste ich mir jemanden vorstellen, der bei meinem Chef bessere Arbeitsbedingungen durchsetzt – Kraus-Wildegger würde dem genau entsprechen. 

Dann kommt der Feelgood-Manager ins Spiel?
Genau. Im Idealfall bekommt jemand aus dem Unternehmen diesen Job. Er genießt das Vertrauen der Kollegen und bekommt ein Mandat von der Geschäftsleitung. Er ist Vermittler und Vertrauensperson, Mediator und Umsetzer zugleich. Ein Seismograph, der früh merkt, wenn es knirscht. Wir von Goodplace coachen ihn, begleiten ihn bei seiner Fortbildung zum Feelgood-Manager. 

Warum sollte ich mir als Unternehmen so etwas leisten?

Engagierte Mitarbeiter sind innovativer, engagierte Mitarbeiter sind treuer, das ist wissenschaftlich bewiesen. Außerdem wird das Unternehmen für junge Fachkräfte deutlich attraktiver. 

Inwiefern?

Ein Feelgood-Manger unterstützt auch immer neue Mitarbeiter. Er heißt sie willkommen und hilft zum Beispiel bei der Wohnungssuche in einer fremden Stadt, unterstützt einfach den ganzen Prozess des Umzugs und Einfindens in eine Firma, das so genannte Onboarding. 

Was sind die besten Änderungen um die Atmosphäre in einem Unternehmen zu verbessern?

Beim Feelgood-Management geht es immer um zugeschnittene Lösungen – wir erarbeiten für jedes Unternehmen basierend auf den Bedürfnissen eine eigene Roadmap, mit handfesten und sinnvollen Empfehlungen. Wenn Sie zum Beispiel ein Unternehmen leiten, in dem viele Mütter und Väter arbeiten, sind Afterwork-Events zum Teambuilding eher ungeeignet. Da würden eher Museumbesuche passen – Veranstaltungen, die tagsüber stattfinden und keine Betreuung für die Kinder gesucht werden muss. Das wichtigste ist aber: Bloß kein Schi-Schi.

Interview: Lara Wiedeking

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